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Radeberg wird moderner

Derzeit entstehen an vielen Ecken der Bierstadt neue Wohnungen. Ein besonderes Projekt ist jetzt auf den Weg gebracht.

© Entwurf: TBP Generalplaner

Von Jens Fritzsche

Radeberg. Natürlich weiß auch Radebergs OB, dass sich manche Radeberger über dieses Wohnbau-Projekt wundern. Kurz vor der Kurve zwischen Pulsnitzer- und August-Bebel-Straße mitten im Stadtzentrum soll ein Wohnkomplex wachsen – auf der Fläche des einstigen Wellpappen-Werkes nämlich. Das hatte seit kurz nach der Wende leer gestanden und war vor Jahren abgerissen worden; seither grünt und blüht es hier. Und weil Radeberg ja bekanntlich entlang des Röderufers genau hier entlang das Projekt „Grünes Band“ umsetzen will, „wundern sich viele, dass wir einerseits in der Nähe Grünflächen schaffen wollen und andererseits hier auf einer Grünflache bauen lassen“, so OB Gerhard Lemm (SPD) Mittwochabend in der Stadtratssitzung. Aber die Fläche, macht er gleich deutlich, die Fläche war immer schon als Wohnbaufläche in den Plänen der Stadt vorgesehen. Zudem verlaufe das geplante Grüne Band hinter dem vorgesehenen Bau.

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Wobei auch vor allem die Optik des Vorhabens für Aufsehen sorgt. Schon, als die ersten Entwürfe vor gut anderthalb Jahren in die Öffentlichkeit gelangten, wurde hitzig diskutiert. Passt das von einem Düsseldorfer Investor geplante Projekt nach Radeberg? Denn der imposante Bau trägt durchaus großstädtische Züge. Detlev Dauphin, Chef der Freien Wähler im Stadtrat und selbst auch Architekt, ist jedenfalls begeistert: „Warum sollten wir nicht neben dem Namen Bierstadt auch Stadt der Moderne sein“, verwies er augenzwinkernd auf den Beinamen, den sich zum Beispiel Chemnitz gegeben hat. Und er verwies auch darauf, dass es auf dem Areal schon so manche Pläne gab, „die zum Glück nicht umgesetzt wurden“, wie er findet. Ein Investor hatte bekanntlich hier auch mal ein Kaufland bauen wollen. „Gottseidank haben wir jetzt einen bekannten Investor, der moderne Wohnungen baut, die Radeberg dringend braucht!“ Ähnlich sieht das auch SPD-Fraktionschef Frank Höhme: „Wir wollen ja auch eine junge Stadt sein, wollen junge Familien anlocken, da braucht es auch moderne und mutige Architektur“, ist er überzeugt. Und hofft, „dass es auch wirklich losgeht“.

Schützt vor Straßengeräuschen

Kritischer sieht es Grünen-Stadtrat Rolf Daehne: „Schade, dass der Blick zu den Leithen sozusagen privatisiert wird“, sagt er. Und Ingrid Petzold von der CDU hätte sich gewünscht, dass es einen Durchgang von der Straßenfront aus in den Innenhof und von dort zu den Leithen geben würde. Radebergs OB verwies allerdings in diesem Zusammenhang auf den Lärmschutz: „Diese Front schützt ja auch gleichzeitig vor den Straßengeräuschen“, sagt er.

Wobei die vorgelegten ersten Entwürfe ohnehin nur eine Idee sind, die letztlich noch gar kein Bestandteil der Entscheidung der Stadträte ist. Mittwochabend ging es zunächst erst einmal um den grundsätzlichen Willen, auf dem Areal ein solches Wohnbau-Projekt auf den Weg zu bringen. Die Optik wird dann erst im zweiten Schritt folgen – „und kann sich auch noch einmal ändern“, so der OB. Grundsätzlich hatten die Stadträte dabei also nichts gegen die Bau-Idee; der Weg ist damit frei. Und auch das Parkproblem wird mit gelöst werden, heißt es aus dem Bauamt dazu – „Parkplätze für die Bewohner sind im Projekt enthalten“, unterstricht Bauamtschefin Uta Schellhorn auf eine entsprechende Nachfrage von Matthias Hänsel von der CDU.

Durch dieses grüne Stadtratslicht können die Bebauungsplanungen nun also im Rathaus ausgelegt werden und die Bürgerschaft kann sich eine Meinung dazu bilden. Die sogenannten Träger öffentlicher Belange haben ihre Kritikpunkte und Anmerkungen bereits abgegeben – also Umweltverbände, das Straßenbauamt oder die umliegenden Städte und Gemeinden. Damit hat das Projekt bereits eine wichtige bürokratische Hürde genommen.

Radeberg ist damit wieder einen wichtigen Schritt weiter, sein Gesicht ein Stück zu verändern. Moderner, städtischer zu werden. Und vor allem werden hier dringend notwendige große Wohnungen für Familien geschaffen. Die sind in Radeberg derzeit bekanntlich echt Mangelware.