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Radeberger Schüler sitzen auf dem Chefsessel

Bildung.Gymnasiasten aus drei Städten haben trainiert, wie es mit einer eigenen Firma so geht. Die Radeberger schlugen sich in dem Projekt prima.

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Von Madeleine Siegl-Mickisch und Iris Schmidt

Radeberg/Bautzen. Eine Woche lang durften sie Geschäftsführer, Finanz- und Personalchef, Marketing- oder Produktionsleiter sein. 34 Schüler aus zehnten und elften Klassen des Bautzener Melanchthon-, des Bischofswerdaer Goethe- und des Radeberger Humboldt-Gymnasiums nahmen an der „Wirtschaftswoche“, einem Unternehmensplanspiel teil.

„Unsere zehn Leute, die dabei waren, haben sich prima geschlagen“, freut sich Lehrerin Kristin Müller vom Humboldt-Gymnasium. Sie leitet auf dem Freudenberg einen speziellen fächerübergreifenden Kurs, der sich Trans-Job nennt. Hier können Ideen für eine eigene Firma entstehen, werden Mathe, Physik, Informatik und Englisch in einen neuen, weniger theoretischen Zusammenhang gerückt. Nun sind für ihre Schützlinge Begriffe wie Bilanz, Erfolgsrechnung oder Unternehmensleitbild keine Fremdworte mehr.

Fünf gemischte Teams aus allen drei Schulen wurden gebildet und jedes übernahm ein fiktives Unternehmen im zehnten Geschäftsjahr – zum Beispiel einen Betrieb, der Hightech-Rucksäcke herstellt. Alle starteten mit dem gleichen Marktanteil von 20 Prozent. Am Ende jedes Tages war ein Geschäftsjahr zu Ende, in dem Entscheidungen getroffen werden mussten: Wie soll das Produkt aussehen und welchen Preis soll es haben? Soll die Produktion ausgeweitet werden? „Ja, es gab auch schwierige Fragen, ich denke an den Bereich der Personalpolitik und Entlassungen“, so Kristin Müller. Auch die Gewerkschaft war vor Ort, schließlich hat ein Unternehmer auch mit den Arbeitnehmervertretern zu tun. Die Frage der Sozialpartnerschaft spielte eine Rolle. Über Finanzierungen sprach ein Vertreter der Volksbank, zum Thema Forschung und Entwicklung der Leiter des Bautzener Technologie- und Gründerzentrums. „Das war Praxis pur“, so die Radeberger Lehrerin zufrieden.

Bilanzen auf dem Tisch

Die Auswirkungen der getroffenen Entscheidungen wurden über Nacht per Computer berechnet. Am nächsten Morgen lagen dann die aktuellen Daten wie Bilanz, Marktanteil und Börsenwert vor. Am bersten hatten sich „Geschäftsführer“ Mario Casper vom Goethegymnasium Bischofswerda mit seinen Mitstreitern geschlagen. Sie erhielten einen Büchergutschein als Preis. Das Team konnte bei der Jury vor allem mit seiner guten Präsentation punkten. Ebenfalls ausgezeichnet wurde Team 1, die Tech Bag AG um „Chef“ Tinko Keil vom Melanchthongymnasium Bautzen, die wirtschaftlich am besten dastand und ihre Marktposition ausgebaut hatten.

Viel Spaß dabei

„Es hat viel Spaß gemacht, sich mit den anderen auszutauschen und auszuprobieren“, so war das Fazit von Emanuel Großer aus Radeberg, auf dessen T-Shirt das Logo „seiner“ Firma, der Tech Bag AG, prangte. Vielleicht sogar eine Erfahrung fürs Leben, denkt Kristin Müller. „Unsere zehn Leute haben mal reingeschnuppert, wie das so mit der Betriebswirtschaftslehre ist, wie es in der Praxis aussieht, und wie man mit Erfolg und Misserfolg umgeht“, fasst Kristin Müller ihre Erfahrungen zusammen.