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Radebeul hilft Ukraine

Noch in diesem Monat fährt ein Transport mit dringend benötigten Gütern in die Partnerstadt Obuchiw.

Von Wolf Dieter Liebschner

Die Städtepartnerschaft zwischen Radebeul und dem ukrainischen Obuchiw besteht 2014 seit 15 Jahren. Gegenwärtig laufen im Rathaus erste Überlegungen, zu diesem Jahrestag eine Delegation nach Obuchiw zu schicken. „Wir planen, wenn alles gut läuft, im September in die Ukraine zu fahren“, sagt Gulnara Gey, die Städtepartnerschaftsbeauftragte der Stadt.

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Einige Radebeuler machen sich allerdings schon in wenigen Tagen mit einem Hilfstransport auf den Weg in die Partnerstadt. In den Abendstunden des 24. April werden ein 40-Tonnen-Lkw und ein Feuerwehrkleinbus als Begleitfahrzeug Radebeul verlassen. Für alle acht Begleiter des Hilfstransports wird die Fahrt ein wahrer Parforce-Ritt. Denn der kleine Tross soll bereits am 28. April aus dem rund 1.600 Kilometer entfernten Obuchiw zurück sein. „Wir fahren nonstop“, sagt Gulnara Gey. „Die Fahrer wechseln sich regelmäßig ab.“

An Bord sind Hilfsgüter, die besonders in der jetzigen gespannten Lage dringend in der Partnerstadt gebraucht werden. „Wir haben unter anderem Medizin- und Garderobenschränke, 22 Pflegebetten mit Nachschränken und Tische für das Obuchiwer Krankenhaus geladen“, sagt Gulnara Gey. „Alle Sachen sind zwar gebraucht, aber in einem sehr guten Zustand. Die Krankenhauseinrichtung stammt zum größten Teil aus der Elblandklinik Riesa. Zwei Pflegebetten hat uns Herr Jesse aus Cossebaude zur Verfügung gestellt. Er hatte in der Sächsischen Zeitung von unserer Hilfsaktion gelesen.“

Auch die Stadt Radebeul hat für die Aktion gespendet – 100 Tische und 200 Stühle sind für die Schule Nr. 5 gedacht, die Partnerschule des Radebeuler Lößnitzgymnasiums. 20 Kinderbetten, 20 Tische und 50 Stühle stiftete die Volkssolidarität für einen Kindergarten sowie Rollator und Gehhilfen für Veteranen aus Obuchiw. Zwei hochwertige Feuerwehrgeräte – ein Scheren-Spreizer und ein Sprungpolster – stammen von den Kameraden der Radebeuler Freiwilligen Feuerwehr. Vier Fahrräder spendete die Radebeulerin Antje Lantsch.

Der humanitäre Transport steht unter der Leitung des Radebeuler Oberbürgermeisters Bert Wendsche. Gemeinsam mit Stadtrat Thomas Gey – der sich um die Klinik-Spenden gekümmert hat – möchte er mit dem Obuchiwer Oberbürgermeister und Stadträten über die gegenwärtige politische Situation ins Gespräch kommen und Solidarität besonders mit den ukrainischen Partnern bekunden.

Auch Feuerwehrchef Roland Fährmann geht mit auf die Fahrt. Er hat das Zusammenführen, Verpacken und Beladen aller Sachspenden organisiert. „Die Feuerwehrleute möchten auch an der Gedenkveranstaltung für die Opfer der Atom-Katastrophe von Tschernobyl von 1986 gemeinsam mit den Kameraden aus der Partnerstadt teilnehmen“, sagt Gulnara Gey.

Mit dabei ist auch Sabine Flierl. Sie hat im Auftrag der Kinderarche Sachspenden für die Partnereinrichtung „Kinderheim in Tripolje“ in der Nähe von Obuchiw gesammelt. Auch dies wurde von der Radebeuler Stadtverwaltung vermittelt.

Gulnara Gey selbst musste sich mit der unabwendbaren Bürokratie herumschlagen. Die Städtepartnerschaftsbeauftragte sorgte für die Organisation des Transports, die Übersetzung der Einfuhrpapiere, den Antrag auf die Einfuhrgenehmigung und Weiteres. „Bis zuletzt stand ich im Kontakt zur Stadtverwaltung von Obuchiw und zum Ministerium für soziale Politik in Kiew“, sagt sie.

Bestärkt werden die Radebeuler von einem Brief, der jüngst aus Berlin in der Lößnitzstadt eintraf. Absender: Peter Altmaier, Chef des Bundeskanzleramtes. „Im Wissen um die Partnerschaft Ihrer Stadt mit der ukrainischen Stadt Obuchiw möchte ich Sie ermuntern, die bestehenden kommunalpolitischen, kulturellen und zivilgesellschaftlichen Verbindungen zu nutzen und weiter zu aktivieren, um den ukrainischen Partnern ideelle und ggf. auch konkrete materielle Unterstützung in diesen schwierigen Zeiten zukommen zu lassen“, schreibt Altmaier.

Nichts anderes tun die Radebeuler in diesen Tagen. „Vor dem Hintergrund der aktuell angespannten Situation in der Ukraine wächst die Sorge der Einwohner in unserer Partnerstadt über die weitere politische Entwicklung“, schreibt Oberbürgermeister Wendsche in seiner Antwort an Altmaier. „In Obuchiw leben Menschen aus 18 Ethnien und das friedliche Zusammenleben funktioniert, sowohl im öffentlichen Leben als auch privat. Die dortige Stadtverwaltung versucht, in diesen stürmischen Zeiten die Normalität des Alltags aufrechtzuerhalten.“ Da kommt die Hilfe aus Radebeul gerade recht.