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Radebeul kann Brücke über Gleise bauen

Die Landesdirektion Sachsen hat die Planungen für den Bahnübergang an der Stadtgrenze zu Coswig genehmigt.

An dieser Kreuzung soll ein Kreisverkehr entstehen. Von dort kommt man dann zur Brücke, die über die Schienen hinter dem Mega-Drome ins Gewerbegebiet führt.
An dieser Kreuzung soll ein Kreisverkehr entstehen. Von dort kommt man dann zur Brücke, die über die Schienen hinter dem Mega-Drome ins Gewerbegebiet führt. © Arvid Mueller

Radebeul. Das Vorhaben gehört wohl zu den langfristigsten überhaupt in Radebeul. Nachgedacht wird über eine ordentliche Querung der Bahngleise an der Grenze zu Coswig schon seit 30 Jahren, genauer geplant seit fast 20. Am Dienstagmittag kam nun die gute Neuigkeit: Die Landesdirektion Sachsen hat das Planfeststellungsverfahren für die Verbindungsstraße Nach der Schiffsmühle abgeschlossen. Damit verfügt die Stadt über Baurecht.

2015 wurde der Bahnübergang, an dem es oft zu langen Wartezeiten kam, komplett geschlossen. Seitdem müssen Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer Umwege in Kauf nehmen, um von Kötitz oder Naundorf zur Meißner bzw. Dresdner Straße zu gelangen. Künftig soll an dieser Stelle eine Brücke über die Schienen führen.

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120 Meter lange Brücke

„Mit dem Planfeststellungsbeschluss kann Radebeul die unterbrochene Gemeindestraße Nach der Schiffsmühle wieder durchgängig befahrbar machen. Damit erhalten die Gewerbegebiete Radebeul-Naundorf und Coswig-Grenzstraße ihre direkte Verbindung zu den Wohngebieten im Norden und zur Meißner Straße zurück“, teilt Regina Kraushaar, Präsidentin der Landesdirektion Sachsen, mit. „Der Ersatz der Bahnübergänge durch eine Brücke schafft erstmals eine leistungsfähige und sichere Verkehrsverbindung.“

Zentraler Bestandteil der 600 Meter langen Trasse ist eine 120 Meter lange Straßenbrücke. Diese überspannt die Gleise der S-Bahn, der Fernbahn und einer Anschlussbahn.

So sieht die geplante Verkehrsführung für die Strecke aus.
So sieht die geplante Verkehrsführung für die Strecke aus. © SZ/Grafik

Schutzstreifen statt separatem Radweg

Die neue Verbindungsstraße erhält eine 7,50 bis acht Meter breite Fahrbahn. Am nördlichen Ende wird die unübersichtliche Kreuzung mit der Meißner Straße und der Lößnitzstraße durch einen Kreisverkehr ersetzt. Am südlichen Ende bleibt es bei der Kreuzung mit der Friedrich-List-Straße und der Straße An der Walze. Mega-Drome und Westhotel bekommen eine separate Zufahrt. 

An der Strecke wird es einen 2,50 Meter breiten Gehweg sowie in beide Fahrtrichtungen Fahrradschutzstreifen geben, informiert die Landesdirektion. Kritik daran gab es zuletzt mehrfach von der Radebeuler Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC), der separate Radwege und nicht nur einen Streifen auf der Fahrbahn gefordert hatte. Denn die Brücke wird voraussichtlich stark frequentiert sein. Eine Verkehrsprognose rechnet an normalen Werktagen mit 600 Fahrzeugen pro Stunde, davon sechs Prozent Lkws.

Die Stadt sprach sich jedoch gegen eine gemeinsame Führung von Fußgängern und Radfahrern aus, weil darin eine Gefahr gesehen wird. Begründet wurde das mit der Längsneigung der Brücke und den zu erwartenden höheren Geschwindigkeiten. Die Schutzstreifen auf der Straße sollen aber mit 1,50 Meter breiter werden, als sie mit 1,25 Meter vorgeschrieben wären.

An der nördlichen Brückenrampe wird ein separater Weg für Fußgänger und Radfahrer in Richtung Südstraße bzw. Bahnhof Coswig errichtet. „Auf diese Weise verkürzen sich die Wege für beide Gruppen erheblich. Gegenwärtig steht Radfahrern auf zwei Kilometern Länge keine Querungsmöglichkeit der Bahntrasse zur Verfügung“, informiert die Landesdirektion.

2015 wurde der ehemalige Bahnübergang Nach der Schiffsmühle geschlossen, an dem es oft lange Wartezeiten gab.
2015 wurde der ehemalige Bahnübergang Nach der Schiffsmühle geschlossen, an dem es oft lange Wartezeiten gab. © Archiv/ Arvid Müller

Baustart voraussichtlich 2022

Des Weiteren entlastete die neue Verbindungsstraße viele Anwohner vom Durchgangsverkehr. Zugleich schaffe sie eine hochwassersichere Verbindung zwischen der Elbtalstraße Meißen-Dresden und der Meißner Straße. „Das Hochwasser 2002 hat uns die Barriere und damit verbundenen Schwierigkeiten des beschrankten Bahnüberganges Nach der Schiffsmühle bzw. Kötitzer Straße deutlich vor Augen geführt. Mit der Beseitigung dieser Engstelle und der damit hochwasserschutzgerechten Erschließung des Gewerbegebietes ist ein großes Projekt auf den Weg gebracht“, sagt  Radebeuls Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos).

Losgehen soll es mit dem Bau voraussichtlich ab 2022, informiert Radebeuls Stadtsprecherin Ute Leder. Zum jetzigen Zeitpunkt geht die Stadt von Kosten um die 10 Millionen Euro aus.

Als Kompensation für die mit dem Brückenbau verbundenen Eingriffe in die Natur soll es Ausgleiche geben. Dazu gehören unter anderem die Entsiegelung und dauerhafte Rekultivierung nicht mehr benötigter Verkehrs- und Siedlungsflächen. Auf einer Fläche von rund 2.800 Quadratmetern sind Gehölzpflanzungen vorgesehen. Es werden rund 2.500 Quadratmeter Extensivgrünland angelegt und eine 740 Quadratmeter große Streuobstwiese geschaffen, informiert die Landesdirektion Sachsen.

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