merken
PLUS

Radebeuler Friedensburg wird zwangsversteigert

Der vom Amtsgericht Dresden aufgerufene Preis liegt weit unter den bisherigen. Allerdings ist noch ein Streit offen.

© Arvid Müller

Von Peter Redlich

Irgendwann wollen Banken ihr Geld haben. Jetzt ist es offenbar bei der Friedensburg so weit. Der im Grundbuch eingetragene Besitzer heißt Carsten Weinberg. 2003 hat er die Immobilie erworben und mit Millionenaufwand saniert. Inzwischen steckt der Friedensburgbesitzer und Druckereibetreiber allerdings in finanziellen Schwierigkeiten.

Jubel
Zwei echt starke Jubiläen
Zwei echt starke Jubiläen

Die gedruckte Sächsische Zeitung wird 75 Jahre alt. Digital gibt es uns seit 25 Jahren. Beide Jubiläen wollen wir feiern - und Sie können dabei gewinnen.

Die Geldnöte brachten Oliver Kreider ins Spiel, einen vermögenden Projektentwickler für Immobilien. Kreider, mit Bürositz in Hartmannsdorf bei Chemnitz, hat Weinberg eine Million Euro geliehen und dafür mit ihm einen Kaufvertrag für die Friedensburg geschlossen. Als Sicherheit für das geliehene Geld. Allerdings gibt es in dem Vertrag, dessen Vollzug schon zum zweiten Mal um zwei Jahre verschoben wurde, eine Rücktrittsklausel. Die besagt im Kern, dass die Friedensburg nur zu den eingetragenen Millionenwerten gehandelt wird, wenn sie ausschließlich zu Wohnzwecken genutzt werden kann.

Doch genau da ist das Problem. Weinberg und inzwischen auch Kreider liegen mit der Stadt Radebeul im Streit. Die Stadt verlangt, gemäß der von Weinberg schon 2003 beantragten Baugenehmigung, eine Gaststättennutzung in der Friedensburg. Und: Die Stadt untersagte dem Besitzer die ausschließliche Wohnnutzung.

Seit mittlerweile elf Jahren geht dieser Streit, der jetzt beim Oberverwaltungsgericht in Bautzen anhängig ist. Wohnen oder Gaststätte – das macht den Wertunterschied aus. Das jetzt zur Zwangsversteigerung veröffentlichte Wertgutachten zeigt es deutlich: Das Sachverständigenbüro von Gutachter Harald Witschorek nennt bei einer „zulässigen Wohnnutzung“ einen Verkehrswert von 2,35 Millionen Euro, bei gastronomischer Nutzung 500.000 Euro.

Sollte die Stadt also vor Gericht recht bekommen, wird die Immobilie drastisch abgewertet. Dem wollen offenbar die Gläubiger zuvorkommen. In dem Aufruf zur Zwangsversteigerung am 9. September am Dresdner Amtsgericht steht der Wert von 1,4 Millionen Euro und das entscheidende Wort Wohnimmobilie. Oliver Kreider deutet das als Fingerzeig.

Als offizielle Bezeichnung steht zu dem Termin am Dresdner Olbrichtplatz für die Radebeuler Immobilie mit Adresse Obere Burgstraße 6: denkmalgeschütztes Gebäudeensemble „Friedensburg“ ab 2003 aufwendig instand gesetzt und modernisiert, gehobene bis stark gehobene Ausstattung. Noch vermerkt ist, dass zurzeit das Gebäude ausschließlich der Wohnnutzung dient. 765 Quadratmeter Wohnfläche, aufgeteilt in mehrere Wohnungen. Zur „gehobenen Ausstattung“ gehören beispielsweise eine Sauna, Designerduschen und Körperformbadewanne. Anstelle der Garagen gibt es einen Außenpool auf dem insgesamt 7.952 Quadratmeter großen Grundstück.

Viel Aufwand für de facto keine echte Verwertung. Zuletzt hatte Oliver Kreider auf SZ-Nachfrage gesagt, dass es einen Käufer geben soll. Einen vermögenden, aber nicht genannt sein wollenden Bürger aus dem Saarland. Der würde die Friedensburg-Immobilie für 3,7 Millionen Euro kaufen. Wiederum von Kreider, dessen Kaufvertrag jedoch noch nicht einmal vollzogen ist. Denn dann, so Radebeuls Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos), hätten die Unterlagen ja schon mal der Stadt vorgelegen. Was bei jedem Grundstücksgeschäft in Radebeul Vorschrift ist.

Oliver Kreider selbst sagt zur bevorstehenden Zwangsversteigerung: „Ich bin eigentlich froh, dass jetzt eine Entscheidung herbeigeführt wird.“ Auch sei er sich sicher, dass die Stadt vor Gericht verlieren werde. Schließlich sei es schon mal ein Fingerzeig, wenn die Immobilie als Wohnimmobilie versteigert werde. Traurig finde er, dass man sich nicht habe mit der Stadt einigen können. Beispielsweise Wegerecht entlang der Friedensburg für den Weinwanderweg gegen Wohnnutzung. Doch darauf will sich die Stadt nicht einlassen.

Um das Geschehen der Versteigerung und damit sein an den Besitzer geliehenes Geld nicht aus der Hand zu geben, wolle Oliver Kreider selbst mitsteigern. Wie hoch das Interesse zum Versteigerungstermin sein wird, ist schwer abzuschätzen. Insider sagen, der Preis sei interessant. Erst recht, wenn beim ersten Versteigerungstermin nicht die 1,4 Millionen Euro geboten werden. Dann könnte die Immobilie sogar zum Schnäppchen werden.