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Radebeuler muss Kantine in der Königsbrücker schließen

Nach 15 Jahren macht Erhard Kleint sein Bistro dicht. Denn der neue Besitzer will mindestens doppelt so viel Miete wie bisher.

Von Ulrike Kirsten

Demnächst bleibt die Großküche an der Königsbrücker Straße 21 kalt. Dann ist Schluss für den Radebeuler Erhard Kleint, der seit 1998 die Kantine im Postamt betreibt. Sie schließt am 19. Dezember. „Der neue Besitzer will das Doppelte an Miete. Das ist zu viel. Unter diesen Bedingungen kann ich meine Gastronomie nicht weiterbetreiben“, sagt der 62-Jährige. Die Entscheidung, das Bistro zu schließen, ist ihm nicht leicht gefallen. „Ich habe sechs Mitarbeiter, die fast alle mit mir hier angefangen haben“, sagt der gelernte Koch, der in dem Lokal selbst regelmäßig am Herd gestanden hat. Dort wird bis heute alles selbst zubereitet. „Klassische Hausmannskost gab es bei uns“, sagt Kleint, der eine weitere Kantine in Ottendorf-Okrilla betreibt.

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Es ginge ihm trotzdem schlecht, nicht nur, weil sich alle seine Mitarbeiter nun neue Stellen auf einem schwierigen Markt suchen müssen. „Wir waren hier immer wie eine Familie. Auch mit den Kunden haben wir ein enges Verhältnis gepflegt.“ Viele Stammgäste sind seit der Eröffnung vor 15 Jahren fast täglich zum Mittagessen gekommen. „Unseren Kreis an Tischgästen haben wir uns selbst aufgebaut, nachdem das Briefverteilerzentrum nach Ottendorf-Okrilla umgezogen war und die Postangestellten nicht mehr zum Essen kamen“, erinnert sich Erhard Kleint. In den folgenden Jahren kamen immer mehr Gäste, ob aus Betrieben oder Büros, die in der Neustadt ansässig sind. „Es sprach sich schnell rum, dass man hier kostengünstig essen konnte“, sagt Kleint. Bis zu 400 Portionen sind täglich in der Kantine über die Theke gegangen, auch Frühstück hat Erhard Kleint angeboten. „Es lief eigentlich gut, bis der Besitzer Ende Februar gewechselt hat.“ Im April erfuhr er, dass die Kantine nun der Berliner Königsreal Investment GmbH gehört. Diese will die Miete für das Lokal im einstigen Postgebäude ab 2014 verdoppeln. Das Gebäude sei ein Filetstück. Man könne nicht weiter so wenig Miete nehmen, wurde Kleint als Grund genannt. Im Sommer musste der Gastronom einen weiteren Rückschlag verkraften. „Im Juni brachen die Umsätze drastisch ein. Wir haben nur noch 180 Portionen täglich verkauft.“ Weshalb, kann Kleint sich nicht erklären. Zudem habe ihm der neue Vermieter verboten, den Speisesaal für andere Veranstaltungen zu nutzen. Mit diesen zusätzlichen Einnahmen wäre es ihm vielleicht möglich gewesen, die Geschäfte weiterzuführen. Auch weil sich das Mittagsgeschäft inzwischen erholt hat. Doch es habe kein Entgegenkommen vom Eigentümer gegeben. Gegenüber der Sächsischen Zeitung wollte sich dieser nicht zu Kleints Kündigung äußern. Es sei aber geplant, das Gebäude im ersten Halbjahr 2014 zu sanieren, teilt Michael Oerter mit, der sich um die Verwaltung der Immobilie kümmert. Erneuert werden die Fassaden, Treppenhäuser sowie der Außenbereich. Die Räume sollen nach den Wünschen der künftigen gewerblichen Mieter umgebaut werden. Welche das sind, dazu wollte Oerter keine Angaben machen. Die Verhandlungen liefen noch.

Wegen seines Auszuges löst Erhard Kleint seine Ausstattung auf. Er gibt Mobiliar, bis auf Küchengeräte, kostengünstig ab. Bei Interesse 8044774 oder 0172 5305057