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Radebeuler vor nächstem Achttausender

Den Radebeuler Bergsteiger Johannes Franke zieht es wieder ganz hoch hinauf. Nach zweijähriger Pause macht sich der 35-Jährige gemeinsam mit seinem österreichischen Kompagnon Egon Rost in Richtung Nepal auf, um den 8163 Meter hohen Manaslu im Himalaya zu besteigen.

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Den Radebeuler Bergsteiger Johannes Franke zieht es wieder ganz hoch hinauf. Nach zweijähriger Pause macht sich der 35-Jährige gemeinsam mit seinem österreichischen Kompagnon Egon Rost in Richtung Nepal auf, um den 8163 Meter hohen Manaslu im Himalaya zu besteigen.

Bezwingen wäre wohl das falsche Wort, denn der Geowissenschaftler kämpft nicht gegen die Berge, eher schon gegen den inneren Schweinehund.

Alpinismus in die Wiege gelegt

Die beiden Gipfelstürmer sind nämlich in bewährter Manier wieder ganz allein unterwegs, ab dem Basislager auf rund 4800 Meter ohne einheimische Träger und auch ohne Sauerstoffgeräte. Rost und Franke haben einige Zeit diskutiert, welcher Berg als nächste Herausforderung geeignet wäre, erinnert sich der Radebeuler.

Die beiden Bergsteiger haben in den nächsten Jahren noch viel vor und wollen die Anforderungen an sich selbst von Berg zu Berg steigern. Was genau die Faszination des Höhenrauschs ausmacht, der genau genommen zu allererst eine Tortur für Körper und Geist ist, vermag der Familienvater nur schwer zu beschreiben.

Die Begeisterung für Berge und die Natur sei ihm einfach in die Wiege gelegt worden. „Und der Sport hat in meiner Familie immer eine riesige Rolle gespielt“, sagt er. Natürlich seien die Panoramaausblicke im Hochgebirge einmalig, und nur wenige Menschen können diese hautnah erleben. Genießen ist in der dünnen Luft mit permanent drohender Höhenkrankheit und den schwer berechenbaren Wetterextremen jedoch nur bedingt möglich. Franke ist auch gar kein Fotofreak, der ständig jedes neue Motiv mit der Kamera einfängt.

Gewissenhaft bereiten sich beiden Seilschaftskameraden auf ihre neue Herausforderung vor. Trotzdem sei das ganze Vorhaben aber nicht bis ins kleinste Detail berechenbar. Der Manaslu sei insbesondere für seine Wetterwechsel berüchtigt, sagt Franke. Schneestürme sind nicht ausgeschlossen, eher schon wahrscheinlich. Streckenweise drohe auch Eisschlag. Gleichzeitig ermöglichen die Schneemengen aber auch ein ganz besonderes Erlebnis: Eine mehrstündige Skiabfahrt vom Gipfel bis zum Basislager, die allerdings wegen des schwierigen Geländes und der ständigen Lawinengefahr nicht allzu rasant ausfallen wird. Franke hat sich extra eine ziemlich teure, gewichtsoptimierte Skiausrüstung zugelegt. Dabei ist bis zum Gipfeltag noch nicht einmal sicher, ob die Skiabfahrt klappen wird. „Ob wir die Ski mit auf die Gipfeletappe nehmen, können wir erst vor Ort entscheiden“, sagt der Radebeuler. Der Aufstieg wird über drei Höhenlagen in 5500, 6700 und 7400 Metern erfolgen. Damit sich der Körper an die Extrembedingungen gewöhnt, sind Ruhetage sowie Auf- und Abstiege zwischen den Lagern geplant. Sollte die Skiabfahrt klappen, stünde den Bergsteigern auch ein nochmaliger Aufstieg zur Räumung des letzten Höhenlagers bevor. Ist die Besteigung des Gipfels nur ohne Ski möglich, könnte dieses Lager bereits beim Abstieg ohne doppelte Wege abgebaut werden. Keinesfalls werden Rost und Franke Müll oder Ausrüstungsgegenstände im Hochgebirge zurücklassen.

Hartes Training im Elbland

Bei seiner letzten Tour zu den Bergen Cho Oyu und Shisha Pangma musste Franke wegen einer verschleppten Virusinfektion ganz kurz vorm Gipfel umkehren. Jetzt fühlt er sich aber wieder topfit, trainiert fast täglich an der Spitzhaustreppe, im Moritzburger Hochland und im Krokofit. „Vor allem Ausdauer ist wichtig“, weiß Franke. Deshalb bewältigt er vor der Expedition bis zu drei Marathondistanzen in einer Woche. Lars Müller