SZ +
Merken

Radebeuler Wirte benachteiligt?

Hinter den Kulissen des großen Weinfestes in Radebeul gibt es nicht nur Freude und Weinseligkeit, sondern auch Unmut. Den äußern Radebeuler Gewerbetreibende, die mit ihrer Kritik nicht hinterm Berge halten.

Teilen
Folgen

Von Torsten Oelsner

Hinter den Kulissen des großen Weinfestes in Radebeul gibt es nicht nur Freude und Weinseligkeit, sondern auch Unmut. Den äußern Radebeuler Gewerbetreibende, die mit ihrer Kritik nicht hinterm Berge halten. So wie Roland Siegert, Wirt der Wildspezialitätengaststätte „Zum Hirsch“. Es sei doch bezeichnend, das er als Radebeuler Wirt seinen Stand diesmal beim Meißner Weinfest aufgeschlagen habe, anstatt in seiner Heimatstadt. Doch die Zahlen sprächen für sich. „In Radebeul hätte ich rund 1 800 Euro Standgebühr bezahlen müssen, in Meißen sind es nur 700“, sagte er. Das sei einfach zu viel.

Auch Getränkehändler Thomas Samal aus Radebeul-Ost wirft der Marktleitung der Großen Kreisstadt vor, kein Verständnis für die Nöte der ansässigen Gewerbetreibenden zu haben. So müsse er rund 700 Euro für seinen 3,5 Meter langen Stand beim Karl-May-Fest bezahlen, was einfach zu viel sei. Beim Weinfest sei er an den Rand gedrängt, weil dabei nur in den Höfen Bier ausgeschenkt werden darf. Hinzu komme der Eintritt von sechs Euro. Geld, das den Leuten dann für den Konsum fehle. Deshalb habe er sich nicht mehr beworben.

Die Kritik stößt bei der Marktleitung auf Unverständnis. „Der Hirsch-Wirt hat trotz Auflagen versucht Bier auszuschenken, außerdem spielte dort laute Diskomusik, was auch nicht geht“, erwidert Organisationsleiterin Cornelia Bielig. Auch die Kritik an den Preisen sei so nicht nachzuvollziehen. Für die jetzt schon erweiterten 150 Stellplätze seien in diesem Jahr 230 ernst gemeinte Bewerbungen eingegangen, Anfragen waren es noch mehr, so Bielig. „Ich bin glücklich, hat heute ein Winzer zu mir gesagt“, sagt Andrea Starosta, Mitarbeiterin in der Marktleitung. Was die Radebeuler Kritiker nämlich nicht erwähnten sei auch, dass einige unzuverlässig seien.

Obwohl die Bewerbungsfrist im Juli ende, kämen welche im September an. „Aber wir versuchen, es trotzdem möglich zu machen“, sagt Andrea Starosta. Für eine namhafte Fleischerei habe man schon die Bude aufgebaut, als dann die Absage kam.

Zu schaffen mache den Organisatoren das Problem, dass auf den Privathöfen der Kommerz zunehme. „Erst war das eine reine Privatsache der Bewohner“, sagt Cornelia Bielig. Doch in den vergangenen Jahren übernahmen immer mehr Profis das Geschäft. Mit der Folge, dass man sich an Lautstärke gegenseitig zu übertreffen versuchte.