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Radebeuls letzter Pharmahersteller bleibt

Aber 57 Mitarbeiter werden entlassen. Der Umsatz ist bei Arevipharma um über ein Viertel eingebrochen.

© Norbert Millauer

Von Peter Redlich

Es drohte die Schließung. Arevipharma an der Meißner Straße 35 ist Radebeuls letzter wirklicher Arzneimittelhersteller aus dem einst großen Konzern Arzneimittelwerk Dresden. Seit Monaten geisterten Gerüchte durch die Stadt, dass der Betrieb wegen massiver Umsatzeinbrüche nicht mehr zu halten sei. Informationen zum Stand der Dinge blieben hinter verschlossenen Türen, auch beim Betriebsrat.

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Jetzt steht fest: Arevipharma wird weiter in Radebeul produzieren. Allerdings nicht mehr mit knapp 200 Mitarbeitern, sondern nur noch mit 117 Beschäftigten. 57 Arzneimittelwerker werden entlassen. Darüber informierte jetzt Geschäftsführer Hendrik Baumann.

Baumann: „Unser Umsatz ist seit 2012 von 42 Millionen Euro auf 30 Millionen Euro im letzten Jahr eingebrochen. Wir mussten reagieren.“ Eingebrochen vor allem deshalb, weil neue Bestimmungen vor allem für Schmerzmittel den Verkauf gerade in Radebeul hergestellter Wirkstoffe drastisch reduzierten. Und weil diese Schmerzmittel gegen Rückenleiden hier auch noch in großen Mengen produziert wurden, gab es die genannten Probleme.

Dem solle jetzt allerdings nicht nur mit dem Abbau von Arbeitsplätzen, sondern vor allem mit einer neuen Produktstrategie begegnet werden. Mehr Wirkstoffe, auch in kleinen Mengen herstellen und den bereits vorhandenen Kunden, neben den großen Mengenaufträgen, anzubieten, das ist die neue Linie. In der offiziellen Mitteilung heißt das: „Es findet eine strategische Neuausrichtung statt, deren Ziel die Fokussierung auf wachstumsstarke Nischenprodukte ist, bei denen die Kernkompetenzen der Arevipharma GmbH besser zur Geltung kommen. In erster Linie betrifft das die langjährige Erfahrung in der Herstellung von Betäubungsmitteln und hochaktiven Wirkstoffen, die unter anderem in der Krebsbehandlung zum Einsatz kommen.“

Geschäftsführer Baumann ist Vertriebsexperte. Betriebsratsvorsitzende Bärbel Starke traut ihm und der Werksführung diesen Strategiewandel zu. Allerdings wollten sie und der gesamte Betriebsrat sich nicht auf mündliche Aussagen verlassen. Bärbel Starke: „Wir haben in den letzten Wochen zäh verhandelt.“ Herausgekommen ist dabei, dass nicht, wie ursprünglich geplant, 90 Mitarbeiter gehen müssen, sondern weniger. An alle Entlassenen werde eine Abfindung gezahlt. Wer das möchte, kann bis zu einem Jahr in eine Transfergesellschaft wechseln, die mit Weiterbildung helfen soll, neue Arbeitsplätze zu finden.

Zur Begleitung dieses Prozesses stand dem Betriebsrat eine Unternehmensberatung zur Seite. Bärbel Starke, die als Betriebsrätin schon zum dritten Mal gegen die Standortschließung und für die Arbeitsplätze kämpft: „Die Unternehmensberater haben uns bereits in den letzten Krisen helfen können und sind sehr erfahren.“

Letzte Woche war es dann soweit. Unternehmensführung und Betriebsrat haben drei Papiere zum Interessenausgleich, den Sozialplan und den Transfersozialplan unterzeichnet. „Wir sind ja nicht nur den 57 Entlassenen, sondern auch den 117 verbleibenden Mitarbeitern verpflichtet. Den Standort erhalten, war die wichtigste Aufgabe“, sagt die Betriebsrätin, die in Radebeul für ihren Einsatz vor zehn Jahren mit dem Couragepreis geehrt worden war.

Besitzer des Unternehmens sind die in München lebenden Hexal-Gründer Andreas und Thomas Strüngmann. Zu ihrem Hexal-Imperium hatten sie sich auch den Radebeuler Betrieb gekauft. Als die Strügmanns 2005 Hexal als Gesamtpaket für 5,8 Milliarden Euro verkauften, ging das Werk kurzzeitig an den Pharmariesen Novartis. Von dort kauften sich die Zwillinge den Radebeuler Betrieb zurück, eben weil die Produktion damals, unter anderem mit Wirkstoffen gegen Schmerzen und Krebs, so erfolgreich lief.

Die Eigentümer hätten jetzt ein klares Bekenntnis zum Standort Radebeul abgegeben, sagt Geschäftsführer Hendrik Baumann. Es werde auch investiert. Beispielsweise in die Ausrüstung von Labors, in denen dann auch kleinere Mengen hoch dosierter Wirkstoffe hergestellt werden können. Das sei so eine Nische, die viele Auftraggeber sich wünschen.