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Radebeuls neue Elbbrücke ist ab heute frei

Im Schatten des umstrittenen Baus der Waldschlößchenbrücke ist eine weitere neue Elbquerung am westlichen Rand von Dresden entstanden. Genau genommen ist die Brücke zwischen Niederwartha und Radebeul schon seit 2009 fertig.

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Von Denni Kleinund Peter redlich

Im Schatten des umstrittenen Baus der Waldschlößchenbrücke ist eine weitere neue Elbquerung am westlichen Rand von Dresden entstanden. Genau genommen ist die Brücke zwischen Niederwartha und Radebeul schon seit 2009 fertig. Doch seitdem war sie eine Phantombrücke. Der Grund: Sie hatte keine Zufahrten. Diese sind nun fertig. Heute ab 9.30 Uhr werden die ersten Autos die Elbe an dieser Stelle queren. Doch die neue Verbindung trennt die Gemüter.

Das Bauwerk: Autobrücke

für 40 Millionen Euro

Für die 366 Meter lange Schrägseilbrücke über die Elbe begann der Bau am 13. Juni 2006. Sie war 2009 fertig. Die zweispurige Brücke ist dank des markanten 77 Meter hohen Pylons und den kräftig roten Seilen weithin sichtbar. Das Bauwerk ist allerdings nur für Autos ausgelegt. Radfahrer und Fußgänger müssen weiter die Holperpiste auf der benachbarten Eisenbahnbrücke nehmen.

Doch gebaut wurde nicht allein die Brücke, sondern auf Dresdner Seite auch eine riesige Brückenrampe als Zufahrt. Die Zufahrten auf beiden Seiten brauchten allerdings weitere zwei Jahre Bauzeit und waren der Grund für die Verzögerungen der Freigabe, vor allem, weil Umplanungen, von Radebeul angeschoben, nötig waren. Damit sich bei Hochwasser die Elbeflut nicht mehr als nötig auf der rechten Elbseite staut, wurde auf der Landseite der weitere Brückenbogen mit großzügigen Durchlässen errichtet. Der ursprünglich geplante Straßendamm hätte bei einer erneuten Jahrhundertflut zur gefährlichen Staumauer werden können, was an dem Elbebogen fatale Folgen für die Radebeuler Anwohner hätte haben können. So wurde auf der linken Elbseite in Niederwartha die schon beschlossene Planung nochmals komplett umkonzipiert. Dabei wurde auch der 2002 zum reißenden Fluss gewachsene Lotzebach berücksichtigt. Er ist für den Flutschutz in Cossebaude und Niederwartha wieder freigelegt worden.

Entstanden ist eine großer Kringel als Anbindung der B6 nach Meißen. Das wurde nötig, damit mitten in der Auffahrt die Gewerbeansiedlung nicht behindert wird. Auch hier wurden die Bögen weiter gespannt, um für Hochwasserschutz mit dem Deichbau Platz zu haben.

Die Vorteile: Schneller

und kürzer über die Elbe

Die Vorteile liegen auf der Hand: Wer bisher die Elbe queren wollte, musste entweder zur Autobahnbrücke der A4 oder zur Brücke nach Meißen fahren. Die neue Brücke verkürzt den Weg nun um bis zu 15 Kilometer. Vor allem die Lkw-Fahrer, die in die Gewerbegebiete von Radebeul, Coswig und bis nach Meißen müssen, freuen sich auf den schnelleren Weg. Über die Brücke wird die Staatsstraße 84 geführt.

Die Nachteile: Mehr Verkehr

auf der B6 in Cossebaude

Weniger erfreut sind allerdings die Einwohner von Cossebaude. Sie müssen mit anfangs 15000, und wenn die rechtselbischen Zubringer ausgebaut sind, sogar mit 21000 Fahrzeugen mehr in ihrem Ortsteil rechnen. Eine Bürgerinitiative kämpfte jahrelang dafür, den Ortsteil vor dieser Verkehrsflut zu bewahren. Doch selbst das Limit für Tempo 30 auf der B6 im Ortskern von Cossebaude, wenigstens für die Nacht, scheiterte.

Etwas mehr Sicherheit soll eine Ampel an der Kreuzung Hauptstraße bringen. Aber alle anderen Forderungen, etwa nach einem Blitzer und Tonnage-Beschränkungen, kamen nicht durch. Die Ablehnung wurde lange begründet, dass sich die Maßnahmen nicht lohnen, weil die B6 ohnehin bald verlegt werden soll. Doch davon ist keine Rede mehr.

Die B6-Verlegung: Bund hat bis 2015 kein Geld dafür geplant

Dresdens Verkehrsplaner versprechen schon seit den 1990er Jahren eine Ortsumfahrung zur Autobahn. Bei Versprechungen und Plänen, die in der Schublade liegen, ist es allerdings bisher geblieben. Im jüngst bekannt gewordenen Bundesverkehrswegeplan bis 2015 taucht das Projekt der „B6 Neu“ nicht mehr auf. Ursprünglich sollten Brücke und verlegte B6 zeitgleich für den Verkehr freigegeben werden. Jetzt müssen die Anwohner wohl mindestens zehn Jahre damit leben, dass bis zu 30000 Autos durch ihren Ort fahren und nachts noch mehr Schwerlastverkehr die Route zur Autobahn nutzt.

Die Eröffnung: Freigabe

trotz Restarbeiten

Sachsens Verkehrsminister Sven Morlock (FDP) und Dresdens Baubürgermeister Jörn Marx wollen die neue Elbbrücke heute feiern und gemeinsam freigeben. Auf der Dresdner Seite muss noch weiter gebaut werden: Zum Beispiel eine Zufahrt zum Pumpspeicherwerk fehlt noch, die Hänge an der Zufahrt müssen noch gestaltet werden. Straßenmarkierungen sind noch nicht alle geändert und müssen neu aufgebracht werden. Der Radweg auf der Niederwarthaer Seite ist noch nicht durchgehend angelegt. Auch die Brücke über den Lotzebach ist noch im Bau. Und selbst die Anbindung der neuen Brücke an die alte B 6 ist noch ein Provisorium, denn die Straßenbrücke über die Bahngleise am Stausee ist noch nicht neu gebaut. Die Alte ist so baufällig, dass sie nur im Schleichtempo befahrbar ist.