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Radebeuls versteckte Künstlergärten

Auch private Kleinode konnten am Wochenende bei der neuen Veranstaltung „Kunst geht in Gärten“ besucht werden - zum Teil dort, wo man sie nicht erwartet.

Im Garten-Atelier Mittag in der Bodelschwinghstraße in Radebeul sind Kunst und Musik zu erleben.
Im Garten-Atelier Mittag in der Bodelschwinghstraße in Radebeul sind Kunst und Musik zu erleben. © Norbert Millauer

Von Beate Erler

Fast ganz am Ende der schmalen Straße unterhalb der Friedensburg steht ein nicht zu übersehendes Schild, das die Gastgeber selbst gestaltet haben. Das Motto „Kunst geht in Gärten“ haben sie nicht einfach nur geschrieben. Schon am Eingang sehen die Besucher, dass hier kreative Radebeuler leben. Die Buchstaben haben sie aus buntem Papier ausgeschnitten.

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Hinter der Eingangstür ist der Garten am Samstag kurz nach dem Mittag schon voll mit ersten Besuchern. „Ich mache schnell die Fenster auf, damit man die Musik im Garten hören kann“, sagt Johanna Mittag. Sie ist selbst Musikerin und Künstlerin und bei der neuen Veranstaltung der Stadtgalerie Radebeul und des Radebeuler Kultur e. V. dabei. Die Enkelin spielt im Haus Klavier und das sollen jetzt auch die Gäste zu hören bekommen.

Erste Ausstellung im eigenen Garten

Obwohl sie in Radebeul Ost ein eigenes Atelier hat und schon seit vielen Jahren malt, ist eine Ausstellung in ihrem Garten für Johanna Mittag eine Premiere. Deshalb hat sie sich auch Verstärkung geholt. Zusammen mit ihrer Enkelin Elena und der Radebeuler Künstlerin Ju Sobing empfängt sie die Besucher in ihrem Gartenatelier: „Ich freue mich sehr, dass gleich so viele Leute kommen“, sagt die Radebeulerin, „damit hätte ich gar nicht gerechnet.“

Und auch ihre Gäste sind begeistert: „Ihr Garten ist ein Traum“, sagt eine ältere Dame. „Es war ein Vergnügen hier in ihrem Paradies zu sein“, sagt eine Gruppe Frauen, die sich gerade auf den Weg in den nächsten offenen Garten machen. Die drei Gastgeberinnen haben sich Mühe gegeben: Die farbenfrohen Bilder von Johanna Mittag hängen an der Grundstücksmauer, sie haben einen großen Tisch aufgebaut und mit Kaffee, Wein und Kuchen eingedeckt. Unter Bäumen und Blumen stehen Sonnenliegen und Loungemöbel bereit.

In der Finsteren Gasse spazieren Christiane (l.) und Marie Schulze im Garten von Annerose und Fritz Peter Schulze an Kunstobjekten und Plastiken vorbei.
In der Finsteren Gasse spazieren Christiane (l.) und Marie Schulze im Garten von Annerose und Fritz Peter Schulze an Kunstobjekten und Plastiken vorbei. © Norbert Millauer

Wiederholung erwünscht

Insgesamt 19 Stationen und 87 Künstler waren am Samstag und Sonntag bei der neuen Veranstaltungsreihe in ganz Radebeul dabei. Darunter auch stadtbekannte Kunst- und Kulturorte wie die Stadtgalerie, der Hof Atelier Oberlicht, das Weingut Drei Herren, die Hoflößnitz und das Lügenmuseum. Besonders jetzt setzt sich der neue Verein Radebeuler Kultur e.V. dafür ein, dass Musiker und Künstler wieder neue Möglichkeiten bekommen sich und ihre Arbeit zu präsentieren.

Auch Johanna Mittag freut sich über diese Chance: „Ich wollte dabei sein, weil ich meine Kunst zeigen, meinen Garten öffnen und Begegnungen ermöglichen will“, sagt sie. Eine Fortsetzung der offenen Gärten hält sie für eine gute Idee und wäre gerne wieder dabei. So auch Annerose und Fritz Peter Schulze, deren riesiger Garten sich in der Finsteren Gasse versteckt. Auch hier ahnen die Besucher nicht, was für ein außergewöhnlicher Garten sich hinter dem schlichten gelben Haus verbirgt.

Überall stehen die mehrere Meter hohen Objekte aus Holz, die Bildhauer Fritz Peter Schulze gefertigt hat. Sie stammen aus verschiedenen Themenwelten, wie der Musik oder dem Bergbau und stellen zum Teil Frauengestalten oder Himmelszeiger dar. In 40 Jahren haben er und seine Frau, die Design studiert hat, zahlreiche Arbeiten fertiggestellt, die sich die Besucher im Garten anschauen können.

Förderung nach Corona-Lockdown

Ihre eigenen Arbeiten, Collagen mit Seidenstickerei auf Papier, kann Annerose Schulze nicht zeigen, da sie im Atelier liegen und sich die Besucher nur im Freien aufhalten sollen. Von der Idee ihren Garten für Besucher zu öffnen und die Arbeiten ihres Mannes zu zeigen, war sie trotzdem gleich begeistert: „Es ist wichtig, dass es jetzt so viele Ideen für eine Förderung nach Corona gibt“, sagt die Radebeulerin, die selbst im neuen Kulturverein Mitglied ist.

Das Konzept Kunst und Gärten kommt auch bei den Besuchern gut an. Einige treffen sich an unterschiedlichen Stationen immer wieder. Das Interesse gilt aber nicht nur der Kunst, sondern auch den aufwendig gestalteten Gartenparadiesen. Beim Künstlerpaar Schulze ist das vor allem der große Teich, den Fritz Peter Schulze schon vor 30 Jahren angelegt hat. Dafür mussten zwei Apfelbäume weichen, denen Annerose Schulze immer noch nachtrauert, erzählt sie den Besuchern.

Der Radebeuler Kunstprofessor Detlef Reinemer liebt das Japanische. Und so hat er die Werkstatt für sich und seine Frau Gabriele in der Bennostraße als japanisches Haus hergerichtet.
Der Radebeuler Kunstprofessor Detlef Reinemer liebt das Japanische. Und so hat er die Werkstatt für sich und seine Frau Gabriele in der Bennostraße als japanisches Haus hergerichtet. © Norbert Millauer

Viele Besucher bei kleinen Veranstaltungen

Eine weitere Station ist die Bennostraße und das Gartenatelier von Gabriele und Detlef Reinemer. Gleich am Eingang des verwinkelten und im japanischen Stil angelegten Gartens mit üppigen Pflanzen, kann man mit den Künstlern ins Gespräch kommen. Zu sehen sind hier vor allem die Plastiken aus Stein, Gips, Bronze und Keramik von Detlef Reinemer. Auch die kleine Werkstatt können sich die Besucher ansehen: „Mein Mann ist ein großer Japanfan und er hat seine Werkstatt deshalb im Stil eines japanischen Häuschens gestaltet“, sagt Gabriele Reinemer.

Auch sie hatten heute schon viel Besuch und wünschen sich, dass es kleinere Veranstaltungen wie diese auch in Zukunft noch öfter geben wird. „Das Kulturamt hat angekündigt, die offenen Gärten eventuell aller zwei Jahre zu organisieren“, sagt sie. Überall in Radebeul könne man jetzt solche Bemühungen sehen. Die künstlerische Vielfalt in Radebeul kann so am besten erhalten und gefördert werden.

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