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Radeburg hat wieder ein Krankenhaus

Neben der Rehaklinik gibt es jetzt auch ein Fachkrankenhaus für Geriatrie. Sieben neue Arbeitsplätze entstanden.

Von Ines Scholze-Luft

Die 76-jährige Dresdnerin liegt auf dem Schlingentisch. Was nach Folter klingt, ist das ganze Gegenteil. Physiotherapeuten nutzen den Tisch als Hilfsmittel, um schmerzhafte oder unbewegliche Gliedmaßen zu behandeln. Auch in der geriatrischen Rehaklinik in Radeburg.

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Ja, die Patientin hat Schmerzen. Besonders seit sie hinfiel, als sie eine andere Frau vor einem Sturz bewahren wollte. Was der 76-Jährigen eine Prellung einbrachte. Ausgerechnet am linken Arm, der sowieso schon Probleme machte. Da hat sie mehrere Ärzte aufgesucht. Ohne Besserung. Nicht mal das Krankenhaus in der Nähe konnte helfen. Nun also die Geriatrie in Radeburg. Und tatsächlich. Es scheint besser zu werden, sagt die Frau und versucht ein kleines Lächeln.

Ein Zimmer weiter: Hier läuft eine ältere Dame recht flott am Rollator. Doch ohne ihn? Und so dann auch noch ein halbes Mal um die eigene Achse drehen? Mit viel Ruhe und Zuwendung vom Therapeuten ist selbst das zu schaffen.

„Unsere Patienten sind im Durchschnitt 81 Jahre“, sagt Chefärztin Sabine Vodenitscharov. Etwa 1 300 Frauen und Männer werden dieses Jahr wieder in der Radeburger Rehaklinik betreut. Außerdem 200 im Fachkrankenhaus für Geriatrie, das es erst seit 2012 gibt. Die Reha dagegen besteht bereits seit 1994. Sie entstand, als das damalige Fachkrankenhaus für innere Medizin, das die Stadt und ihre Umgebung versorgte, nach einer Zukunft suchte. Mit der Geriatrie, der Altersheilkunde, erhofften sich die Radeburger eine erfolgreiche Neuorientierung. So entstand hier die erste Einrichtung dieser Art in Sachsen.

Seitdem das Haus modernisiert und um einen Flügel erweitert wurde, gibt es 108 Betten. 100 Ärzte, Pfleger, Schwestern und Therapeuten betreuen die Patienten, die vor allem aus dem Landkreis Meißen und aus Dresden kommen, aber auch aus Ostsachsen. Mehr als die Hälfte von ihnen hat mit Problemen nach einem Sturz und damit verbundener Fraktur zu tun. Im Krankenhaus wurde alles getan. Es gab eine Operation, ein Implantat ist eingesetzt. Und doch lässt die Beweglichkeit zu wünschen übrig. Ans Laufen wie vor dem Unfall ist nicht zu denken, der Alltag allein zu Hause nicht zu schaffen.

Hier setzt die Reha an mit dem Ziel, Mobilität und Autonomie zu ermöglichen. Hilfe zur Selbsthilfe wird gegeben, sagt die Chefärztin. Therapeuten, Pflegepersonal und Ärzte müssen dabei eng zusammenarbeiten. Denn gerade die älteren Patienten kämpfen meist mit mehreren Krankheiten und Einschränkungen. Auch diejenigen, die nach einem Schlaganfall in die Klinik einziehen. Oder nach Krebs und anderen schweren Erkrankungen, beispielsweise an Herz oder Magen und Darm.

Vielen droht nach langer Liegezeit die Pflegebedürftigkeit. Gibt es einen Funken Hoffnung, soll Reha vor Pflege gehen. Dass das berechtigt ist, sieht die Chefärztin schon an dieser Zahl: 80 Prozent der Behandelten können wieder heim. Dort will die Klinik sie aber nicht allein lassen. Auch die Weiterversorgung wird organisiert, sagt Sabine Vodenitscharov. Beispielsweise über Angehörige und Hausärzte.

Hier setzt auch das in der Klinik angesiedelte geriatrische Netzwerk Radeburg an. Mit demselben Ziel: Dass die Betroffenen so lange wie möglich in der vertrauten Wohnung bleiben können. Dafür arbeiten Kliniken, Kommunen, Ärzte, Apotheken und Krankenkassen zusammen, sagt Netzwerk-Mitarbeiterin Romy Johne.

Der Freistaat bestärkt die Klinik in ihrer Arbeit. Der Krankhausplan 2012/13 ließ 30 akut-geriatrische Betten in Radeburg und damit das Fachkrankenhaus für Geriatrie zu. Damit verbunden war ein Umbau für mehr Medizintechnik. So gibt es jetzt das Röntgen wieder, dazu ein Notlabor sowie eine zentrale Sauerstoff- und Vakuumanlage für die Versorgung am Bett. Ebenso eine spezielle Überwachungsstation für vier Patientenplätze. Das wird auch für die Reha-Stationen mit genutzt. Zum neuen Krankenhaus gehören nicht zuletzt neue Arbeitsplätze, und zwar für drei Ärzte und vier Pflegekräfte.

Rund 750 000 Euro hat das Unternehmen, die Secura Kliniken GmbH, in Umbau und Investition der neuen Einrichtung gesteckt. Meist kommen die Patienten mit einer Überweisung des Hausarztes. Im Fachkrankenhaus werden Alterserkrankungen diagnostiziert und therapiert. Schluckstörungen, Mangelernährung oder wiederholte Stürze sind ebenso Grund für eine Behandlung wie Infektionen oder Schmerzen. Auch diese Klinik hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Patienten so fit wie möglich zu machen. Das ist gefragt. Sabine Vodenitscharov hält bei den Krankenhausbetten eine Erweiterung für möglich. Auch die Reha sei super ausgelastet. „Da gibt es eine Warteliste mit 25 Patienten.“