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Radeburg kann Gaswerk abreißen

Der alte Industriebau wird immer mehr zur Gefahr. Jetzt wurde der städtische Teil von der Denkmalliste genommen. Zudem hat die Stadt Fördermittel in Aussicht.

Das reichliche Grün verleiht der Gaswerk-Ruine an der Radeburger Bahnhofstraße schon fast ein romantisches Aussehen. Allerdings täuscht es nicht über den desolaten Zustand des Gebäudes hinweg.
Das reichliche Grün verleiht der Gaswerk-Ruine an der Radeburger Bahnhofstraße schon fast ein romantisches Aussehen. Allerdings täuscht es nicht über den desolaten Zustand des Gebäudes hinweg. © Arvid Müller

Radeburg. Ein Teil der Klinkerfassade und des Daches sind bereits eingestürzt. Der Rest sieht so aus, als würde er bald folgen. Zumindest was den rechten und mittleren Teil des alten Gaswerks betrifft. Diese zwei Drittel gehören der Stadt Radeburg. Der noch etwas besser erhaltene linke der Enso.

Der 1906 fertiggestellte Industriebau soll das älteste und kleinste noch erhaltene Gaswerk Sachsens sein. Das sicherte ihm einen Platz auf der Denkmalliste. Nun wurde der städtische Teil von der Liste genommen. Der Antrag Radeburgs, über den die Stadträte Ende vergangenen Jahres abgestimmt hatten, war damit erfolgreich.

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Was im ersten Moment verwundern mag, hat einen gewichtigen Grund. Und der ist nicht vordergründig der desolate Zustand des Gebäudes, auch wenn dieser der Stadtverwaltung zunehmend Sorgen bereitet, weil die Ruine immer wieder von Unbefugten betreten wird. Erst im vergangenen Jahr war ein Graffito angebracht worden. Daher seien permanent Kontrollen und Reparaturen an den Absperrungen erforderlich.

Das eigentliche Problem ist ein anderes. Stichprobenartige Untersuchungen des städtischen Teils des Objektes durch ein Umweltbüro haben nach Auskunft der Stadtverwaltung ergeben, dass sowohl im Boden als auch in der Bausubstanz Belastungen, unter anderem mit Cyaniden, Kupfer- und Nickelverbindungen, Phenolen, Sulfaten, Ammoniak und Mineralölkohlenwasserstoffen, vorhanden sind. Nicht umsonst war das bis 1964 betriebene Gaswerk nach der Wende im Altlastenkataster des Freistaats gelandet.

Das Altlastenrisiko war auch der Grund gewesen, dass in der Vergangenheit alle Vermarktungsabsichten der Stadt, ob nun allein oder gemeinsam mit der Enso, gescheitert waren.

Im Jahr 2017 erfolgte auf dem Gelände der Enso die Sanierung der dortigen Teergruben. Dabei wurden auch auf dem städtischen Teil des Gaswerksgeländes Teerkontaminationen und Teile von Teergruben festgestellt, die der Grund für weitergehenden Untersuchungen waren.

In den sich anschließenden Beratungen mit Vertretern der Stadt Radeburg, dem von der Stadt beauftragten Planungsbüro sowie dem Umweltbüro und den zuständigen Behörden des Landkreises kam man schließlich zu dem Schluss, dass ein Erhalt und eine Nutzung des Gebäudes aufgrund der bekannten und zu erwartenden Kontaminationen sowohl im Boden als auch in der Bausubstanz weitestgehend ausgeschlossen sind. Weitere umfangreiche Bodenuntersuchungen sowie ein möglicherweise erforderlicher Bodenaustausch seien bei einem Erhalt des Gebäudes nahezu unmöglich.

Das gab dann schließlich wohl auch den Ausschlag, dass die Denkmalbehörden einem Abriss zustimmten. Allerdings nicht ohne Auflagen. So muss etwa drei Wochen vor den Start der Arbeiten das Landesamt für Archäologie informiert werden.

Und auch vom Umweltamt des Kreises gibt es Auflagen. So ist der Abbruch des Gebäudes durch ein Ingenieurbüro zu begleiten und zu dokumentieren. Da nicht klar ist, wie stark die Mauern kontaminiert sind, müssen die Abbruchmassen separiert, beprobt und schließlich mit einem entsprechenden Nachweis fachgerecht entsorgt werden.

Ist das Gebäude abgerissen, hat die Stadt ihr Problem mit dem Gaswerk allerdings längst noch nicht vom Tisch. Denn dann kommt der Boden im Inneren an die Reihe. Derzeit können dort aufgrund des Bauzustandes keine Untersuchungen erfolgen. Dann müssen die Proben genommen und untersucht werden, um die erforderlichen Entsorgungsmaßnahmen für einen weiteren Bauabschnitt vorzubereiten. Wann der realisiert wird, ist noch offen.

Für den Abriss geht die Stadt laut der Kostenberechnung des Ingenieurbüros von rund 65.000 Euro aus. „Dabei wurde bereits eine Mischkontamination angenommen“, sagt Bürgermeisterin Michaela Ritter. Sollte die Belastungen des Mauerwerks noch umfangreicher sein, könnten die Kosten noch um bis zu 9.000 Euro steigen.

Das Rathaus hat sich bereits nach Fördermöglichkeiten umgesehen. „Wir haben gute Aussichten, Geld nach der Richtlinie Brachflächenförderung zu bekommen“, so die Bürgermeisterin. Da 80 Prozent der Kosten gefördert werden, müsste Radeburg laut Stadtverwaltung somit einen Eigenanteil von gut 12.000 Euro aufbringen.

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