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Radeburger Sommerschule

Oberschüler schauen sich in der Regel in den Ferien ihre Schule bestenfalls von außen an. Und Lehrer geben keinen Unterricht. Diesmal ist das anders.

Daniela Ufert bietet in der Sommerschule der Radeburger Heinrich-Zille-Oberschule Englischunterricht für die 6. und 7. Klassen an.
Daniela Ufert bietet in der Sommerschule der Radeburger Heinrich-Zille-Oberschule Englischunterricht für die 6. und 7. Klassen an. © Arvid Müller

Radeburg. Endlich Zeugnisse! Endlich Ferien! Normalerweise sind die meisten Schüler wohl froh, wenn sie im Sommer sechs Wochen nicht die Schulbank drücken müssen. Das ist in der Radeburger Heinrich-Zille-Oberschule nicht anders. Doch was ist in diesem Corona-Jahr schon normal. Auch die Radeburger Mädchen und Jungen mussten über Wochen zu Hause lernen, konnten sich nicht einmal mit ihren Klassenkameraden treffen. Vielleicht ist das ja auch mit ein Grund, dass es vielen von ihnen offenbar nicht schwerfällt, trotz Ferien in die Schule zu kommen. Und so herrschte dort am Montag zwar nicht der übliche Betrieb mit fast 400 Schülern, aber doch eine für den ersten Ferientag ungewohnte Geschäftigkeit.

Der Vorschlag zum Lernen in den Ferien kommt aus dem Kultusministerium. Als er das erste Mal von dem Gedanken hörte, sei er etwas skeptisch gewesen, sagt Schulleiter Michael Ufert. Schließlich basiert das zusätzliche Bildungsangebot ausschließlich auf Freiwilligkeit. Sowohl für die Schüler als auch die Lehrer. „Als ich mit den Kollegen darüber gesprochen habe, war die Resonanz dann aber sehr gut.“ Und auch von externen Partnern, die in der Schule die Ganztagsangebote (GTA) mitgestalten, gab es positive Reaktionen. 

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„Daraufhin haben wir überlegt, was wir anbieten können und die Schülern und Eltern entsprechend informiert“, erklärt der Schulleiter weiter. Entsprechend den Rückmeldungen wurde dann das endgültige Programm für die erste und fünfte Ferienwoche gestrickt. Diese Wochen waren vom Ministerium sachsenweit für die Sommerschule vorgegeben worden.

„Lernen lernen“ nennt sich das Angebot von Deutschlehrerin Maria Schreyer.
„Lernen lernen“ nennt sich das Angebot von Deutschlehrerin Maria Schreyer. © Arvid Müller

Kein unerheblicher Aufwand, der sich aber gelohnt hat. Immerhin gibt es von den Schülern fast 200 Anmeldungen für die freiwilligen Lernangebote. „Es gibt Schüler, die nur eine der Möglichkeiten nutzen, manchmal auch nur an einem Tag, andere haben gleich mehrere Angebote angekreuzt.“ Obwohl die Auswahl manchmal wohl auch die Eltern getroffen hätten. 

Wie Michael Ufert sagt, ist das Anliegen der Sommerschule, den vermittelten Unterrichtsstoff zu festigen und die eine oder andere Lücke zu schließen. „Da nicht alle Schüler teilnehmen, geht es nicht darum, Unterricht nachzuholen oder Neues zu vermitteln.“

Dieses Experiment bietet trotzdem ganz neue Perspektiven - für Schüler und Lehrer. „Die Gruppen sind klein, das Umfeld locker.“ Die Schüler haben keinen Druck, weil es keine Zensuren gibt, und die Lehrer müssen nicht einen bestimmten Lehrstoff vermitteln.

Und so lassen sich bei einem kleinen Rundgang durch die Schule am Montag auch ganz unterschiedliche Eindrücke sammeln. Da gibt es Englischunterricht in einem Zimmer mit normalen Bankreihen. In einem anderen Raum plaudert Dr. Klaus Gommlich mit ein paar im Halbkreis sitzenden Schülern - ebenfalls auf Englisch. Der Radeburger hat viele Jahre an einer Uni in den USA unterrichtet und hilft der Schule jetzt im Rahmen der GTA.

Sammelt hier die neue Schülerband ihre ersten Erfahrungen an den Instrumenten? Musiklehrerin Steffi Rous hilft ihnen dabei.
Sammelt hier die neue Schülerband ihre ersten Erfahrungen an den Instrumenten? Musiklehrerin Steffi Rous hilft ihnen dabei. © Arvid Müller

Im Zimmer gegenüber wirbeln Begriffe wie Eierkopf, Brillenschlange, Himbeeren und andere scheinbar wahllos durch das Zimmer. Doch am Ende stellt sich heraus, dass alle zusammenhängen, und Deutschlehrerin Maria Schreyer versucht, den Fünft- und Sechstklässlern zu vermitteln, wie man sich Wissen aneignen kann. Das Angebot heißt daher auch „Lernen lernen“.

Und auch wer schon immer mal ein Instrument ausprobieren möchte, hat dazu in diesen beiden Wochen Gelegenheit. Zudem gibt es Hinweise zum richtigen Bewerben um eine Ausbildungsstelle. Und natürlich kommen auch Kernfächer wie Deutsch und Mathe nicht zu kurz.

Michael Ufert kann sich durchaus vorstellen, dass es die Sommerschule nicht nur in diesem Jahr gibt. „Vielleicht wird sie ja eine neue Tradition.“

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