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Raden trotzt dem Einwohnerschwund

Warum in der Gemeinde Röderaue ausgerechnet der kleinste Ortsteil wächst.

Von Eric Weser

Es ist ein winziges, ein zartes Plus – aber es ist eins. Im Verlauf des letzten Jahres hat der kleine Ort Raden drei Einwohner dazugewonnen – 305 Menschen leben jetzt hier. Was vernachlässigbar klingt, ist bei genauerem Hinsehen durchaus bemerkenswert. Denn alle anderen Ortsteile der Röderaue haben gleichzeitig Einwohner verloren. Und auch im Umland besteht der Negativtrend. Woran liegt es also, dass ausgerechnet dieser kleine Ort Einwohner dazugewinnen konnte?

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Bürgermeister Lothar Herklotz (CDU) sieht zwei Gründe: „Es gibt eine Reihe von jungen Leuten, die entweder in Raden bleiben oder dorthin zurückkommen und das elterliche Wohnhaus ausbauen. Und dann gibt es auch noch einen gewissen Zuzug, weil in Raden ein Eigenheimgebiet ausgewiesen ist.“ Stimmt: Laut Statistik gab es 2013 acht Zu- und sechs Wegzüge.

Ortsvorsteher Konrad Freudemann (CDU) überrascht es zunächst ein wenig, dass Raden wächst. Über die Gründe muss er deshalb auch erst kurz grübeln.

25 Prozent Kinder und Jugendliche

„Es verwundert schon, immerhin haben wir weder eine Kita im Ort und auch keine Schule“, sagt. Schließlich kommt auch Freudemann zu einer ähnlichen Einschätzung wie der Bürgermeister. „Durch die Neubauten sind Leute dazugekommen, und bei vielen Familien sind die Kinder dageblieben.“ Auch Freudemann hat von seinen zwei Kindern eins überzeugen können, wohnen zu bleiben: Sein Sohn bevölkert mit seiner Familie den kleinen Ort.

Das senkt den Altersschnitt. Laut Gemeindeverwaltung besteht die Radener Bevölkerung zu einem Viertel aus Kinder und Jugendlichen. Fünf Geburten verzeichnete Raden 2013 bei vier Sterbefällen. Dass der Ort jung ist, macht sich auch beim Gang durch den Ort bemerkbar. Besonders deutlich morgens, kurz bevor der Schulbus kommt. „Da steht eine ganze Traube von Kindern an der Haltstelle“, freut sich Lothar Herklotz. Dem Gemeindechef selbst gefällt es in Raden auch – laut eigenen Angaben hat der im Ort eine Nebenwohnung.

Es sei funktionierende Dorfgemeinschaft, die ihren Teil dazu beitrage, den Ort lebenswert zu machen. Da sind sich Bürgermeister und Ortsvorstand einig. „Wenn es etwas zu feiern gibt, dann ist meistens das halbe Dorf mit dabei“, sagt Konrad Freudemann. Auch zugezogene Familien würden schnell integriert.

Wachstum hat Grenzen

Doch bei aller Euphorie über den Einwohner-Zugewinn: Dem Wachstum sind Grenzen gesetzt. Es gibt zwar noch Baugrundstücke im Ort, die Platz für weitere neue Einwohner bieten, so Lothar Herklotz. Aber weitere Eigenheimparzellen zu erschließen, das ist nach Meinung des Rathaus-Chefs schwierig. Er setzt zudem darauf, dass die vorhandene Substanz genutzt wird. Mit dem Verbleib der Gemeinde Röderaue im Elbe-Röder-Dreieck sei die Chance auf Zuschüsse für solche Vorhaben gewahrt. Einziger Wermutstropfen: „Die neue Förderung für den ländlichen Raum wird wahrscheinlich erst Mitte 2015 richtig anlaufen“, schätzt Lothar Herklotz.