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Bischofswerda

Warum Bischofswerda keine Fahrradstadt ist

Viele gefährliche Stellen, fehlende Radwege und Abstellplätze - Radfahrer haben es in Schiebock schwer. Doch es gibt Hoffnung, dass es bald besser wird.

Dirk Hladik fährt oft mit dem Rad, obwohl es in Bischofswerda viele gefährliche Stellen gibt - zum Beispiel hier am Altersheim an der Bautzener Straße. Da mündet der Radweg unmittelbar vor einer vielbefahrenen scharfen Kurve in die Straße.
Dirk Hladik fährt oft mit dem Rad, obwohl es in Bischofswerda viele gefährliche Stellen gibt - zum Beispiel hier am Altersheim an der Bautzener Straße. Da mündet der Radweg unmittelbar vor einer vielbefahrenen scharfen Kurve in die Straße. © SZ/Uwe Soeder

Bischofswerda. Nur knapp fünf Prozent aller Wege in Bischofswerda werden mit den Rad zurückgelegt. Damit belegt die Stadt im sachsenweiten Vergleich einen hinteren Rang, teilt der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) mit. 

Er beruft sich auf eine kürzlich veröffentlichte Studie der TU Dresden. Demnach wurden im Jahr 2018 rund 500 zufällig ausgewählte Bischofswerdaer zu ihrer privaten Mobilität an einem normalen Werktag befragt. Sachsenweit waren fast 22.000 Menschen aus 25 Städten an der Studie beteiligt. 

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Dem ADFC zufolge entwickelt sich Bischofswerda gegen den Trend. Während in den meisten Städten der Anteil des Radverkehrs in den vergangenen Jahren zugenommen hat, ist er in Bischofswerda gesunken. 2013 lag der Anteil der mit dem Rad zurückgelegten Wege in der Stadt bei 6,7 Prozent. 

Radebeul und Coswig  liegen aktuell bei 17 Prozent, Bautzen bei 15 Prozent. „In anderen sächsischen Städten wird mehr Rad gefahren, weil die Städte mit der Förderung des Radverkehrs schon viel weiter sind. Die Politik und die Verwaltung müssen jetzt weitere Maßnahmen ergreifen, damit die Wege der Bischofswerdaer mit dem Rad komfortabler, einfacher und sicherer werden“, wird Janek Mücksch, Vorstandsmitglied im ADFC Sachsen, in einer Pressemitteilung zitiert. 

Zugeparkte Straßen, schlechte Fußwege

Tatsächlich  gibt es in der Stadt eine Reihe von Gefahrenstellen. Sächsische.de bat Dirk Hladik um die Bewertung aus der Sicht eines Praktikers. Der Bischofswerdaer ist viel mit dem Rad unterwegs. Er initiierte im vergangenen Jahr das Projekt des Leihschiebock 2.0 - zwei Elektrofahrräder zum Ausleihen.  

Zu den größten Gefahrenstellen gehören aus seiner Sicht: die Karl-Liebknecht Straße, die auf beiden Seiten zugeparkt ist und wo die Fußwege sehr schlecht sind, die Ecke Bautzener Straße/Muntschickstraße, wo der Radweg unmittelbar vor einer stark befahrenen, scharfen Kurve endet, sowie die Straße zwischen Belmsdorf und dem Horkaer Teich. Sie ist sehr schmal. Radfahrer werden mitunter von Autofahrern fast aufs Feld gedrängt, berichtet Dirk Hladik aus Erfahrung. 

Hinzu kommen bauliche Probleme. Etwa am Goethepark, wo die Säule der Fußgängerampel an der Bautzener Straße mitten auf dem Radweg steht, und an der Ecke Lutherstraße/Am Lutherpark, wo sich zwischen zwei Radwegenden eine Bepflanzung befindet. 

Auch der vor wenigen Jahren errichtete Kreisverkehr an der Neustädter Straße ist für Radfahrer alles andere als optimal. Stadträte insbesondere von Bürger für Bischofswerda (BfB) mahnten zwar an, dass mit dem Bau des Kreisverkehrs und der damit verbundenen Verlängerung des Drebnitzer Weges ein Radweg notwendig sei. Doch da waren die Bauplanungen bereits abgeschlossen. Einen Radweg nachträglich zu integrieren, sei nicht mehr möglich, hieß es damals seitens der Behörden. 

Praktiker hat viele Vorschläge

Bischofswerdas Innenstadt sei gut für  Autos ausgebaut, aber nicht für Radfahrer, sagt Dirk Hladik. Es gibt kaum Radwege, viele Engstellen, kaum Möglichkeiten, Räder abzustellen, was zum Teil auch den Gegebenheiten der Altstadt geschuldet ist. 

Aus seiner Sicht könnte man schon mit wenig Aufwand in kurzer Zeit einiges bewirken, um Radfahren attraktiver zu machen. Das beginnt bei einer Radschiene an den Treppen der Bahnhofsunterführung zwischen den Bahnsteigen, geht weiter über die Freigabe des Radverkehrs entgegen der Einbahnstraße zwischen Bahnhof und Polizeikreuzung  und endet noch lange nicht bei der Sauberkeit der Stadt. "Glasbruch auf Wegen und an Straßenrändern ist an manchen Stellen regelmäßig ein Problem für Radfahrer", so Hladik. 

Zu den Aufgaben, die auf längere Sicht verwirklicht werden sollten,  nennt er die Erarbeitung eines Mobilitätskonzeptes,  den Bau sicherer Radwege aus allen Ortsteilen in die Stadt  und die Schaffung ausreichender Abstellmöglichkeiten für Fahrräder.  

Die Bischofswerdaer Stadtverwaltung erklärt zu der Mitteilung des ADFC, man nehme die Ergebnisse der Verkehrsbefragung der TU Dresden zur Kenntnis und erhoffe sich durch die Erarbeitung  eines Verkehrskonzeptes für die Stadt weitere positive Impulse. "Als Stadt werden wir weiter auf ein faires Verhältnis im Individualverkehr achten – eine Bevorzugung einzelner Verkehrsteilnehmer, wie es der ADFC als Lobbyist für Radfahrer oder der ADAC für Autofahrer verständlicherweise praktizieren, hilft keinem Verkehrsteilnehmer in Bischofswerda weiter",  teilte Sascha Hache, persönlicher Referent des Oberbürgermeisters, mit. 

Stadt erarbeitet Verkehrskonzept

Zu berücksichtigen seien auch die speziellen Gegebenheiten vor Ort. Zum Beispiel, dass Bischofswerda mit seinen Ortsteilen ländlich geprägt ist. "Aus Sicht der Bewohner der Ortsteile ist es sicherlich schwierig, mit dem Rad zum Einkauf oder zur Arbeit (Ist eine Gelegenheit zum Duschen vorhanden? ) in die Kernstadt zu kommen. Direkt in der Stadt sind viele Wege zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu schaffen", heißt es weiter.  Außerdem verweist die Stadtverwaltung  auf die bestehenden kombinierten Fuß- und Radwege.

Das seit langem geplante Verkehrskonzept für Bischofswerda und die Ortsteile, das ein Radverkehrskonzept einschließen wird, soll im Laufe dieses Jahres erarbeitet werden.  Beabsichtigt ist, im Mai den Auftrag zu erteilen. Ende September sollen erste Ergebnisse vorliegen. Im Rahmen eines moderierten Workshops oder einer Bürgerversammlung sollen die Einwohner über den Entwurf mitdiskutieren können, ehe der Stadtrat Ende November das Konzept beschließen soll. "Diese Terminkette wurde vor Corona geplant. Es  wird aber versucht, sie zu halten", sagt Sascha Hache. 

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