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Radlerunfreundliches Heidenau

Eine Stadt, drei Bahnhöfe und zu wenig Service für Radfahrer. Der ADFC hat Noten vergeben. Die Grundlage für die Bewertung ist umstritten.

Hier können auf dem Bahnhof Heidenau der auch als Heidenau Nord bekannt ist, die Räder der Pendler oder Reisende abgestellt werden.
Hier können auf dem Bahnhof Heidenau der auch als Heidenau Nord bekannt ist, die Räder der Pendler oder Reisende abgestellt werden. © Daniel Schäfer

Die 120 überdachten und als fahrradfreundlich eingestuften Abstellmöglichkeiten am Heidenauer Nord-Bahnhof reichen nur für eine Vier. Für die acht einfachen Fahrradständer am Süd-Bahnhof gibt es eine Fünf und der Großsedlitzer Haltepunkt erhält für seine nicht vorhandenen Fahrradparkplätze eine Sechs. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs. Wie kommt diese Bewertung zustande und was sagt Heidenau dazu?

Grundlage für die Bewertung ist das Verhältnis der Radinfrastruktur zu den am jeweiligen Bahnhof in die Züge Einsteigenden. Um eine 2 zu erhalten, benötigt mehr als jeder zehnte Einsteiger eine diebstahlsichere überdachte Abstellanlage. Für Note 1 muss sie für mindestens jeden siebenten Fahrgast vorhanden sein. Außerdem muss es für jeden 200. eine verschließbare Anlage, zum Beispiel eine Fahrradbox geben. In Heidenau kommt nur auf jeden 16. Fahrgast eine diebstahlsichere Anlage. Das macht dann Note Vier, erklärt Janek Mücksch vom ADFC. 

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Verdienen sie mehr als eine Fünf? Die acht Fahrradplätze am Heidenauer Süd-Bahnhof.
Verdienen sie mehr als eine Fünf? Die acht Fahrradplätze am Heidenauer Süd-Bahnhof. © Daniel Schäfer

Die Sechs für Großsedlitz schluckt Heidenau ohne Diskussion.  Auch zur Fünf für Süd gibt es keine Widerrede. Nur die Vier für Nord wurmt Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU). Die Anlage mit 120 Abstellmöglichkeiten war beim Bau des Doppelkreisels am Bahnhof vor zehn Jahren aufgestellt worden. Sie sei auch jetzt noch in gutem Zustand. Und da man hier immer noch einen Platz für sein Fahrrad findet, sieht die Stadt die Anzahl auch als ausreichend an. 

Die vier Heidenauer Besonderheiten

Dass Heidenau-Nord trotz der hohen Anzahl, die im sächsischen Vergleich im vorderen Drittel liegt, eine solch schlechte Note bekommen hat, hängt also mit den hier vielen in die Züge Einsteigenden zusamen. Das hat seine Gründe, genau wie der Fakt, dass eben nicht viele mit dem Fahrrad kommen. 

  • Erster Grund: Der Bahnhof ist, zum Beispiel aus Mügeln, gut per Fuß erreichbar.
  • Zweiter Grund: Viele Fahrgäste kommen mit dem Bus, der direkt vor dem Bahnhof hält. 
  • Dritter Grund: Es gibt auch einen P+R-Parkplatz. Wer hier parkt, kommt per se nicht mit dem Fahrrad, steigt aber in den Zug ein.
  • Vierter Grund: Von Heidenau-Nord fahren die Züge in drei Richtungen - nach Dresden, Pirna/Bad Schandau und Altenberg. Mehr Richtungen bedeuten auch mehr Fahrgäste.

Es geht auch anders

Der ADFC räumt ein, dass natürlich nie alle Fahrgäste mit dem Rad zum Zug kommen werden. "Wir halten es aber für gut, wenn wenigstens jeder zehnte Fahrgast die Möglichkeit dazu hat", sagt Mücksch. "Das wäre natürlich immer noch die Minderheit, aber für sie wäre ein attraktives Angebot vorhanden." Andere Städte würden zeigen, dass es geht.

In Pirna gibt es beispielsweise für jeden 17. Fahrgast eine Abstellmöglichkeit. Delitzsch ist der sächsische Vorreiter. Auf 5,4 Fahrgäste kommt eine diebstahlsichere Abstellmöglichkeit, hinzu zwölf Fahrradboxen. Die Delitzscher Anlagen sind sehr gut ausgelastet und werden gern angenommen - obwohl der Bahnhof sehr zentral in der Stadt liege, sagt Mücksch.

Heidenau ärgert sich zwar über die schlechte Note, sieht aber keinen Grund, etwas zu ändern. Jedenfalls nicht in Nord. In Süd und Großsedlitz habe man durchaus Nachholebedarf. Konkrete Investitionen in mehr Fahrradfahrerfreundlichkeit sind aktuell aber nicht geplant. 

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