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„Radial“ wird 25

Seit 1983 hat die Neukircher Gruppe „Radial“ den Neue- Deutsche-Welle-Titel „Ich hab’ ’ne Überdosis Glück in meinem Kopf“ nicht gespielt. Neulich, beim Probenabend auf der Bühne im Festsaal der „Eiche“, taten sie sich deshalb auch anfangs ein wenig schwer damit.

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Von Verena Mann

Seit 1983 hat die Neukircher Gruppe „Radial“ den Neue- Deutsche-Welle-Titel „Ich hab’ ’ne Überdosis Glück in meinem Kopf“ nicht gespielt. Neulich, beim Probenabend auf der Bühne im Festsaal der „Eiche“, taten sie sich deshalb auch anfangs ein wenig schwer damit. Doch Steffen Wippich (drum/vocal), Andreas Schäffer (git./vocal), Uwe Scheunig (bass/vocal) und Ralph Trojahn (key./akkordeon/vocal) beginnen beharrlich immer wieder aus Neue. Vom langen Tisch vor der Bühne kommen gute Ratschläge. Vor allem ihr „Bandküken“ Steffen Windisch geizt nicht mit Ideen, um rasch den richtigen Sound zu finden. Schließlich soll die Probennacht nicht für den Oldie draufgehen. Den Hobbymusikern aus Leidenschaft sitzt nämlich die Zeit im Nacken.

Anfangs trug die Gruppe den Namen „Granit“

Denn am kommenden Sonnabend soll ab 19 Uhr um und in der Festhalle der Oberlandgemeinde das Konzert zum 25-jährigen Jubiläum der Gruppe steigen. Dabei soll der Titel zu hören sein.

Trotzdem nehmen sich die Mannen von „Radial“ Zeit und erzählen. Mit am Tisch sitzen auch Tino Neumann, Ute Scheunig (geb. Gaida) und Ute Günther (geb. Freund), die zusammen mit Andreas Schäffer und Steffen Wippich 1978 zu den Kindern gehörten, die sich unter dem Namen „Granit“ zum gemeinsamen Musikmachen trafen. „Schuld“ daran war Gerhard Schulze. Bei ihm nahmen die damals zehn- bis zwölfjährigen Schüler privaten Musikunterricht. Er führte die jungen Talente zu einer Band zusammen. „Ohne ihn, unseren Lehrer, gäbe es uns nicht“, sind sie sich einig. Viel hätten sie von ihm gelernt. Er habe ihnen beigebracht, moderne Musik zu machen. Die Schüler spielten Puhdys-Titel nach und auch richtig gute Arrangements ihres Lehrers gehörten in ihr Programm. Immer freitags hätten sie damals im Zimmer 11 in der Lessingschule unter Schulzes Anleitung geprobt. Wenn sie von ihrem alten Lehrer und dem ihn ständig begleitenden Duft seiner „Bodespitzen-Zigarren“ erzählen, schwingt große Hochachtung in ihren Worten mit. Warum ihr Premierenauftritt nicht in Neukirch, sondern in Weigsdorf-Köblitz stattfand, wissen sie heute gar nicht mehr so genau. Auf alle Fälle war ihr zweiter Auftritt gleich ein Auslandsgastspiel. Die junge Neukircher Band zeigte nämlich in der damaligen Partnerstadt Wroclaw in Polen ihr Können. „Granit“ wie sie sich nannten, spielte zu Schul- und Volksfesten, bei Konzerten im Neukircher Volkspark oder zum Tanz am Vorabenden des 1. Mai.

„1982 ging ich von Neukirch weg, um zu studieren“, erinnert sich Ute Scheunig, die als Bandmitbegründerin die Bassgitarre spielte. „Mein damaliger Freund Uwe Scheunig, inzwischen sind wir längst verheiratet, nahm meinen Platz ein und spielte den Bass.“ Zudem brachte er seine warme, tiefe Gesangsstimme mit ein, die dem Sound der Gruppe gut tat. Dann kam ein Schritt zum andern. Die Truppe meldete sich ein Jahr später beim damaligen Kreiskabinett für Kulturarbeit in Bischofswerda zur Einstufung in die erste Leistungsklasse an. Damals nahm, nachdem sich ihr früherer Lehrer zurückgezogen hatte, Uwe Scheunig sich der Geschicke der Band etwas an.

In der DDR trat „Radial“ im Fernsehen auf

„Deshalb musste ich über Nacht einen neuen Bandnamen aus dem Boden stampfen. Die Kommission rief bei uns an. Am nächsten Tag sollte ich den neuen Namen mitteilen. Abends blätterte ich ziemlich ratlos im Fremdwörtebuch und stieß dabei auf den Begriff radial. Was da als Erklärung stand, gefiel mir. Ich sagte also, die Gruppe nenne sich von nun an Radial, was ja so viel wie von einem Mittelpunkt aus nach außen strahlenförmig ausgehend heißt. Von unserm Mittelpunkt Neukirch aus wollten wir mit unserer Musik viele Leute erfreuen.“

Dieses Wollen hat sich ausgezahlt. Schon zu DDR-Zeiten schafften sie es, in die Fernsehsendung „Sprungbrett“ zu kommen, produzierten im Studio bei der gebürtigen Neukircherin Dina Straat in Berlin einige Titel. Auch nach der Wende, als viele Gruppen ums Überleben kämpften, setzten sich die Männer von „Radial“ durch. So gibt es beispielsweise seit 1991 engen Kontakt zum niedersächsischen Ort Stöckse, die sich inzwischen zu sehr familiären Bindungen ausgewachsen haben. Seit 1994 sind sie auf nahezu allen Jugendweiheveranstaltungen der Region präsent und geben mit ihrem Repertoire den Feiern einen ganz speziellen Rahmen. Spätestens bei dem Stichwort fällt vielen der unter die Haut gehende A-Capella-Gesang der Radial-Männer ein. „Klar, unsere A-Capella-Titel sind schon etwas wie unser Markenzeichen“, sagt Steffen Windisch. „Das geht aber nur, weil wir alle fünf Stimmlagen in der Gruppe vertreten haben und deshalb auch einen guten Satzgesang hinbekommen.“ Inzwischen hat die Gruppe diesen Programmteil so ausgebaut, dass sie damit ein volle Programmstunde gestalten können. Das hat ihnen schon gute Dienste geleistet, beispielsweise als bei einem Auftritt in Rothenburg oder im Festzelt in Großharthau mal die Technik versagte beziehungsweise der Strom ausfiel.

Seit 1998 hat sich „Radial“ auch als Begleitband von Schlagersänger Olaf Berger einen guten Namen gemacht, war schon als Vorband bei einem Konzert von Roland Kaiser in der Neustadthalle dabei, und es gab einen Auftritt mit Showstar Andrea Berg.

Jubiläums-Motto: Wir

sind eine große Familie

Auf das Jubiläumskonzert - „25 Jahre Radial in Wort und Bild“ - am Sonnabend darf man gespannt sein. Dann stehen alte und jetzige Besetzung gemeinsam auf der Bühne und werden ihren Fans zeigen: Wir sind eine große Familie. Wer dabei sein will, sollte nach dem Motto handeln: Zeitiges Kommen sichert gute Plätze. Denn es gibt keinen herkömmlichen Vorverkauf, und es kostet keinen Eintritt.

Jubiläumskonzert von „Radial“: Sonnabend, 27.9., 19 Uhr in der Festhalle in Neukirch, Eintritt frei.

www.gruppe-radial.de