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Bautzen

Radler auf Abwegen

An der Löbauer Straße in Bautzen kommt es häufiger zu Konflikten. Der Fahrradclub wünscht sich dort eine ganz andere Lösung.

Das Foto zeigt gleich zwei Fehler: Erstens dürfte der von rechts kommende Radfahrer gar nicht neben dieser Seite der Straße unterwegs sein, sondern gegenüber. Und zweitens reicht die dornige Hecke viel zu weit auf den Radweg.
Das Foto zeigt gleich zwei Fehler: Erstens dürfte der von rechts kommende Radfahrer gar nicht neben dieser Seite der Straße unterwegs sein, sondern gegenüber. Und zweitens reicht die dornige Hecke viel zu weit auf den Radweg. © Steffen Unger

Bautzen. Der hätte mich ja fast umgefahren“, schimpft Horst Steinhoff und schüttelt mit dem Kopf. „Der darf hier doch gar nicht fahren, für den ist der Radweg neben der anderen Straßenseite da.“

Was war passiert? Horst Steinhoff kam aus einer Gaststätte an der Löbauer Straße in Bautzen und wollte zum Auto gehen. Zwischen dem Lokal und Parkstreifen an der Straße befindet sich ein halb Fuß-, halb Radweg. Instinktiv schaute der Restaurantbesucher nach links, ob sich ein Fahrrad näherte. Da keines kam, ging er zum Auto. Plötzlich hörte er von rechts eine Fahrradklingel, der junge Mann auf dem Sattel schrie ein Wort mit Sch und konnte gerade noch den Lenker zur Seite reißen. „Stop!“, rief Horst Steinhoff dem Radfahrer noch nach, doch der trat in die Pedalen.

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Laut Straßenverkehrsordnung hätte der Radfahrer hier nicht von rechts kommen dürfen. Sondern auf dem kombinierten Rad- und Fußweg neben der anderen Straßenseite, bestätigt Philipp Marko von der Polizeidirektion Görlitz: „Auch für den Radverkehr gilt stets das Rechtsfahrgebot (bei vorhandenen Radwegen). Abweichen dürfen sie davon lediglich, wenn ein linker Weg durch ein Zusatzzeichen freigegeben wurde.“ Doch das ist hier nicht der Fall. Erwischt die Polizei einen radelnden Sünder, ist ein Verwarngeld bis 35 Euro fällig.

Ebenfalls Ärger mit Radfahrern auf der Löbauer Straße hatte neulich der Fahrer eines Stadtbusses. „Ich musste im Slalom kurven, weil auf der Straße lauter Radfahrer unterwegs waren“, machte der Busfahrer seinem Ärger Luft. „Für sie ist doch der Radweg vorgesehen.“ Die Straßenverkehrsordnung gibt auch ihm recht. Wo ein Radweg neben einer Straße vorhanden ist, muss er auch benutzt werden.

Mindestens ein halber Meter Abstand

Peter Stürzner von der Bautzener Ortsgruppe des Fahrrad-Clubs ADFC gibt einiges zu bedenken. Natürlich dürfen Radfahrer neben Straßen wie der Löbauer nur den Radweg nehmen, der in die gleiche Richtung wie die benachbarte Fahrbahn führt. Und sie dürfen hier auch nicht auf der Straße fahren. Aber: Der farbig markierte Radweg müsste laut Vorschrift mindestens 1,50 Meter breit sein und wenigstens einen halben Meter Abstand zu parkenden Fahrzeugen gewährleisten. „Die Löbauer Straße erfüllt das nicht im vollen Maße“, sagt Stürzner. „Hinzu kommt, dass der Radweg auch als Abstellfläche für Mülltonnen am Leerungstag genutzt wird und die dornige Grünbepflanzung mehr als die Hälfte des Radweges bewächst, ehe sie verschnitten wird.“ Außerdem sei die Pflasterung des Radweges mit den Jahren uneben geworden, wodurch sich immer wieder rutschige Schlammpfützen bilden. „Unserer Meinung nach sind Radfahrer auf der Fahrbahn innerorts am sichersten unterwegs, da sie nicht mit den langsamen Fußgängern in Konflikt kommen, der Straßenverkehr den Radler wahrnimmt und nicht beim Abbiegen überrollt“, findet Stürzner.

Die Polizeidirektion Görlitz erfasste 2018 in der Oberlausitz 251 Verkehrsunfälle, die von Radfahrern verursacht wurden. Die meisten Ursachen: nicht beachtete Vorfahrt, Fehler bei der korrekten Straßenbenutzung, Alkoholeinfluss.

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