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Radler fordern autofreien Campus

Vor allem parkende Autos machen es Radlern auf dem Uni-Gelände in Dresden schwer. Ein Parkhaus soll helfen. Doch auch das ist nicht unumstritten.

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© Sven Ellger

Von Annechristin Bonß

Jonas Brechtel muss nicht lange überlegen, wie er am besten auf den Campus der TU Dresden in der Südvorstadt kommt. Der 24-Jährige schwingt sich auf sein Rad. Der schwere Rucksack hat im Korb hinter ihm Platz. Los geht’s. Wenn es doch nur mehr Fahrradbügel gebe. Vor dem Hörsaalzentrum findet der Elektrotechnik-Student regelmäßig keinen Platz mehr für sein Rad. Dazu könnte es auf dem Campus mehr abgesenkte Bordsteine geben. „Wir Radler haben auf dem Campus gute Bedingungen. Aber es geht noch besser“, sagt der Student.

Um das zu schaffen, engagiert er sich zusammen mit anderen Studenten und Mitarbeitern der Uni in der Hochschulgruppe Fahrrad an der TU Dresden. Seit einem Jahr betreiben sie Lobby-Arbeit im Sinne der Zweiräder. Das erklärte Ziel: mehr Radler und weniger Autos auf dem Campus. Vor allem, wer hier arbeitet und lernt, soll nicht mehr mit dem Auto kommen. „Klar, auf den Lieferverkehr können wir nicht verzichten“, sagt Jonas Brechtel. Mehr Autos soll es aber nicht auf dem Campus geben. Die seien durchaus ein Risiko. Weil es zu wenig Parkplätze gibt, sind auch Kreuzungen stets zugeparkt. Wer dort abbiegen will, sieht nur schlecht, wer von der Seitenstraße kommt. Schon lange ärgern sich auch Anwohner über die große Konkurrenz an Parkern. Vor allem während der Vorlesungen ist kaum eine freie Stellfläche zwischen Nöthnitzer, Berg-, Nürnberger und Münchner Straße zu finden.

Doch ob sich dieser Wunsch erfüllt, bleibt offen. Zwar sind Dresdens Studenten vorbildlich. Nur drei Prozent kommen mit dem Auto auf den Campus. Auch der Anteil derjenigen, die regelmäßig das Studententicket nutzen, steigt stetig. 15 Prozent der Fahrgäste der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) an den Werktagen sind Studenten. Von den Mitarbeitern haben 838 ein Jobticket, das sind elf Prozent aller 7 700 TU-Mitarbeiter. Die Zahl steigt seit der Einführung 2012 stetig. Wie viele Mitarbeiter mit dem Auto zur Arbeit in die Südvorstadt kommen, erhebt die Universität nicht.

Ein Mobilitätskonzept mit solchen und anderen Daten fehlt der Universität bisher. Auch, weil die Universität kaum für bauliche Veränderungen auf dem Campus verantwortlich ist. Hier regelt das Land, was wie gebaut wird. „Einfach loslegen geht nicht“, sagt Michael Ruck, Prorektor für Universitätsplanung. Wie nützlich ein solches Konzept aber ist, beweist die Ruhr-Universität Bochum. Hier kommen 30 Prozent der Studenten und 60 Prozent der Mitarbeiter mit dem Auto zum Campus. Die Zahlen sollten sich ändern. Mit einem Konzept haben die Planer abgewogen: Ein neues Parkhaus bauen oder investieren, damit Rad und öffentlicher Nahverkehr attraktiver werden. Die Bochumer haben sich für die zweite Variante entschieden. So wurden neue Fahrradboxen und -ständer aufgestellt sowie die Taktzeiten der Busse und Bahnen erhöht. Nun kommen weniger mit dem Auto zur Universität.

In Dresden wird es wohl anders kommen. Das Land will an der Ecke Bergstraße/Nöthnitzer Straße ein Parkhaus bauen. Das gefällt auch der Stadt. Die hat ein Defizit von 2 500 Parkplätzen berechnet, sagt Stadtplanungschef Stefan Szuggat. Ein Parkhaus könnte das Problem teilweise mildern. Ein weiteres dieser Gebäude soll geplant sein. Wo, darüber gibt es derzeit noch keine Informationen. Doch schon der erste Standort sorgt für Diskussionen. So bleibt offen, wie viele Mitarbeiter tatsächlich ihr Auto am äußersten Rand vom Campus abstellen. Von dort sind zwar viele Unigebäude zu Fuß zu erreichen, aber eben nicht in fünf Minuten. Bis zum Schumann-Bau am Münchner Platz sind es zum Beispiel 15 Minuten. Der Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel wäre zudem an diesem Standort nicht optimal. Und die Universität könne die Parkkosten nicht übernehmen, sagt Prorektor Ruck. Er weiß, dass viele Mitarbeiter im Umland wohnen, teilweise bis zu eine Stunde im Auto unterwegs sind. Darauf verzichten können die nicht.

Ein Argument, das Thomas Bürger, Generaldirektor der Universitätsbibliothek, so nicht gelten lassen will. An der Slub gibt es nur 100 Parkplätze für 1 000 Besucher am Tag. „Da sind immer Stellflächen frei“, sagt er. Die Mitarbeiter nutzen das Jobticket. Die Nutzer kommen mit Rad und Bus. Ein Parkhaus auf dem Campus hält er für überflüssig. Das Auto vom Campus verbannen werden er und die Studenten aus der Rad-Gruppe wohl nicht. Die Stadt will sich nun mit Anwohnerparkflächen behelfen. In den nächsten zwei Jahren soll dieses Konzept rund um den Campus umgesetzt sein, sagt Stadtplaner Szuggat. Damit für Radler und Fußgänger mehr Platz bleibt, hilft auch der neue Rahmenplan für die Südvorstadt. Dort sind Radwege eingeplant, die es bisher nicht gibt. Zum Beispiel über die Brücke an der Bergstraße. „Das gefällt uns gut“, sagt Jonas Brechtel.