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Radlerrekord am Waldschlößchen

Von wegen Autobrücke: Warum das umstrittene Bauwerk auch Radfahrer anzieht – und warum es gerade im Tunnel manchmal sehr gefährlich wird.

Die Radlerin Isis Renner ist auf dem Radweg der Waldschlößchenbrücke unterwegs. Andere Passanten nutzen auch verbotene Wege.
Die Radlerin Isis Renner ist auf dem Radweg der Waldschlößchenbrücke unterwegs. Andere Passanten nutzen auch verbotene Wege. ©  Rene Meinig

Am Dienstagnachmittag fahren im Berufsverkehr nicht nur viele Autos über die Waldschlößchenbrücke, sondern auch Radfahrer. Isis Renner tritt ebenfalls kräftig in die Pedale, bevor sie für die SZ-Reporter einen kleinen Zwischenstopp einlegt. Die junge Radiologie-Fachfrau fährt seit Montag aus Richtung Johannstadt auf die Neustädter Elbseite zur Arbeit, wo sie jetzt erst angefangen hat. Der Radweg über die Brücke sei dafür ideal. Andere Radfahrer, die die SZ befragte, nutzen seit Jahren die Brücke. „Ich fahre seit der Eröffnung darüber. Sie ist ein Segen, da sie meinen Arbeitsweg stark verkürzt“, sagt ein Johannstädter, der zweimal täglich dort unterwegs ist.

Der Verkehr: Im Juni so viele Radfahrer wie noch nie gezählt

Die breiten Geh- und Radwege über die Waldschlößchenbrücke sind komfortabel. Über die neue Direktverbindung von der Johannstadt in die Radeberger Vorstadt freuen sich nicht nur die befragten Radler. Das spiegelt sich auch in der Verkehrsentwicklung wider. Denn nicht nur Autos werden von den elektronischen Zählstellen erfasst, sondern auch Radfahrer. Nach der Eröffnung der Waldschlößchenbrücke wurden im September 2013 knapp 63.000 Radfahrer gezählt. Im Verlaufe der Jahre wurden es immer mehr. So wurde im Juni 2016 erstmals die 100.000er-Marke geknackt. Die Zahl hat sich seit der Eröffnung mehr als verdoppelt, erläutert Straßenbauamtschef Robert Franke. Im Juni wurde mit 130.217 Radfahrern ein neuer Rekord erreicht. Das übertraf noch den bisherigen Spitzenwert vom Juni 2018 von 129.587. Damit ist die Waldschlößchenbrücke die am meisten von Radfahrern genutzte Dresdner Elbebrücke.

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Deutlich zugenommen hat auch der Kfz-Verkehr. Nach der Eröffnung rollten knapp 688.000 Autos über das einst umstrittene Bauwerk. Besonders gut wurde die neue Alternative genutzt, als die Albertbrücke saniert wurde. So rollten 2015 und 2016 in vielen Monaten mehr als eine Million Autos darüber, an Spitzentagen waren es über 39.000. Seit der Freigabe der Albertbrücke sind es bis zu 37.000 täglich.

Die Falschfahrer: Nach jäher Wendung verkehrt herum durch den Tunnel

Doch nicht alle Kraftfahrer halten sich an die Regeln. Auf der Brücke bekommen geblitzte Raser die Quittung in Form eines Bußgeldbescheids. Das hat der Stadt schon rund 3,6 Millionen Euro eingebracht. Besonders gefährlich wird es aber im Tunnel. Achtmal hatte es im zurückliegenden Jahr seit August 2018 dort gekracht, berichtet der Straßenbauamtschef. Während dieser Zeit blieben 17 Autos und Motorräder wegen technischer Defekte oder leeren Tanks liegen. Allerdings wurden auch zwei Falschfahrer gesichtet. Einer kam durch den Zufahrtstunnel von der Bautzner Straße, zog sein Auto vorm Tunnelportal nach links und fuhr entgegen der Fahrtrichtung durch die Hauptröhre zur Stauffenbergallee. Ein weiterer Fahrer überholte im Westtunnel, als während Wartungsarbeiten nur diese Röhre geöffnet und einspurig war.

Die Überwachung: Tunnel-Kameras überwachen jede Ecke

Die Überwacher in der Reicker Tunnelzentrale haben diese Röhren, aber auch den Bramschtunnel und den am Wiener Platz rund um die Uhr im Blick. Der Waldschlößchentunnel ist über Lichtwellenleiter an die Zentrale angeschlossen. 33 Kameras mit Videodetektoren erfassen das Geschehen an jeder Ecke. So schwenken sie immer zu den Brennpunkten.

Die Eindringlinge: Neue Schranke schreckt Fußgänger ab

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Allerdings müssen sie eingreifen, wenn beispielsweise Fußgänger in den Tunnel laufen. Dann können sie ihn über Lautsprecher auffordern, die Röhre zu verlassen. Diese Fälle sind seltener geworden, erklärt Franke. Denn Anfang dieses Jahres wurde eine Schranke auf der Westseite des Tunnelportals an der Brücke angebracht, die illegale Eindringlinge auf der Notgehbahn stoppt. Jetzt wird noch alle zwei Wochen ein Fußgänger gesichtet, dem auch diese Sperre egal ist. In den Vorjahren seien trotz des Verbots mehr Fußgänger durch die Tunnel gegangen. Vor allem in der Sommersaison fahren drei bis vier Schwarzradler durch die Tunnel – fast ausschließlich bergab von der Stauffenbergallee.

(Mitarbeit: Jonas Lauschke)

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