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Radlos in Löbau

Der Fahrer eines Holzlasters verlor gleich zwei Räder. Der Schaden blieb am Ende gering, doch die Aufregung war groß.

Von Carina Brestrich und Anja Beutler

Rad ab in Löbau: Nahezu filmreif sauste jetzt ein einsames, verloren gegangenes Brummi-Rad über die Staatsstraße. Insgesamt 800 Meter legte es binnen weniger Augenblicke zurück. Der dazugehörige Lkw – ein Holzlaster mit tschechischem Kennzeichen – stand einige Hundert Meter weit entfernt in einer Bushaltestelle. Dorthin hatte sich der Lasterfahrer gerettet, nachdem sich nicht nur das eine, sondern auch noch ein zweites seiner Räder selbstständig gemacht hatte.

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Aus dem Mund der Polizeisprecherin klingt die Szene erheblich nüchterner: Richtung Neugersdorf war der Dreiachser auf der Rumburger Straße unterwegs, erklärt Susanne Heise von der Polizeidirektion in Görlitz. Kurz vor der Fußgängerampel an der Kreuzung zur Dr.-Alfred-Moschkau-Straße passierte dann das Unglück: Ein sogenanntes Zwillingsrad, das aus zwei einzelnen nebeneinander angeordneten Rädern besteht, löste sich von der zweiten Achse, auf der zum Straßenrand zugewandten Seite des Lasters. Danach kullerten die Räder in Richtung Kreuzung Rumburger Straße – Äußere Zittauer Straße.

Torsten Schrödter saß zu dem Zeitpunkt in seinem Auto. Der junge Ebersdorfer kam gerade aus Richtung Neugersdorf und hatte es eilig, nach Löbau zu kommen. Doch plötzlich stockte es, drei, vier Fahrzeuge vor ihm. „Ich habe mich ein bisschen gewundert, warum die Autos an dem Laster nicht einfach vorbeifahren“, sagt er. Wenig später sah er den Grund: So beobachtete er, wie eines der beiden Räder auf dem Gehweg entlang rollte. „Ein Glück, dass da gerade niemand unterwegs war und das Rad auch nicht auf die Straße gerollt ist“, sagt er. Schaden richtete der Reifen dennoch an: Er knallte nach Angaben der Polizei gegen den Mast der Fußgängerampel, was diese nicht überstand. Das Rad allerdings rollte weiter und kam rund 60 Meter nach der Bushaltestelle zum Liegen.

In der Zwischenzeit suchte sich auch der zweite Teil des Zwillingsrades schnurstracks seinen Weg. Fast wie durch ein Wunder passierte der Reifen ungebremst und ohne mit anderen Autos zu kollidieren die Kreuzung zur Äußeren Zittauer Straße. Schaden verursachte dabei auch dieser Reifen: So kollidierte das Rad mit einem an der Ampel wartenden Transporter auf der Karl-Liebknecht-Straße, sagt Susanne Heise: „Dabei wurde der äußere Kotflügel an der Fahrerseite beschädigt.“ Am Stadion schließlich war die Kuller-Partie zu Ende.

Das Fehlen seiner Räder hatte der Lkw-Fahrer da längst bemerkt. Nur wenige Meter hinter der Stelle, wo er sein Zwillingsrad verlor, lenkte er seinen deutlich zur Seite geneigten Lkw in die Haltebucht der Bushaltestelle. Rasch waren Helfer zur Stelle, erzählt Thorsten Schrödter. Sie halfen dem Fahrer, das Gefährt zu stabilisieren und die Bolzen zu suchen, die die Räder eigentlich festhalten sollten.

Auch die Polizei war schnell vor Ort und lenkte den Verkehr rund um die Unfallstelle erst einmal schubweise vorbei. Schrödter kam glücklicherweise ziemlich schnell weiter. „Meine kleine Tochter war schon unruhig, da war ich froh, dass ich nicht länger warten musste“, sagte er. Insgesamt ist bei der Kuller-Partie ein Schaden von rund 4 000 Euro entstanden, sagt die Polizei. Dem Lkw-Fahrer droht zusätzlich ein Bußgeld. Da er wegen eines technischen Defekts an seinem Fahrzeug einen Unfall verursacht hat, habe er eine Ordnungswidrigkeit begangen, so die Polizeisprecherin. Damit würde der Fahrer glimpflich davon kommen. Denn wäre bei dem Vorfall jemand verletzt worden, hätte dem Lkw-Fahrer eine weitaus höhere Strafe gedroht, so Susanne Heise.

Ob der technische Zustand des Lasters aufgrund seines Alters tatsächlich zu beanstanden ist, werden noch die weiteren Untersuchungen ergeben.