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Ein Klassiker verpasst das runde Jubiläum

Vor hundert Jahren gab es das erste Radrennen "Rund um die Landeskrone".

Starterfeld beim Rennen Rund um die Landeskrone im Jahr 1925
Starterfeld beim Rennen Rund um die Landeskrone im Jahr 1925 © Sammlung Roland M. Schulz

Am 28. Juni hatte es sein sollen. Doch es hat nicht sollen sein. Das traditionelle Radrennen „Rund um die Landeskrone“ fällt in diesem Jahr aus. Jene sportliche Attraktion, bei der immer wieder bedeutende Wettkämpfe wie Bundesliga-Rennen für Furore sorgten. 2020 hätte die Deutsche Meisterschaft der Senioren im Straßenradsport an der Landeskrone ausgetragen werden sollen. Für Cheforganisator Jürgen Schmidt vom Postsportverein Görlitz (PSV) wäre es die 55. Ausgabe unter seiner Regie geworden. Doch Corona machte leider einen Strich durch die Rechnung, im April wurde alles abgesagt. Das ist mehr als schade. 

Denn den in der Welt des Radsports gut etablierten Knüller in Görlitz gibt es schon seit vielen Jahrzehnten. Er hätte in diesen Tagen seinen 100. Geburtstag feiern können. Nein, der Radsportklassiker mit dem legendären Start und Ziel am Burghof in Biesnitz ist durchaus keine DDR-Erfindung, wie manch einer immer noch annimmt. Im Gegenteil: Alles begann, als Fahrräder vom einfachen Fortbewegungsmittel zu technischen Wunderwerken weiterentwickelt wurden. Da wurde das Gewicht optimiert, wurden Gangschaltungen erfunden und manches mehr. Beim Fahrradbau in Deutschland spielte zudem auch Görlitz eine sehr bedeutende Rolle – nachzulesen zum Beispiel im Buch „Görlitzer Fahrradgeschichte“ von Ronald M. Schulz. 

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Jürgen Schmidt organisiert seit Jahrzehnten den Rad-Klassiker "Rund um die Landeskrone".
Jürgen Schmidt organisiert seit Jahrzehnten den Rad-Klassiker "Rund um die Landeskrone". © privat

Mit der Weiterentwicklung verbanden sich schnell Testfahrten, die dann in erste Wettrennen mündeten. Die Konkurrenz wollte untereinander Vergleiche, und schon wurden immer mehr Straßenrennen organisiert. In Görlitz und Umgebung etablierten sich dabei zwei heute noch gängige Rennen, eben die Tour „Rund um die Landeskrone“ und die Fahrt Cottbus – Görlitz – Cottbus. Das Publikum war begeistert und säumte stets die Strecken, was später bei der großen Friedensfahrt zu besonderer Reife ausuferte. Die Firmen indes sahen darin einen lukrativen Absatzmarkt und gründeten deshalb auch eigene Fahrerteams.

In der Stadt Görlitz war zum Beispiel die Werksmannschaft der Molto-Werke sehr bekannt.2010 gingen rund 200 Sportler auf den 17,3-km-Rundkurs. Auch Kinder sind mittlerweile dabei, Jürgen Schmidt gehört für sie zu den Mitbegründern des sogenannten „Fette-Reifen-Rennens“ für Kinder und der „Jedermänner“ für alle Volkssportler.

 Immer wieder gab und gibt es Besonderheiten. Diesmal wären zum Beispiel auch sächsische Landesmeister ermittelt worden. Immerhin: Es ist nicht der erste Ausfall so eines Rennens. Zum 100. Jahrestag seit dem ersten Start im Jahr 1920 wäre jetzt „erst“ das 85. Rennen gestartet worden, vor allem, weil in Kriegs- und Nachkriegsjahren „Rund um die Landeskrone“ aussetzen musste. Insofern sollte man in der Radsportabteilung des PSV Görlitz jetzt trotzdem das Glas erheben: Herzlichen Glückwunsch zum Hundertsten!

Als Rennen wie "Rund um die Landeskrone" entstanden, schmückten sich die damals hoch angesehenen lokalen Radfahrer-Klubs gern auch mit bunten Vereinsfahnen. Hier ein farbenfrohes Beispiel.
Als Rennen wie "Rund um die Landeskrone" entstanden, schmückten sich die damals hoch angesehenen lokalen Radfahrer-Klubs gern auch mit bunten Vereinsfahnen. Hier ein farbenfrohes Beispiel. © Ralph Schermann
Auch diese Vereinsfahne bewahrt der der Görlitzer Postsportverein PSV mit berechtigtem Stolz auf.
Auch diese Vereinsfahne bewahrt der der Görlitzer Postsportverein PSV mit berechtigtem Stolz auf. © Ralph Schermann

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