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Radtour ins Gefängnis

Ein betrunkener Radfahrer fährt der Polizei in die Arme. Die hatte ihn gerade kontrolliert. Jetzt fährt er ins Gefängnis ein.

Wer mit dem Fahrrad fährt, darf bis zu 1,6 Promille Alkohol intus haben. Der Angeklagte hatte deutlich mehr, stand zudem unter Drogen, so dass er schuldunfähig war. Verurteilt wurde er trotzdem.
Wer mit dem Fahrrad fährt, darf bis zu 1,6 Promille Alkohol intus haben. Der Angeklagte hatte deutlich mehr, stand zudem unter Drogen, so dass er schuldunfähig war. Verurteilt wurde er trotzdem. ©  dpa/Tobias Hase

Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht. Da wird die Polizei zu einem Einsatz gerufen, weil jemand in einer Gartenanlage randaliert haben soll. Auf dem Weg dahin kommt ihr auf der Leipziger Straße in Meißen ein sichtlich betrunkener Mann entgegen, der mitten auf der Straße sein Fahrrad schiebt. 

Die Polizisten fordern den Mann auf, den Fußweg zu benutzen. Sie fahren 150 Meter weiter zur Gartensparte. In dem Moment, als die Beamten aus ihrem Auto aussteigen, kommt ihnen der, den sie gerade kontrolliert hatten, mit dem Fahrrad entgegen, fährt genau auf sie zu. 

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Er ist nicht nur augenscheinlich betrunken, sondern fällt auf permanentes Zucken auf, benutzt Fantasiewörter, zieht Grimassen, wedelt mit den Armen, ist zappelig und unruhig. Typische Anzeichen für jemanden, der unter Alkohol und Drogen steht. Der Bluttest im Krankenhaus wird zur Herausforderung, nicht nur für die Ärztin. Der Mann weigert sich, wehrt sich, sodass ihn zwei Polizisten mit geübtem, festen Griff halten müssen, damit ihm Blut abgenommen werden kann. 

Das Ergebnis eine Stunde nach der Tat ist wenig überraschend. Der 40-Jährige hat 2,32 Promille Alkohol im Blut. Das ist deutlich mehr, als die 1,6 Promille, die ein Fahrradfahrer maximal haben darf. Und nicht nur das. Auch ein Drogentest fällt positiv aus. Der Mann wird als lallend, distanzlos und aggressiv beschrieben.

„Wir hatten zunächst erwogen, den Mann wegen seines Zustandes zu seinem eigenen Schutz in Gewahrsam zu nehmen“, sagt ein Polizist. Doch die Beamten überlegen es sich anders, bringen den Mann nach Hause. Das Fahrrad wird sichergestellt.

Wegen vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr sitzt der Meißner nun vor dem Meißner Amtsgericht. Mal wieder. Insgesamt 18 Verurteilungen hat er auf seinem Konto, bis 2016 meist wegen mittlerer Kriminalität. Wegen Trunkenheit im Verkehr erhielt er schon einmal eine Geldstrafe.

Auch im Gefängnis hat er schon gesessen. Zuletzt hatte ihn das Amtsgericht Pirna zu drei Jahren Haft verurteilt, weil er Drogen nach Deutschland einführte. Einen Teil davon hat er abgesessen, der Rest wurde zur Bewährung ausgesetzt. Diese läuft noch bis August 2021. Auch eine weitere Bewährung ist noch offen. Der Mann ist also zweifacher Bewährungsbrecher.

Er selbst kann sich an die ihm jetzt vorgeworfene Tat kaum noch erinnern. Er habe Ärger mit seinen Zähnen gehabt, deshalb „irgendwo an der Elbe“ eine Flasche Schnaps getrunken, sagt er. Er trinke ab und zu mal, habe sich um Arbeit bemüht, einen Ein-Euro-Job gemacht. „Damit ich im Kopf ein bisschen lockerer werde“, sagt der Mann, der einen Hauptschulabschluss und keinen Beruf hat und von Hartz IV lebt. 

Verurteilt werden kann er für die Tat aber nicht. Richter und Staatsanwältin sind sich einig, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt derart berauscht war, dass es nicht schuldfähig ist. Verurteilt wird er dennoch, und zwar wegen vorsätzlichen Vollrausches. 

Er bekommt eine Haftstrafe von zwei Monaten, die er auch absitzen muss, denn Bewährung kommt für den zweifachen Bewährungsbrecher nicht mehr in Betracht. Ohne Therapie, die er ja ablehnt, werde mit weiteren Straftaten zu rechnen sein, so die Staatsanwältin, die sogar vier Monate Gefängnis gefordert hatte.

Der Verteidiger hatte für seinen Mandanten noch einen Rat: „Trinken Sie, was Sie wollen, aber lassen Sie das Fahrrad zu Hause.“

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