merken
PLUS Kamenz

Bei Kamenz leben Radler weiter gefährlich

Der Lückenschluss auf dem Radweg in Richtung Pulsnitz lässt seit Jahren auf sich warten. Jetzt gibt es neue Pläne - aber noch keinen Baustart.

Zwischen Gersdorf und Pulsnitz wurde vor Jahren bereits ein Teilstück einer lange geplanten Radtrasse gebaut. Doch Richtung Kamenz fehlt der Lückenschluss.
Zwischen Gersdorf und Pulsnitz wurde vor Jahren bereits ein Teilstück einer lange geplanten Radtrasse gebaut. Doch Richtung Kamenz fehlt der Lückenschluss. © Matthias Schumann

Kamenz. Radler leben an der Staatsstraße 95 zwischen Kamenz und Gersdorf immer noch gefährlich. Dort beginnt dann die Trasse bis Pulsnitz. Schon bis dieses Stück gebaut wurde, dauerte es lange. Geplant wurde bereits seit den 1990er-Jahren. Doch vor dem nächsten Akt will die Bau-Pause offenbar nun gar kein Ende finden. Dabei sollte der Radweg zwischen Kamenz und Gersdorf schon vor Jahren fertig sein. Insbesondere auch wegen der Verkehrssicherheit für Schulkinder und Berufspendler, die das Rad nutzen. 

Anzeige
Wandern mit Kindern: Das muss mit
Wandern mit Kindern: Das muss mit

Bei Ausflügen mit Kindern stehen Erlebnis und Abenteuer im Vordergrund. Das sollte bei der Tourenplanung und beim Packen des Rucksacks bedacht werden.

Doch der Lückenschluss lässt auf sich warten. Offenbar türmen sich immer neue Hürden auf. Vor allem wohl schwierige Verhandlungen mit Eigentümern von Grundstücken, die für den Bau gebraucht werden. Zwei, drei seien es, die den Lückenschluss bremsen, ließ der Kamenzer Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos) bereits im Vorjahr durchblicken.

Eine Fahrrad-Demo sollte damals dem Radweg-Drama neuen Schwung geben, blieb jedoch ohne sichtbaren Erfolg. Aber die Radfreunde werden nicht müde, in Abständen nachzufragen. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) verweist nun darauf, dass es sich ja inzwischen nicht mehr nur um eine reine Radweg-Planung handelt. Zugleich soll jetzt die gesamte Staatsstraße zwischen Gersdorf und Kamenz ausgebaut werden.

Damit wurde eine jahrelange Planung quasi wieder auf Null gesetzt. Immerhin scheint es vorwärts zu gehen: „Die neuen Vorentwürfe für den dritten und vierten Bauabschnitt wurden genehmigt“, lässt Pressesprecher Franz Grossmann wissen. Derzeit würden die Unterlagen für ein sogenanntes Planfeststellungsverfahren erarbeitet. Damit gehen die fachlichen Prüfungen, Auslegungen, Anhörungen bis hin zur Baugenehmigung einher.

Anfang 2021 sollen die Unterlagen bei der Landesdirektion Sachsen eingereicht werden. „Ein Termin für den Baubeginn kann in dem Stadium der Planung noch nicht belastbar genannt werden“, so Grossmann. Innerhalb dieses Verfahrens sollen dann auch die offenen Grundstücksfragen geklärt werden. Bis hin zu einer möglichen Enteignung. 

Im zweiten Teilstück - von Niedersteina bis Gersdorf - habe man ein solch aufwendiges Planfeststellungsverfahren nach langwierigen Verhandlungen mit Anliegern vermeiden können, so Grossmann.

Straße ist in schlechtem Zustand

Von den Plänen für einen reinen Radweg-Anbau, wie ursprünglich einmal begonnen, habe sich das Lasuv wegen des schlechten Zustands der S 95 verabschiedet. Inzwischen sind freilich auch etliche Jahre ins Land gegangen.

Ein solches Planverfahren hätte schon vor vielen Jahren angeschoben werden müssen, bemängelte bereits in der Vergangenheit der Kamenzer Grünen-Stadtrat Jörg Stern. So könnte die Trasse längst fertig sein. Stern fordert den Radweg wie viele andere Bürger und Kommunalpolitiker der Region schon lange.  Doch Franz Grossmann sagt, dass es sich innerhalb der Planung für den Lückenschluss herausgestellt habe, dass der Zustand der Straße zu wünschen übrig lasse.

Nun werden die Pläne immer größer und teurer. Denn es wird nach den neusten Richtlinien gebaut, die Fahrbahn nach den aktuellen Standards für den überwiegend großräumigen und überregionalen Verkehr auf der viel befahrenen Staatsstraße also auch verbreitert. Das sei entsprechend zeitaufwendiger und kostenintensiver.

Der dritte Bauabschnitt von Gersdorf bis Gelenau ist laut Lasuv rund 2,6 Kilometer lang. Der Radweg verläuft in diesem Abschnitt westlich der Staatsstraße 95, also links in Blickrichtung Kamenz. „Zum derzeitigen Stand wird von Baukosten von rund 4,3 Millionen Euro für die  Fahrbahn und rund 600.000 Euro für den Radweg ausgegangen“, teilt Franz Grossmann mit.

Der vierte Bauabschnitt von Gelenau bis Kamenz erstrecke sich über 1,6 Kilometer. Hier wechselt der Radweg auf die andere Straßenseite. Die  Kosten sollen bei  rund 2,2 Millionen Euro für die Fahrbahn und rund 400.000 Euro für den Radweg liegen.

Kritik kommt vom Fahrradclub

Bei der Interessenvertretung der Radler, dem ADFC Sachsen, wird das Geschehen schon lange beobachtet - und es stößt auf Kritik. Denn letztlich ziehe sich alles schon viel zu lange hin. Es sei ziemlich bedauerlich, so Vorstandsmitglied Janek Mücksch, wie Radfahrer hängen gelassen und über Jahre vertröstet würden. Er betont die Gefahren, wenn Kraftfahrer mit 100 Stundenkilometern an Radlern vorbei donnern. 

Mücksch sieht die Probleme vor allem auch beim sächsischen Verkehrsminister. Stellen seien abgebaut worden. Es gebe zu wenig Planungskapazitäten. Außerdem werde zu wenig Geld bereitgestellt, um das Ziel, 500 Kilometer Radwege bis 2025 zu bauen, zu erreichen. Derzeit entstünden im Schnitt 15 Kilometer pro Jahr, es müssten an die 100 sein, so Mücksch. Er sehe auch keine klare Linie bei nötigen Enteignungen für Radweg-Projekte, mal gehe es schnell, mal ziehe es sich hin.

Immerhin hat die Stadt Kamenz in einem Finanzkonzept für die kommenden Jahre eine Prognose gewagt und ihren Eigenanteil an der Radtrasse im Ortsteil Gelenau vorsichtig eingeplant – für 2025. Sollte es so eintreffen, werden die Radfahrer also noch einige weitere Jahre mit der Gefahr an der Staatsstraße leben müssen .

Mit dem kostenlosen Newsletter „Bautzen kompakt“ starten Sie immer gut informiert in den Tag. Hier können Sie sich anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Kamenz