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Radweg mit Hindernissen

Seit der Juniflut ist der Elberadweg vielerorts noch nicht befahrbar. Die Umleitungen sind für viele ein Ärgernis.

Von Antje Steglich

Jeden Tag fährt André Goßlau mit dem Rad zur Arbeit. Elf Kilometer hin und elf zurück, die ihn vor allem über den Elberadweg führen. Seit Monaten schon aber muss er jeden Tag fünf Minuten mehr für seinen Arbeitsweg einplanen, denn auf dem Elberadweg wird zwischen Moritz und Promnitz gebaut, die Radfahrer werden über die Dorfstraßen umgeleitet.

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Das ist etwa ein Kilometer mehr, schätzt André Goßlau. „Das ist nicht viel, aber es wäre schön, wenn ich den Bogen nicht mehr jeden Tag fahren müsste“, sagt er. Den Deich trotzdem weiter als Radweg zu nutzen, hält er selbst für unsinnig. „Das fährt sich doch bescheiden“, sagt er. „Immer rauf und runter, das ist doch doof“, beschreibt auch eine andere Fahrrad-Pendlerin ihren aktuellen Arbeitsweg zwischen Riesa und Nünchritz über den Elberadweg. Sie hat sich deshalb für die Zeit der Sperrung für eine noch größere Umfahrung entschieden. In Riesa passiert sie die Elbbrücke, nutzt dann den Fahrradweg entlang der B 169 bis Röderau und fährt dann über die Ortsstraßen über Promnitz nach Moritz, wo sie dann wieder auf den Elberadweg trifft.

Viele Elbe-Radweg-Nutzer bevorzugen aber scheinbar den kurzen Weg. Die tiefen Rillen neben der Schranke in Moritz beweisen, dass der Deich trotz Baumaßnahmen weiter genutzt wird. 90 Prozent fahren einfach durch, sagen Anwohner. Und das, obwohl die Gemeinde Zeithain hier nicht nur ein Durchfahrtverbotsschild, sondern auch ein Schild mit der Umleitungsstrecke aufgestellt hat. So eine Infotafel stand auch in Promnitz, doch die wurde geklaut, sagt Zeithains Bürgermeister Ralf Hänsel (parteilos). Das soll jetzt nachbestellt werden, um die Radfahrer nicht ziellos durch die Dörfer radeln zu lassen.

„Klar kommt man mit ein bisschen Orientierungssinn auch durch, aber serviceorientiert ist der Elberadweg an vielen Orten derzeit nicht“, erklärt auch Mandy Krebs von der Koordinierungsstelle Elberadweg Süd. Vielerorts gebe es Kritik, dass es an Schildern mangele. Die Koordinierungsstelle will deshalb demnächst ein Beschilderungskonzept erarbeiten, das neben Umleitungsschildern zum Beispiel für Hochwasserzeiten auch Ortseingangsschilder für den Radweg enthält.

Im Landkreis Meißen sehe es schon jetzt durch einen sehr aktiven Wegewart nicht so schlecht aus, zukünftig soll es aber sachsenweit eine einheitliche Ausschilderung geben. Ohne die Unterstützung der Kommunen, vor allem finanziell, ginge das aber nicht, so Mandy Krebs. „Wir als Verband können das nicht stemmen.“ Sie würde es sowieso begrüßen, wenn die Kommunen mehr Wert auf den Elberadweg und die Ausschilderung legen würden, schließlich ist die Route ein sehr wichtiger Faktor für den Tourismus.

Laut Landestalsperrenverwaltung Sachsen (LTV) werden die Arbeiten an dem Deich zwischen Moritz und Promnitz noch bis Ende April andauern. Die Umleitung für die Radfahrer bleibt jedoch noch darüber hinaus bestehen. Um den Deich zu schützen, soll der Radweg nämlich von der Deichkrone auf den Verteidigungsweg verlegt beziehungsweise in Promnitz über die Straße Am Elbdamm geführt werden. Der Gemeinde stehen aus dem Fluthilfefonds des Freistaates fast 600 000 Euro für die Wiederherstellung des Elbe-Radweges zur Verfügung. Die konkreten Planungen können laut Bürgermeister Ralf Hänsel jedoch erst nach Abschluss der Arbeiten durch die LTV beginnen.

Für André Goßlau kommen damit wohl noch etliche Kilometer Umweg dazu. Doch er nimmt es mit Humor. „Ich muss mich jetzt einfach mehr sputen“, sagt er und fährt Richtung Promnitz davon.