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Rätsel um Possendorfs Taufbild fast gelöst

Das alte Taufsteingemälde der Possendorfer Kirche wird im September restauriert. Eine alte Inschrift ist jetzt entziffert, doch eine Frage bleibt offen.

Das historische Taufstein-Gemälde der "Taufe Christi im Jordan".
Das historische Taufstein-Gemälde der "Taufe Christi im Jordan". © Egbert Kamprath

Das alte Ölgemälde auf Holz mit Blattgold-Rand die "Taufe Jesu im Jordan" vom Taufstein der Possendorfer Kirche gibt immer noch Rätsel auf. Auf seiner Rückseite sind nun die alten Inschriften auf dem Holz entziffert worden, sagt Kirchenvorsteher Peter Berendt: "Zwei Experten des Instituts für sächsische Geschichte waren Ende Juni hier und haben sich das Gemälde angeschaut." Zuvor hätten sie bereits zahlreiche Fotos begutachtet. 

Entziffert wurden nun vier Zeilen mit dem Text: "Johannes Andrea, Ludimodie Reichstadiensis, me fecit, Anno 1656, 16. May." So sei "Reichstadiensis" der Hinweis auf den Ort Reichstädt bei Dippoldiswalde. Herr Johannes Andrea war zwischen 1653 und 1685 Schulmeister in Reichstädt und "me fecit" bedeute soviel wie "hat mich gemacht".

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Diese alte Inschrift auf der Rückseite des Bildes wurde nun identifiziert.
Diese alte Inschrift auf der Rückseite des Bildes wurde nun identifiziert. © Egbert Kamprath

Hat also Johannes Andrea das Taufbild der Possendorfer Kirche gemalt? "Das kann man so leider nicht sagen", erklärt der Kirchenvorsteher, der sich mit der Geschichte der Kirchgemeinde intensiv beschäftigt. Der damalige Kurfürstlich-Sächsische Hof-Maler Joachim Friedrich Schreyvogel (geboren 1616 - gestorben 1684), der bisher als Maler des Bildes galt, könnte das auch bleiben, denn: "Zum einen ist die Taufe Jesu im Bild nicht mittig dargestellt, was völlig unüblich für Bilder aus dieser Zeit ist. Das Gemälde könnte also aus einem anderen Bild herausgeschnitten worden sein", gibt Peter Behrendt die Vermutungen der Dresdner Experten des Instituts für sächsische Geschichte weiter. Und zum anderen: "Die Stilrichtung mutet so an, als sei sie von Italienischen Künstlern inspiriert worden und Joachim Friedrich Schreyvogel ist nachweislich in Italien gewesen", sagt Behrendt. Dies hätte die Sichtung alter Aufzeichnungen ergeben.

Somit bleibt die Frage, wer nun das Taufbild wirklich gemalt hat, weiter unbeantwortet. Im nächsten Monat wird das Gemälde nach Dresden gebracht. Dort soll es für rund 9.000 Euro von Anke Stenzel vollständig restauriert werden. "Wo es danach einen neuen Platz bei uns findet, müssen wir noch überlegen", sagt der Kirchenvorsteher, denn nachdem die Possendorfer Kirche in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts mehrfach bestohlen wurde, soll es nicht wie früher auf dem Taufbecken aufliegen.

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