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Rätsel um Copitzer Gebetshaus

Die Organisation „SBS“ scheitert in mehreren Orten, Zentren für Muslime aufzubauen. Folgt nun der Rückzug aus Pirna?

© Archiv: dpa

Von Thomas Möckel

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Pirna. In Bautzen schlug der Organisation „Sächsische Begegnungsstätte“ (SBS) unlängst starker Widerstand entgegen. Die gemeinnützige Gesellschaft, die versucht, in sächsischen Städten Gebets- und Begegnungszentren für Muslime aufzubauen, verhandelt laut eigener Internetseite über ein geeignetes Objekt in der Spreestadt. Doch das Rathaus bekam davon schon im Vorfeld Wind und reagierte mit einem drastischen Mittel. In einem Brief rief der Bautzner Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) Vermieter der Stadt auf, „verfassungsrechtlich problematische Initiativen von der Stadt Bautzen fernzuhalten.“

Das Szenario in Bautzen ist längst kein Einzelfall. Die SBS musste schon mehrere solche Rückschläge einstecken. Offensichtlich gelingt es ihr nicht überall, wie geplant Fuß zu fassen.

So war die Truppe beispielsweise in Riesa und Görlitz gezwungen, als Gebetsräume gemietete Objekte wieder zu schließen – weil schlicht baurechtliche Genehmigungen für diese Zwecke fehlte. Und auch in Pirna kommt das Projekt irgendwie nicht so recht ins Laufen.

2016 erwarb die SBS eine ehemalige Schulungsstätte an der Brückmühle in Copitz. Den Kaufpreis von 300 000 Euro stottert die Gesellschaft nach eigenen Angaben in fünf Jahren ab. SBS-Vorstand Saad Elgazar versprach damals, in dem Haus ein multikulturelles Begegnungszentrum zu etablieren, im Angebot waren Deutsch- und Arabisch-Kurse, Kurse zur Drogenprävention, Schülernachhilfe, Besuchsnachmittag für hiesige Schulklassen und Kindergartengruppen, sogar einen Tag der offenen Tür sollte es geben.

Doch nach wie vor bleibt vage, was sich tatsächlich im Innern des Hauses tut. Außenstehende nehmen außer den Freitagsgebeten kaum etwas von einem regelmäßig geöffneten Begegnungszentrum wahr, wenngleich die Organisation das Gegenteil behauptet.

Seit der Bautzen-Geschichte verbreitete überdies das Gerücht, die SBS sei in Pirna nicht nur gescheitert, sie plane auch den Verkauf des Hauses und ihren Rückzug. Die SBS dementiert solche Aussagen vehement. Laut SBS- Vorstand Muhammed R. Wellenreuther stehe das Objekt an der Copitzer Brückmühle keinesfalls zum Verkauf. Und auch an einen Rückzug denke derzeit niemand. Selbst wenn die SBS die Immobilie verkaufen würde, sagt Wellenreuther, weil sie für die kleine muslimische Gemeinde in Pirna zu groß sei, wäre ein Rückschluss auf ein Desinteresse der SBS am Standort Pirna nicht gerechtfertigt.

Dass nach außen noch nicht so viel sichtbar ist, begründet Wellenreuther mit den knappen finanziellen Ressourcen. Die SBS finanziere sich über Mitgliedsbeiträge und Spenden, externe Geldgeber gebe es keine. Zudem sei das Pirnaer Vorhaben erst zwei Jahre alt, und die meist aus syrischen Flüchtlingen bestehende Gemeinde hier die kleinste SBS-Gemeinde. Da dürfe man, sagt der SBS-Vorstand, nach so kurzer Zeit nicht gleich sonst etwas erwarten. Doch trotz mangelnder Außenwirkung pflege man laut Wellenreuther gute Beziehungen zu Außenstehenden. Auch aus der Nachbarschaft gebe es keine negative Resonanz. Man scheine sich an das „geheimnisvolle“ Gebetshaus gewöhnt zu haben.

Das stimmt aber nur bedingt. Einige Anwohner sind noch immer vergrätzt darüber, dass sich der neue Nachbar bislang bei niemandem offiziell vorgestellt habe und vieles im Haus im Verborgenen laufe. Auch anderer Kontakt hält sich in Grenzen. So bekamen andere Initiativen in Pirna, die sich um die Integration von Flüchtlingen kümmern, bislang kaum einen Fuß in die Tür der SBS, an vielen Stellen herrscht Funkstille. Und auch das Pirnaer Rathaus beging das Objekt im zweiten Halbjahr 2016 lediglich aus dem Grund, bauordnungsrechtliche Fragen zu klären. Weiterführender Kontakt besteht nicht.

Neben der geheimnisvollen Aura kommt für Außenstehende ein weiteres Hemmnis hinzu, was die Kontaktaufnahme erschwert: Der sächsische Verfassungsschutz beobachtet die SBS schon länger, weil sie im Verdacht steht, für die Muslimbruderschaft (MB) und die „Islamische Gesellschaft Deutschland „ (IGD) Strukturen aufzubauen, um ein Monopol über die sächsischen Gebetsstätten zu erlangen. Laut des Verfassungsschutzes verfolgen MB und IGD Bestrebungen, die sich gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung in Deutschland richten. Doch trotz allem sieht die SBS ihr Projekt in Pirna nicht als gescheitert an. Eine Begegnungsstätte sei etabliert, es fänden ja regelmäßig Veranstaltungen statt, sagt Wellenreuther, schränkt aber zugleich ein: „Wenn auch nicht sehr viele.“