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Rätselhafte Schlüssel-Abzocke

Für keine Leistung zahlte eine Frau, die sich ausgesperrt hatte, 189 Euro. Der Prozess gegen den Monteur wurde eingestellt.

Es wundert nicht, dass dubiose Schlüsseldienste immer wieder weit überhöhte Rechnungen kassieren und die Hilflosigkeit von Menschen in einer Notlage ausnutzen. Polizei und Justiz unternehmen meist nichts, und wenn doch, dann halbherzig und – im schlimmsten Fall – auch noch an der falschen Stelle, wie jetzt ein Prozess am Amtsgericht Dresden zeigte.

Im März 2013 hatte sich eine 20-jährige Restaurantfachfrau aus ihrer Wohnung ausgesperrt. Sie suchte mit ihrem Handy nach einem Notdienst und landete bei der „Deutschen Schlüsseldienst-Zentrale“ mit Sitz in Düsseldorf. Kaum hatte sie dort einen Monteur bestellt, meldete sich der Freund der 20-Jährigen und sagte, er habe den Zweitschlüssel gefunden. Als die Frau kaum fünf Minuten nach dem ersten Anruf den Schlüsseldienst wieder abbestellen wollte, drohte ihr ein Mann am Telefon, vorm Haus zu warten und die Rechnung zu zahlen, sonst sei das Handwerker-Betrug. Man werde ihre Wohnung öffnen und ihren Fernseher mitnehmen. So steht es in der Anklage gegen den 23-jährigen Monteur. Der habe sich dann vor Ort als Zivilpolizist ausgegeben und der Frau 189 Euro abgeknöpft. Er musste sich wegen Erpressung und Amtsanmaßung verantworten.

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In der Beweisaufnahme des Prozesses war schnell klar, dass der Monteur das Telefonat mit der Kundin nicht zu verantworten hatte. Er bekam seinen Auftrag per SMS. Die Gespräche mit der Kundin liefen über das Callcenter der Schlüsseldienstzentrale. Darauf hätten auch die Ermittler kommen können. Weil auch die angebliche Amtsanmaßung wohl ein Missverständnis war und sich die 20-Jährige in Widersprüche verwickelte, musste das Verfahren eingestellt werden. Die Staatsanwaltschaft hatte offensichtlich den Falschen angeklagt. (lex)