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Rätselraten auf dem Bahnhof

Nach der Stilllegung der Züge nach Kamenz fahren jetzt Busse. Einige Reisende wurden überrascht.

Weiterfahrt mit Ersatzbussen: Von Radeberg aus fahren in Richtung Kamenz nur noch Busse. Sie starten im Stundentakt vom Bahnhofsvorplatz und brauchen etwas länger als die Züge der Städtebahn.
Weiterfahrt mit Ersatzbussen: Von Radeberg aus fahren in Richtung Kamenz nur noch Busse. Sie starten im Stundentakt vom Bahnhofsvorplatz und brauchen etwas länger als die Züge der Städtebahn. © Archivfoto: Thorsten Eckert

Radeberg. Richtiger Bahnsteig, richtige Zeit – dennoch blieben am Bahnhof Radeberg die Gleise Richtung Kamenz leer. Kein Zug rollte in die Lessingstadt. Auch einige Verbindungen Richtung Dresden fallen aus. Sehr zum Ärger der Fahrgäste. Sie bekamen offenbar nicht mit, dass die Städtebahn (SBS) Ende vergangene Woche die Verbindung eingestellt hatte und stattdessen Richtung Kamenz Ersatzbusse rollen.

Ein verärgerter Fahrgast meinte, er müsse jetzt wohl nach Bautzen fahren, von dort würden ja Busse nach Kamenz verkehren. Andere wussten vom Ersatzverkehr, konnten aber nicht sagen, wann die Busse abfahren. „Ja, ich habe das gelesen. Ich muss mich aber noch genau informieren“, sagte eine Reisende. Üppig sind die Informationen auf dem Radeberger Bahnhof nicht gesät. Im Schaukasten weist lediglich ein grellroter Zettel darauf hin, dass die Städtebahn den Betrieb zwischen Dresden, Kamenz und Königsbrück, im Müglitztal und zwischen Pirna und Sebnitz vorübergehend eingestellt hat und Ersatzbusse im Einsatz sind. Die genauen Abfahrtzeiten sind dann im Schaukasten am Busterminal vor dem Bahnhof zu lesen. Danach fährt jede Stunde ein Ersatzbus nach Kamenz. „Damit halten wir den Takt ein, den auch die Städtebahn geboten hat“, sagt Christian Schlemper vom Verkehrsverbund Oberelbe. Allerdings haben sich die Abfahrtszeiten geändert. „Wir haben sie den Trilex-Zügen angepasst, die ja zwischen Dresden und Görlitz fahren“, sagt er. Fahrgäste haben also die Möglichkeit, von Dresden mit dem Zug zu fahren und in Radeberg ohne große Wartezeiten in den Bus umzusteigen. Allerdings dauert dann die Busfahrt etwas länger als die Fahrt mit dem Zug.

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Schneller geht es auf andere Art. „Wir bieten ab Bahnhof Dresden Neustadt Schnellbusse nach Kamenz an. Sie fahren über die Autobahn und halten in Bischheim-Gersdorf und an mehreren Haltestellen in Pulsnitz.“ Diese Busse rollen aber nur wochentags und nur in den Früh- und Nachmittagsstunden. Auf der Strecke Dresden – Königsbrück fahren die Busse im Stundentakt zwischen Königsbrück und Dresden – Klotzsche. Dort haben die Fahrgäste Anschluss an die S-Bahn S 2 zum Hauptbahnhof.

Für die Fahrgäste ist eine gute Verbindung nach Kamenz wichtig. „In der Stadt sitzen schließlich mehrere Behörden, die Außenstelle des Landratsamtes befindet sich dort. Mit der Bahn war man schnell und bequem dort. Ich hoffe, die Züge werden bald wieder eingesetzt“, sagt sie.

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Christian Schlemper tritt da aber etwas auf die Bremse. „Wir bemühen uns unter Hochdruck, ein Unternehmen zu finden, das die Strecken übernimmt. Jetzt gehen die Ausschreibungsunterlagen raus. Dann wird es allerdings mehrere Wochen dauern, bis die neue Firma ausgewählt ist und wieder Züge fahren.“ Wie wichtig auch der Verkehrsverbund die Strecke von Dresden über Radeberg nach Kamenz nimmt, zeigte sich vor einigen Tagen. Ende Juni teilte der VVO mit, die Taktzeiten verbessern zu wollen. „Vor- und nachmittags sollen die Züge im Halbstundentakt nach Kamenz fahren. Das heißt, es würde auch zwischen Dresden und Radeberg ein zusätzlicher Zug pro Stunde fahren. Das wären dann vier pro Stunde“, teilte der Verkehrsverbund damals mit. Nach seinen Worten laufen derzeit Gespräche mit dem Finanzministerium. „Wenn von dort die Zusage kommt, dann könnte es sehr schnell gehen“, sagt er. Dann könnten schon ab Dezember die zusätzlichen Züge rollen. Laut Christian Schlemper wird trotz des Aus der Städtebahn an den Plänen einer Taktverdichtung festgehalten. Ohne Ankündigung hatte die Städtebahn (SBS) in der Nacht zu Donnerstag ihren Betrieb auf allen Strecken eingestellt. Der Grund: ihre angemieteten Züge vom Unternehmen Alpha Trains mussten stillgelegt werden. Vorangegangen seien Streitigkeiten, wer Schäden an den Zügen durch Kollisionen mit umgestürzten Bäumen bezahlt. q Wirtschaft

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