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Rätselraten um die Toskana-Therme

Wer das Bad ab Ostern betreibt, sollte ein Geheimnis sein. Doch jetzt sind zwei Millionen Werbeblätter aufgetaucht.

© Marko Förster

Von Gunnar Klehm

Die Baustelle der Toskana-Therme in Bad Schandau wird gerade winterfest gemacht. Das Außenbecken ist eingehaust. Jetzt kann es repariert werden. Der Landkreis als Eigentümer der Immobilie beseitigt für sechs Millionen Euro Hochwasserschäden, die im Sommer entstanden. Seit Juni ist alles geschlossen. Ostern 2014 sollen wieder Gäste baden können.

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Wer die Therme dann betreibt, darum gibt es seit Wochen Verhandlungen. Der Landkreis hatte damit geliebäugelt, die Einrichtung selbst zu managen. Bisher machte das die Toskanaworld GmbH mit Sitz in Bad Sulza. Das Unternehmen würde das auch gern weiter tun, doch unter veränderten Rahmenbedingungen. Dem Landkreis wurde ein Forderungskatalog vorgelegt, der für den Kreis „zu unakzeptablen finanziellen Belastungen geführt hätte“, heißt es in der Vorlage, mit der der Kreistag im Oktober beschlossen hat, die Therme im Zweifelsfall selbst zu betreiben. Das müsste die Landesdirektion noch genehmigen.

40 Jobs hängen an dem Bad

Der Kreistagsbeschluss erfolgte jedoch nur vorsorglich. Parallel wurde mit der Toskanaworld GmbH weiter verhandelt. Über die Inhalte schweigen sich die Beteiligten aus. „Wir sind in guten Gesprächen“, sagt Christian Lohmann, General Manager der GmbH. Mehr nicht. Der Landkreis wolle sich am Montag zur Kreistagssitzung erstmals öffentlich zu den Verhandlungen äußern, heißt es aus dem Landratsamt.

In den vergangenen acht Jahren war der Betrieb der Toskana-Therme wirtschaftlich. Jährlich kamen 160 000 bis 170 000 Gäste und sorgten für etwa drei Millionen Euro Umsatz. Zehn Prozent der Gäste kamen aus Tschechien. 40 Arbeitsplätze hängen direkt an der Therme. In der Tourismusbranche profitieren noch weit mehr von der Therme.

„Unsere Wege müssen sich nicht zwangsläufig trennen. Es hat Spaß gemacht, zusammenzuarbeiten“, sagte Landrat Michael Geisler (CDU) im Kreistag. Das Wichtigste sei jedoch, dass die Therme so schnell wie möglich wieder öffne. Er sieht für den jeweiligen Betreiber aber Einsparmöglichkeiten durch eine kostengünstigere Energieversorgung. Das könne aus seiner Sicht eine Entlastung bis zu 130 000 Euro pro Jahr bringen.

Neue Nahrung bekam die Gerüchteküche um die zukünftige Betreibung jetzt von der Toskanaworld GmbH. In ihrer Werbezeitung, die in einer Auflage von 2,6 Millionen Exemplaren in vier Bundesländern verteilt wurde, lädt die GmbH alle Leser herzlich zur Wiedereröffnung der Therme in Bad Schandau im Frühjahr 2014 ein. Außerdem werden auf der Internetseite weiterhin sogenannte Nach-der-Flut-Tickets für die Therme in Bad Schandau zu reduzierten Preisen angeboten. Ist das ein Fingerzeig, dass sich beide Vertragspartner doch einig geworden sind?

Unabhängig davon wird in dem Haus jetzt kräftig gebaut. Das ist für jedermann sichtbar, denn das Außenbecken hat ein Dach bekommen – vorübergehend. Das soll Reparaturarbeiten an den Fliesen auch bei niedrigen Temperaturen ermöglichen. Als Nächstes wird dann neue Klima- und Lüftungstechnik eingebaut. Die alte Technik im Keller wurde im Juni geflutet und war danach unbrauchbar.

Der Wiederaufbau der Toskana Therme in Bad Schandau schlägt mit 6,3 Millionen Euro zu Buche. Etwa vier Millionen Euro davon sind über die Versicherung gedeckt. Der Landkreis hat insgesamt 77 Hochwasserschäden aus dem Jahr 2013 an seinen Immobilien und Anlagen zu beseitigen. Das kostet rund 30 Millionen Euro.