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Rätselraten um ehemaligen Realmarkt

Nur einige Stadträte wissen, was der Investor plant. Es geht wohl um ein Einkaufszentrum – alles andere ist noch geheim.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Annett Heyse

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Freital. Eine Seitentür ist offen. Drinnen brennt Licht. Davor stehen Autos mit polnischen Kennzeichen und ein Kleintransporter, allerdings ohne Werbung oder Firmenaufschrift. Auf dem Parkdeck sind Bauarbeiter unterwegs – am ehemaligen Real-Markt in Freital tut sich etwas. Nur was?

„Chef ist unten“, sagt einer der Männer vom Parkplatz in gebrochenem Deutsch. Aus der Halle kommen Arbeiter in Schutzoveralls. Sie schleppen Reinigungsmaschinen zu einem der Transporter. Daneben steht ein Sperrmüllcontainer, in dem herausgebrochene Zwischenwände lagern. „Wir sind hier mit Aufräumarbeiten beschäftigt“, erzählt ein Vorarbeiter, der aber auch nicht der Chef ist. Der komme nur dienstags zu Bauberatungen. Was aus dem Realmarkt mal werden soll, weiß der Vorarbeiter auch nicht. „Wir machen jetzt Fußböden und Wände der Halle sauber“, erklärt er. In den Tagen zuvor haben seine Leute schon den gesamten Wildwuchs um Halle und Parkplatz entfernt.

Seit im Herbst vorigen Jahres bekanntwurde, dass der ehemalige Supermarkt einen neuen Besitzer hat, ist viel spekuliert worden. Die Stadt hat sich bisher nicht zu den Zukunftsaussichten für die Immobilie geäußert. Man habe Stillschweigen mit dem Investor vereinbart, heißt es lediglich aus dem Rathaus. Nicht einmal den Namen des neuen Eigentümers wollte das Rathaus mitteilen.

Der- oder diejenige stellten sich bereits im November dem Bau- und Umweltausschuss des Stadtrates vor und präsentierten ihr Projekt. Die Räte sollen begeistert gewesen sein, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Dem Vernehmen nach soll der ehemalige Real-Markt weiterhin ein Einzelhandelsstandort bleiben. Gerüchtehalber geht es um eine Art Erlebnis-Einkaufswelt mit Indoorspielplatz. Eine Eröffnung sei noch in diesem Jahr geplant. Die Stadt möchte den Inhalt der Gerüchte weder bestätigen noch dementieren. „Wir freuen uns auf jeden Fall, dass dort etwas passiert und der Verfall des Gebäudes gestoppt wird“, teilt Freitals Pressesprecher Matthias Weigel lediglich mit. Die Freitaler bewegt schon lange, was aus dem Real werden soll. Seitdem der Supermarkt 2010 schloss, steht das Gebäude leer. Zuletzt gehörte es einer Vermögensverwaltung, die die Immobilie jedoch nicht weiter entwickeln konnte. So verkam der Realmarkt immer mehr und wurde zudem immer wieder das Ziel von Vandalen. Als Ende 2015/Anfang 2016 Gerüchte aufkamen, der Landkreis wolle in dem Haus Flüchtlinge unterbringen, schwelte kurz darauf ein Feuer im Gebäude.

Dass sich nun erstmals seit fast acht Jahren tatsächlich etwas tut, erregt die Aufmerksamkeit vieler Freitaler. Im Internet, speziell bei Facebook, wird angeregt darüber diskutiert, um was es geht. Viele wünschen sich dabei, dass im ehemaligen Realmarkt wieder Handel betrieben wird – vor allem viele Burgker. Sie hatten früher mit dem Realmarkt ein riesiges Angebot direkt vor der Haustür und müssen heute bis zum nächsten Geschäft weite Wege in Kauf nehmen. Sollte es wirklich eine Erlebnis-Einkaufswelt werden, bleibt abzuwarten, was genau verkauft wird.