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Rätselraten um ein Kunstwerk

Der Maler Erhard Gassan hat für die Bautzener Einsteinschule ein Ölgemälde geschaffen. Doch wo ist es abgeblieben?

© Uwe Soeder

Von Madeleine Arndt

Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Den Namen eines Genies trug die 13. POS in Gesundbrunnen. Nach dem Physiker Albert Einstein wurde sie benannt, der mit seinen Theorien über Materie, Raum, Zeit und Gravitation das physikalische Weltbild revolutioniert hatte. Ein Kunstwerk im Eingangsbereich der Schule versinnbildlichte Einsteins Theorie. Gemalt wurde es höchstwahrscheinlich Ende der 70er Jahre, als auch die Schule erbaut und eingeweiht wurde. Geschaffen hat es der für die Oberlausitz bedeutende Kunstmaler Erhard Gassan. Mehr als zwei Jahrzehnte lang gehörte das großformatige Ölgemälde ganz selbstverständlich zum Inventar der Bildungseinrichtung. Mit der Schließung des Einstein-Gymnasiums im Jahr 2002 geriet das Bild in Vergessenheit. Jetzt wird der Abriss des Schulblocks vorbereitet. Dabei hat sich gezeigt: Das Gassan-Bild ist nicht mehr da. Auch Recherchen in der Stadtverwaltung, im Stadtarchiv und im Museum Bautzen blieben erfolglos. „Das Bild ist verschwunden“, berichtet Stadtsprecher André Wucht. „Offensichtlich hat das jemand für sich archiviert.“

Eine der letzten Spuren: Auf diesem Klassenfoto aus dem Jahr 1992 ist das Ölgemälde von Erhard Gassan im Hintergrund zu sehen.
Eine der letzten Spuren: Auf diesem Klassenfoto aus dem Jahr 1992 ist das Ölgemälde von Erhard Gassan im Hintergrund zu sehen. © Robert Michalk

Der ehemalige Schulsportlehrer Bernd Fritzsche kann sich noch gut an die kräftigen Farben und geometrischen Formen auf dem Ölbild erinnern. „Es war ein sehr buntes, abstraktes Bild. Es sollte künstlerisch einen Gedanken Einsteins zum Ausdruck bringen“, berichtet der Rentner. Nämlich, dass Licht durch Masse abgelenkt wird. Auch der Maler Michael Förster vom Oberlausitzer Kunstverein weiß von dem Gassan-Bild, das in der Einstein-Schule hing. „Auf dem Bild war die Erkenntnis dargestellt, dass die Sonne den Lichtstrahl eines fernen Sternes aufgrund ihrer Gravitation von der Geradlinigkeit ablenkt“, erklärt er. Ein Auge blickt dabei zu einem Stern, man sieht einen geraden und einen von der Sonne abgelenkten Strahl. Förster hatte zu Gassans Lebzeiten Fotos des Gemäldes bei dem Künstler gesehen, berichtet er.

Eigentlich müsste die Stadt Bescheid wissen

Das Verschwinden des Werks ist ärgerlich: Ein richtig schönes großes Ölgemälde sei es gewesen, schwärmt Henning von Wolffersdorff, der viele Jahre in der POS gearbeitet hatte, noch heute davon. „Ich habe bei der Auflösung der Schule darauf hingewiesen, dass die Stadt das Bild sicherstellen soll, damit es nicht versehentlich in den Bauramsch kommt“, sagt der 79-Jährige. Henning von Wolffersdorff war von Anfang an in der Schule tätig gewesen, darunter neun Jahre als Direktor. Eigentlich müsste die Stadtverwaltung über den Verbleib des Bildes Bescheid wissen, ist er sich sicher. Doch dort zeigt man sich ratlos.

Erhard Gassan wurde 1930 in Bautzen geboren. 1978 zog er von Bautzen nach Plotzen bei Hochkirch, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 2005 lebte und arbeitete. Bereits seit 1967 war Gassan als freischaffender Maler und Grafiker tätig. Er arbeitete mit Öl, Acryl, Gouache und Aquarell, schuf Grafiken in den Techniken des Holzschnitts und Linolschnitts. Auch leitete er viele Jahre verschiedene künstlerische Zirkel in der Bautzener Umgebung. „Ein wesentlicher Wesenszug als Künstler kennzeichnete sein inniges Verhältnis zur Lausitzer Landschaft. Darin liegt auch seine Bedeutung für die lokale und regionale Lausitzer Malerei“, erklärt Ophelia Rehor, Kunstverständige des Museums Bautzen. Gassans beliebtes Motiv war die Lausitzer Landschaft und der Mensch darin.