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Rätselraten um Glaubitzer Open Air

Der Gemeinderat hat das Waldbadfest abgesagt. Doch die Veranstalter des hiesigen Punkrock-Festivals halten sich damit noch zurück. Warum?

Bunt und schrill sind die Frisuren mancher Konzertbesucher, die jährlich zum Punkrock-Festival nach Glaubitz kommen.
Bunt und schrill sind die Frisuren mancher Konzertbesucher, die jährlich zum Punkrock-Festival nach Glaubitz kommen. © Sebastian Schultz

Glaubitz. Das Punkrock-Open-Air "Back to Future" im Juli und das Waldbadfest am ersten Augustwochenende sind traditionell die beiden größten Veranstaltungen im Jahreskalender der Gemeinde Glaubitz. Doch die Corona-Krise geht an ihnen nicht spurlos vorbei. Denn beide ziehen bei schönem Sommerwetter mehr als 1.000 Besucher an. Entsprechend einer Vereinbarung zwischen Bund und Ländern sollen aber alle Großveranstaltungen bis Ende August untersagt werden. Die Besucherzahl 1.000 wird in diesem Zusammenhang immer wieder genannt.

Aus diesem Grund hat der Glaubitzer Gemeinderat am Montag eine Entscheidung getroffen. "Das Badfest muss abgesagt werden", verkündete Bürgermeister Lutz Thiemig. Anfang der Woche sei ein entsprechendes Schreiben des Freistaates Sachsen in der Gemeindeverwaltung eingegangen, in dem explizit Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern bis 31. August verboten werden. "Da haben wir keine Chance", so Thiemig. 

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Der Bürgermeister erkundigte sich bei Vertretern des Kulturvereins, der das Badfest organisiert, ob denn Schadensersatzforderungen von bereits gebuchten Bands, Getränkelieferanten oder Schaustellern anstehen. Dann wolle die Gemeinde dem Verein finanziell unter die Arme greifen. Aber der Kulturverein geht nicht davon aus, schließlich handele sich bei so einer Verfügung um höhere Gewalt. 

Vom Punkrock-Festival "Back to Future" sprach niemand in der Gemeinderatssitzung. Dabei zieht es jährlich deutlich mehr als nur 1.000 Musikfans aus Nah und Fern auf den Reitsportplatz an der B 98.

Ausgelassen feiern steht auf dem Programm des "Back to Future" Open Airs. Manch einer traut sich dabei, von der Bühne zu springen, um von den Konzertbesuchern getragen zu werden.
Ausgelassen feiern steht auf dem Programm des "Back to Future" Open Airs. Manch einer traut sich dabei, von der Bühne zu springen, um von den Konzertbesuchern getragen zu werden. © Sebastian Schultz

Der Verein für Kunst & Kultur im ländlichen Raum - Glaubitz e. V., der das Open Air seit ein paar Jahren veranstaltet, hat das dreitägige Festival bisher noch nicht abgesagt. Auf der Internetseite wird allerdings schon für das "Back to Future" im kommenden Jahr geworben und mit dem 22. bis 24. Juli 2021 bereits ein Termin genannt. Und auch die Fans gehen von einer Absage aus. Auf der Facebookseite äußern sich viele, wie schade sie es finden, dass es in diesem Jahr kein Glaubitz Open Air gibt. Einige verzichten sogar auf die Rückerstattung der im Vorverkauf erworbenen Eintrittskarten, um den Verein und damit ihr "Lieblingsfestival" zu unterstützen. "Das ist in dieser Musikszene durchaus üblich", sagt Vereinsvorsitzender Ralf Tammer. 

Er weiß nicht so richtig, ob er sich über diese Unterstützungsangebote der Fans freuen soll oder nicht. Denn bisher habe der Verein das Punkrock-Festival, auf dem jedes Jahr rund 30 Bands aus ganz Europa und auch aus Übersee auftreten, noch nicht abgesagt. Tammer verweist auf die neue Sächsische Corona-Schutz-Verordnung vom 17. April 2020. Darin stehe nichts, ab wie viel Besucher eine Veranstaltung als Großveranstaltung gilt. Auch die Zahl 1.000 findet sich nicht darin. "So lange wir das aber nicht Schwarz auf Weiß haben, können wir das Open Air nicht absagen", so Tammer. 

Denn auch er befürchtet Schadensausgleichsforderungen der Bands. "Wir haben keine eigene Rechtsabteilung wie beim Wacken Open Air, die uns da rausholt", sagt Tammer. Das weltweit größte Hardrock-Festival in Wacken hatte kurz nach Bekanntwerden der Bund-Länder-Einigung für weitere Corona-Maßnahmen seine diesjährige Veranstaltung abgesagt. Zu ihm pilgern jedes Jahr 75.000 Konzertbesucher.    

Kleine Festivals bangen um ihre Existenz

Viele kleinere Open Airs, wie das in Glaubitz, bangen nun um ihre Existenz. Laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen fordert die Veranstaltungsbranche von der Politik Klarheit zum weiteren Vorgehen bei Konzerten und anderen Veranstaltungen. Bisher sei nur in Ausnahmefällen klar, was seitens der Bundesländer als Großveranstaltung betrachtet werde, kritisiert der geschäftsführende Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungsbesucher (BDKV), Jens Michow. Er bittet alle Landesregierungen nachdrücklich um klare Vorgaben. „Nur so wird es möglich sein, weitere Schäden auf Seiten aller Veranstaltungsbeteiligten zu vermeiden.“

Nach BDKV-Angaben wurden alle großen Sommerfestivals und auch viele andere Veranstaltungen bereits abgesagt. „Wir müssen aber dringend erfahren, welche der vielen kleineren Veranstaltungen, die für die kommenden Monaten bereits seit langem geplant sind, stattfinden dürfen und welche Hygiene-Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen“, erklärt Michow. Künstlern und Karteninhabern sei nicht zuzumuten, erst kurz vorher zu erfahren, ob etwas stattfinde oder nicht.

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