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Bautzen

Rätselraten vor dem Bahnhof

Ein Bautzener ärgert sich, dass in der Stadt nicht genug für Touristen getan wird. Vor allem an dem Ort, wo viele Besucher ankommen, mangelt es ihm an so einigem.

Touristen, die in Bautzen am Bahnhof ankommen, müssen auf einen Stadtplan gucken – an Wegweisern zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten mangelt es.
Touristen, die in Bautzen am Bahnhof ankommen, müssen auf einen Stadtplan gucken – an Wegweisern zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten mangelt es. © Symbolfoto: Steffen Unger

Bautzen. Rollkoffer klappern im Hintergrund über die Steine am Bautzener Bahnhof. Andreas Kelz steht zwischen den ankommenden Pendlern, Wartenden und Ausflüglern mit Fahrrädern. Er hebt die Arme und bewegt seine Hände, als würden sie etwas greifen und dann mit einem Ruck vom Boden hochheben. Dann sagt er: „Stellen Sie sich vor, ich wäre Tourist und würde zwei schwere Koffer tragen. Dann wäre ich hier ganz schön aufgeschmissen.“ Nicht nur, dass der Fahrstuhl mal wieder kaputt ist. Auch das stört Andreas Kelz. Worauf er hinaus möchte, ist aber etwas anderes. Der 54-Jährige zeigt von links nach rechts am Bauzaun vor dem Bahnhofsgebäude entlang. „Wie komme ich zum Taxi? Und wie zum Bus? Hier steht nichts!“, ärgert er sich. Mit zwei schweren Koffern ist das Gesuchte gleich doppelt nervig. Andreas Kelz findet: Dem Bautzener Bahnhof mangelt es an Wegweisern und Hinweisschildern, vor allem für Touristen.

Tatsächlich: Weit hinten, hinter dem Bauzaun, lässt sich ein Schild erahnen, das zeigt, wo ein Ausgang ist. Wie die Leute, die sich in Bautzen nicht auskennen, den Steig verlassen können, wo das Bahnhofsgebäude doch gesperrt ist – das ist mit ein bisschen Suchen also geklärt. Doch knifflig wird es vor allem für ältere Menschen, sorgt sich Andreas Kelz. Für diejenigen, die weniger fit mit dem Smartphone sind.

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Nicht mal Werbung fürs Kornmarkt-Center

Kelz zählt auf: „Wie komme ich zu den Bautzener Hotels? Wo finde ich Sehenswürdigkeiten wie den Dom, die Ortenburg? Wenn ich Bautzen nicht kenne, weiß ich das nicht – und ich bekomme am Bahnhof auch keinerlei Hinweise.“ Ähnlich verhält es sich mit dem Saurierpark, dem Klettergarten, dem Stausee. Auf einem der Gleise hängt Werbung für ein Einkaufszentrum in Dresden – Informationen zum Bautzener Kornmarkt-Center hingegen sind nicht zu finden. Auch in der Bahnhofsunterführung sieht es nicht besser aus. Dort leuchten ein paar Aushängekästen. Geworben wird für den Görlitzer Tierpark, auch der Liniennetzplan des VVO hängt dort. Was aber ist mit Hinweisen, was Touristen in Bautzen alles erleben können? „Immerhin gibt es ein Schild, das auf die Gedenkstätte hinweist – aber das reicht doch nicht“, findet Andreas Kelz.

Auch Stadtpläne fehlen ihm. Nach langem Suchen entdeckt er tatsächlich einen vor dem Bahnhofsgebäude – doch um den zu finden, muss sich ein Betrachter direkt vor den Bauzaun stellen – von der Straße aus ist da nur ein leeres Plakat zu sehen. Es bräuchte mehr dieser Pläne und an Stellen, an denen man sie auch findet, fordert der Bautzener deshalb. Er wünscht sich Hinweise, wo die Busse fahren – und dass auf diesen auch zu erkennen ist, welche Linie zum Saurierpark oder zum Stausee fährt. Kelz erzählt die Geschichte einer Dame, die er vor Kurzem am Bahnhof traf. „Sie ließ sich lieber von der Tochter nach Hause ins Chile-Viertel abholen“, erzählt er, „das mit den Bussen war ihr zu kompliziert“. In solchen Fällen, ärgert er sich, wird der Mangel an Schildern auch ein Umweltthema.

Nach Bauarbeiten soll sich die Situation verbessern

Dieser Mangel an Schildern, der zieht sich seiner Meinung nach durch die ganze Stadt. An Straßeneinmündungen fehlen ihm Wegweiser, auch der Weg zum Spreeradweg ist ihm zu schlecht ausgeschildert. „Andere Städte können das besser“, findet er, „am Görlitzer Bahnhof findet man viele Hinweise.“ Er fragt sich: „Will die Stadt die Kaufkraft gar nicht herlocken? Wollen wir die Touristen nicht hier haben?“

Die Stadt hält dagegen und verweist auf das Fußgängerleitsystem in der Stadt. Insgesamt 25 Säulen sollen Touristen die Orientierung erleichtern. Laura Ziegler vom Presseamt der Stadt spricht zudem den Stadtplan vor dem Bahnhof an. „Leider ist dieser wegen der Bauarbeiten zurzeit kaum einsehbar“, lenkt sie zwar selber ein. Doch ein Ende sei in Sicht: „ Die Situation wird sich nach Abschluss der Bauarbeiten am Bahnhof deutlich verbessern.“ Dann sei auch ein Service-Point geplant, bei dem Bahnreisende alle notwendigen Informationen vorfinden können.

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