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So lief Karaseks letzter Überfall

Der Räuber hat sich von seiner Bande überreden lassen, nahe seines Quartiers in Neuwalde einzubrechen. Das wurde ihm im August 1800 zum Verhängnis.

Karasek (1764-1809) trat oft vornehm wie ein Jagdherr auf, gekleidet im grünen Rock und in weißen Hosen mit schwarzen Stiefeln, auf dem Kopf den Dreispitz.
Karasek (1764-1809) trat oft vornehm wie ein Jagdherr auf, gekleidet im grünen Rock und in weißen Hosen mit schwarzen Stiefeln, auf dem Kopf den Dreispitz. © Sammlung D. Eichhorn

Von Dietmar Eichhorn

Aus Prinzip hatte Räuberhauptmann Karasek einen Einbruch im Oberleutersdorfer Rittergut, also in unmittelbarer Nähe seines Quartiers, der Kreibichschenke in Neuwalde, immer ausgeschlossen. Doch als man im Juli des Jahres 1800 nach Einbrüchen in Eulowitz, Friedland und Hainewalde übermütig wurde, fiel auch dieser Grundsatz, Karasek ließ sich von seiner Bande überreden.

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Zuvor wurde alles ausgekundschaftet. Bandenmitglied Johann Gottlieb Keller fiel dabei eine besondere Aufgabe zu. Er übernahm einen freigewordenen Nachtwächterposten auf Ortsrichter Johann Gottfried Glathes Rittergut in Oberleutersdorf. Glathe war als Leinewandhändler zu Vermögen gekommen. Keller kundschaftete die Einrichtung des Gebäudes und den Aufbewahrungsort des Geldes aus. Dr. M. Zesch beschrieb 1905 den letzten dreisten Überfall so: „Keller ließ um Mitternacht die aus 20 Mann bestehende Bande ein und war einer der ersten, der den Besitzer überfiel und ihn knebelte“. Die resolute Tochter Glathes (22) verständigte anderen Tags den Besitzer der Nachbargüter, Joh. Chr. Wilh. Schöbel. Der bat nun die Dragonerabteilung in Hainewalde um Hilfe. 

Leutnant Zirkel kam sofort mit 20 Mann nach Oberleutersdorf. Außerdem setzte Schöbel ein Protokoll des Überfalls auf, das über einen Advokaten nach Bautzen an den Oberamtsverwalter des Markgraftums Oberlausitz, von Schönberg, ging. „Ich höre, dass die Spitzbuben Herrn Glathe letzten Abend um 1 Uhr herum sein ganzes Vermögen gestohlen haben, ich bin selbst dort gewesen heute Früh, es sah ganz traurig aus“, schrieb Schöbel. Weiter berichtete Schöbel, dass Glathe schreien wollte. Doch schon beim ersten Schrei hätten die Räuber die Tür eingetreten, das Opfer gebunden, auf eine Lade geworfen „und dann alle Kästel erbrochen“. In einem sei lauter Gold gewesen, Glathe wisse allerdings nicht, wie viel. Die Diebe hätten alle ihre Gesichter geschwärzt. Ungefähr 30 vereinzelte Taler führten auf eine Spur, „die Spur geht nach Böhmen, wohl in die armen Häuser zu“, protokollierte Schöbel das Geschehen vom 1. August 1800 weiter. Die Beute in Oberleutersdorf soll aus fast 8.000 Talern bestanden haben, wobei die Angaben variieren.

Beim Schneider versteckt

Bald darauf wurde der 35-jährige Karasek in Seifhennersdorf in Haft genommen. Dorthin war er geflüchtet, um sich beim Schneider Löhnert zu verstecken, der ihm seit Jahren Röcke und Beinkleider nähte. Ein Seifhennersdorfer Amtsmann berichtete, dass man eine verdächtige Person, den Prager Hansel (in Wirklichkeit Karasek), letzten Abend habe hier herumlaufen sehen. Es wären viele Leute mit Gewehren zur Visitation in der Stille aufgeboten worden. Dragoner und bewaffnete hiesige Bauern (deren Beteiligung zur Suche von Kriminellen üblich und per Mandat verpflichtend war), machten Karasek dingfest. Zunächst wurde er im Oberkretscham Oberleutersdorf eingesperrt. „Tags über war er nur im Hof hinter einem Lattenverschlag verwahrt. Kinder bewarfen ihn mit Steinchen, Bohnen, Erbsen“, berichtete ein Chronist. Dabei sollen sogar 100 Taler „Besichtigungseinnahmen“ erzielt worden sein.

Karaseks Überführung in die Ortenburg nach Bautzen erfolgte am 8. August 1800. Nachdem man ihm 24 Einbrüche und Raubüberfälle nachgewiesen hatte, wurde er im September 1801 „zum Tode durch Rädern“ verurteilt. Nach Einspruch lautete das zweite Urteil im Mai 1803 „zum Tode durch den Strang“, das schließlich nach einem Gnadengesuch in lebenslange Festungshaft in Dresden abgemildert wurde. Nach Fluchtversuchen, Einzelhaft und schließlich Ankettung bei Wasser und Brot verstarb Johannes Karasek krank und geschwächt am 14. September 1809 fast fünfundvierzigjährig.

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