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Räuberpistole entzaubert

Die Anklage klingt nach einem massiven Übergriff, doch der Geschädigte hat wohl etwas übertrieben.

Von Alexander Schneider

Freiheitsberaubung, gefährliche Körperverletzung, Nötigung in einem schweren Fall – das hat die Staatsanwaltschaft drei Männern vorgeworfen, die im Dezember 2013 einen Mann überfallen haben sollen. Im Prozess am Amtsgericht Dresden jedoch kamen Zweifel an den Schilderungen des mutmaßlichen Opfers auf – verteidigen konnte sich der Mann nicht. Er ist angeblich wegen eines schweren Verkehrsunfalls für Wochen krank und nicht verhandlungsfähig. Es ging auch ohne ihn.

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Die Anklage ist starker Tobak. Samy G., ein ägyptischer Geschäftsmann, war zu jener Zeit in Dresden, um Traktoren für das Land am Nil zu kaufen. G. war Beifahrer in einem Auto, das irgendwo in Dresden stoppte. Plötzlich seien zwei weitere Autos hinzugekommen. Mehrere Männer sollen G. aus dem Wagen gezerrt und in einen VW Passat gezwungen haben.

Dort sei der Mann mit einer Pistole geschlagen und bedroht worden. Anschließend seien die Männer mit G. auf das Gelände eines Autohandels gefahren, wo er geschlagen worden sei. Man habe ihm 20 345 Euro abgenommen und gezwungen, verschiedene Dokumente zu unterzeichnen. Einen Tag später, angeblich war G. noch immer in der Gewalt der Täter, hätten sie ihn zum Flughafen nach Prag gefahren und aufgefordert, die nächste Maschine nach Rom zu nehmen.

Stattdessen sei G. jedoch zurückgekehrt und habe die Männer angezeigt. Kein Spaß: Autohändler Mohamed H. (45), Amanullahjon J. (44) und Amanoiel I. (41) saßen drei Monate in Untersuchungshaft und kamen erst nach Zahlung einer Kaution wieder auf freien Fuß. Unterdessen ermittelten Polizei und Staatsanwaltschaft in dieser Räuberpistole, die sich jedoch so nicht halten ließ.

Nun, ein gutes Jahr danach, hat sich manches, was Samy G. den Beamten berichtet hatte, offenbar als zumindest widersprüchlich herausgestellt. So erschienen etwa die auf den Polizeifotos dokumentierten Verletzungen G.s dem Schöffengericht des Vorsitzenden Richters Ralf Schamber als übertrieben. Auch von der Pistole war gestern keine Rede mehr. Nachdem Staatsanwalt Andreas Riedemann die Anklage verlesen hatte, verschwand er mit dem Gericht und den Verteidigern für einige Zeit im Nebenzimmer. Dort diskutierten sie die wohl traurige Beweislage und die merkwürdigen Aussagen Samy G.s.

Das Ergebnis war ein Deal, falls die Angeklagten Geständnisse ablegen: H. und der mehrfach vorbestrafte J. erhalten je eine Strafe von je 15 Monaten auf Bewährung. I. bekommt wegen Beihilfe sechs Monate auf Bewährung, er hatte das Auto gefahren, in dem G. vor dem Überfall saß. Die Angeklagten räumten einen Teil der Vorwürfe ein.

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