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Raffgierige Raupen

Bäume sollen den Truppenübungsplatz eigentlich vor Blicken und Lärm abschirmen. Doch ein Falter bereitet Probleme.

© dpa

Von Alexander Kempf

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Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Der Gegner ist klein, sehr hungrig und vermehrt sich rasend schnell. Zielstrebig rückt er in die Baumkronen vor und frisst diese kahl. Die Raupen des Nachtfalters Nonne sind alles andere als enthaltsam. Ihr Appetit wird für den Bundesforst mehr und mehr zum Problem. Denn die Raupen ernähren sich „sehr verschwenderisch und intensiv“, erzählt Forstdirektor Franz Graf von Plettenberg auf dem diesjährigen Neujahrsempfang des Truppenübungsplatzes Oberlausitz.

Anhand von Bildern und Karten veranschaulicht der Leiter des Bundesforstbetriebs Lausitz das Problem. Die raffgierigen Raupen machen aus einer grünen Kiefer sehr schnell eine graue. Farbliche Kreise verdeutlichen, wie hoch der Nadelverlust in einigen Bereichen zwischen der Bahnlinie Görlitz-Weißwasser und der Bundesstraße 115 schon ist. Die Flächen, wo mehr als 90 Prozent der Nadeln fehlen, sind innerhalb eines Jahres deutlich größer geworden. Gleiches gilt für die Gebiete, wo immerhin bis zu 50 Prozent der Nadeln von den Raupen gefressen worden sind.

Der Nachtfalter ist zweifelsohne auf dem Vormarsch. Um die Dramatik zu erkennen, brauche es keinen geschulten Blick, erläutert Franz Graf von Plettenberg. Wer in den vergangenen beiden Sommern im Wald unterwegs gewesen ist, dem sind die „Schmetterlingswolken“ vermutlich aufgefallen. In den Medien hingegen ist das Thema bisher kaum aufgetaucht. Denn anders als die Raupenhaare des Eichenprozessionsspinners stellt der Nachwuchs der Nonne keine Gefahr für den Menschen dar.

Doch an kahlen Wäldern haben weder das Militär noch dessen Nachbarn ein Interesse. Schließlich sollen die Bäume beide Seiten voneinander abschirmen. Eine Option wäre der direkte Angriff, erläutert der Forstdirektor. Doch von einem Einsatz chemischer und biologischer Mittel sehen die Förster bisher ab. Denn die sogenannten Fraßgifte würden zu erheblichen Kollateralschäden führen. „Man weiß, dass die Chemiekeule nicht nur die Raupe, sondern auch andere tötet“, sagt Franz Graf von Plettenberg. In Abstimmung mit Kreisforstamt, Truppenübungsplatz und Vattenfall halte man deshalb bisher still.

„Wir sind guter Hoffnung, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen“, erläutert Franz Graf von Plettenberg die Strategie des Bundesforstbetriebs. Denn es werden zwar Bäume absterben, aber von großflächigen Schäden geht er derzeit nicht aus. Denn auch eine Kiefer, die zu 90 Prozent geschädigt ist, könne sich noch regenerieren. In jedem Fall werden die Raupen, die im Mai auf den Kiefern schlüpfen, kritisch beäugt werden.

Vor gut zehn Jahren hat die Nonne dem Bundesforstbetrieb schon einmal Sorgen bereitet, erzählt der Forstdirektor. Überpopulationen kommen in der Natur immer wieder vor. Und oft regele sich das Problem von ganz alleine. Den Wald mitgestalten wollen Franz Graf von Plettenberg und seine Männer dennoch. Sie schaffen beispielsweise gezielt Gassen, in denen kleinere Bäume wachsen können, damit der Wald mehrschichtiger und somit dichter wird. Leider sei die Kiefer für dieses Unterfangen der ungünstigste Baum, so der Forstdirektor. Denn von Natur aus sterben die Nadeln im unteren Bereich schnell ab.

Bäume mit solchen langen und astfreien Stämmen wünscht sich naturgemäß die Holzwirtschaft, nicht aber das Militär, das sich hinter den Bäumen vor zivilen Blicken schützen will. Ein dichter Wald schützt aber nicht nur vor Blicken, sondern auch vor Lärm und Staub.

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