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Ralf Hänsel zum CDU-Landratskandidaten gewählt

Das Ergebnis der Abstimmung war dann doch recht knapp. Zur Wahl standen zwei sehr unterschiedliche Konzepte für den Landkreis Meißen.

Nur einer konnte gewinnen: Ralf Hänsel (l.)und Sebastian Fischer. Der Unterlegene rief die Mitglieder nach der Wahl zur Geschlossenheit auf.
Nur einer konnte gewinnen: Ralf Hänsel (l.)und Sebastian Fischer. Der Unterlegene rief die Mitglieder nach der Wahl zur Geschlossenheit auf. © Arvid Müller

Weinböhla. Die Stühle reichten nicht. Es waren genau 100 mit exakten 1.50 Meter Abstand pro Paar aufgestellt worden. Das füllte den großen Saal des Zentralgasthofes in Weinböhla am Freitagabend vollständig aus. Zum Glück gab es noch Plätze auf dem Balkon. 185 Wahlberechtigte waren gekommen. Der ungewöhnlich große Andrang hatte einen wichtigen Grund: Die Meißner Kreis-CDU entschied sich für einen Kandidaten für die Landratswahl im Herbst.

Zur Wahl standen CDU-Kreisvorsitzender Sebastian Fischer und der Zeithainer Bürgermeister Ralf Hänsel (beide im Anzug). Das Votum der CDU-Mitglieder (gewählt wurde in einer Wahlkabine) fiel dann doch recht knapp aus. Versammlungsleiter Matthias Rößler, der sächsische Landtagspräsident, konnte es gegen 20.10 Uhr verkünden: Ralf Hänsel gewinnt gegen Sebastian Fischer mit 104 zu 79 Stimmen. Eine Stimme war ungültig.

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„Vielen Dank für das Vertrauen“, rief Hänsel nach seiner Wahl den Delegierten zu. „Ich will versuchen, uns zu einen auf dem Weg zum Wahlsieg bei der Landratswahl.“

Zuvor hatte sich der CDU-Landtagsfraktionschef Christian Hartmann beim amtierenden und scheidenden Landrat Arndt Steinbach bedankt. „Ein Mann, der sich hat nie verbiegen lassen.“

In zehnminütigen Ansprachen versuchten beide Kandidaten danach, die Delegierten für sich zu begeistern. Zuerst durfte Sebastian Fischer (38) sprechen. Bei einem Münzwurf des Versammlungsleiters hatte er Wappen gewählt und gewonnen. Er stellte seinen Blick von außen auf die Verwaltung als Vorteil für einen Bürger-Landrat dar. Zudem benötige der Landkreis mehr Vernetzung nach Dresden, Berlin und Brüssel. Der Landrat sollte auch digitaler werden und in sozialen Netzwerken präsent sein.

Ralf Hänsel (49) nutzte seine Redezeit für eine Anekdote. Haushaltsberatung in Zeithain. In der Fraktion, aber es waren auch Bürger anwesend, was ungewöhnlich ist für derartige Fachgespräche. Hänsel sieht darin Beteiligung, Transparenz und Offenheit. Nur so schafft die Politik Vertrauen, sagte er. Speziell ging er auf die Elblandkliniken und die medizinische Versorgung ein, für ihn ein wichtiges Thema. Er wollte noch viel mehr sagen, doch der Versammlungsleiter bestand auf der Redezeit von zehn Minuten. In der anschließenden Fragerunde hatten beide Kandidaten die Möglichkeit, ihre Pläne für ein modernes Landratsamt, für Kunst und Kultur oder für den Bürokratieabbau vorzustellen. Der Beifall verteilte sich auf beide Kandidaten, wobei Fischer dynamischer herüber kam.


Faire Gratulation
Faire Gratulation © Arvid Müller
Glückwunsch vom Landrat.
Glückwunsch vom Landrat. © Arvid Müller
Blick in den Saal.
Blick in den Saal. © Arvid Müller

Hänsel speziell muss noch einmal erklären, wie er damit umgeht, dass er nicht CDU-Mitglied ist. Er musste deswegen parteiinterne Kritik aushalten. Jetzt den Kritikern entgegenzukommen und schnell noch in die CDU einzutreten, wäre aber unehrlich, sagte er bereits diese Woche in einem Interview mit der Sächsischen Zeitung.

Fischer wurde zu seinem Beruf Koch befragt. Genügt diese Qualifikation, um das Amt auszufüllen? Fischer sagte, ja, er traue es sich zu. Beide erläuterten Konzepte in der Auseinandersetzung mit der AfD.

Der Wahlsieger Ralf Hänsel ist seit acht Jahren parteiloser Bürgermeister von Zeithain. Er war zuvor Amtsleiter im Landratsamt und bringt alle erforderlichen Qualifikationen für den Landrats-Job mit.

Der Ausgang des Zweikampfes blieb bis zuletzt offen. Das lag vor allem am Kampfgeist von Hänsels internen Kontrahenten Sebastian Fischer, er hat trotz etwas ungünstiger Prognose nicht aufgegeben. Kurz vor dem Nominierungsparteitag verteilte er einen offenen Brief an alle CDU-Mitglieder des Landkreises, in dem er vor allem auf die oft geäußerte Kritik einging, ihm fehle die nötige Qualifikation. Vielmehr verwies Fischer auf seine langjährigen politischen Erfahrungen.

Die Niederlage von Sebastian Fischer ist ein schwerer Schlag für das Lager der jüngeren Parteimitglieder, zu dem auch die Landtagsabgeordnete Daniela Kuge gehört. Noch auf dem Wahlparteitag Ende vorigen Jahres löste die Gruppe der Jungen die Vertreter der alten Garde um den Landtagspräsidenten Matthias Rößler, Landrat Arndt Steinbach, Fraktionschef Ulrich Reusch und Ex-Justizminister Geert Mackenroth überraschend ab.

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