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Ralf lässt Haare verschwinden

Patent. Eine Familie aus Zeithain war einziger sächsischer Ausstellerbei der Erfinder-Messein Nürnberg. Sie brachte eine Medaille nach Hause.

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Von Thomas Riemer

Schuld am „Glück“ der Familie Stabnow in Zeithain sind die beiden Schäferhunde, die zum Haus gehören. „Überall sind immer deren Haare zu finden“, klagt Vater Karl-Heinz. „Wir haben alles probiert, sie wegzubekommen. Nichts half.“ Dann ein Versuch mit dem Radiergummi – er zeigte Wirkung. „Was ist so ähnlich und nutzt sich nicht ab?“ fragten sich Vater und Sohn Ralf.

Das Wichtigste ist die Arbeit

Das Tüfteln hat Erfolg gehabt. Mit dem „magischen Tierhaarentferner“ fuhren Stabnows Anfang November nach Nürnberg zur Erfinder-Messe. Ihre Weltneuheit schlug ein – sie bekamen eine Bronzemedaille. Ralf hat die Erfindung vom Patentinformationsamt deutschlandweit schützen lassen. Seit April montiert er die magischen Teile in der Garage auf dem elterlichen Grundstück. „Wir haben für den Jungen Arbeit geschaffen“, sagt Karl-Heinz Stabnow. Selbst voll berufstätig, knüpft er im Hintergrund ein paar Fäden. Das heißt vor allem: Das Produkt muss angepriesen werden. Bislang erfolgt dies überwiegend im Internet – und der Erfolg ist absehbar. „Im Durchschnitt haben wir pro Monat 150 Stück verkauft“, sagt Ralf nicht ohne Stolz. Auftritte bei „Einfach genial“ im MDR, aber auch bei der Haustier-Messe in Berlin haben in der Öffentlichkeit das Interesse zusätzlich wachsen lassen.

Einfache Handhabung

Die Handhabung des magischen Tierhaarentferners ist ganz einfach. Mit einem am Gerät installierten Kamm werden die Teppich- oder Deckenfasern „aufgeraut“ und die Haare freigesetzt. Eine Rolle aus silikonähnlichem Material „saugt“ sie dann auf. Dann mit dem Kamm zusammenfegen – sauber ist der Teppich. Längst gibt es die Neuheit in kleinerer und größerer Form oder als Staubsaugeraufsatz – einige auch ohne Kamm. Herzstück ist der „Sauger“ – und Karl-Heinz Stabnow bescheinigt dem Material „ewige Haltbarkeit“ und „völlig ungiftig“. Stolz ist er zudem, dass viele der Einzelteile – zum Beispiel die Kämme – aus dem Osten Deutschlands kommen.

Bei der Erfinder-Messe in Nürnberg waren Stabnows die einzigen Sachsen. „Das war ein zwiespältiges Gefühl – zwischen Freude und Enttäuschung“, sagt Karl-Heinz. Aber das liege möglicherweise daran, dass es in den Altbundesländern schon seit vielen Jahren so genannte Erfinderklubs gibt, die aus Mitglieds- und teilweise auch Fördergeldern schöpfen können. Für einen „freien Erfinder“ wie Ralf Stabnow ist es da als Einzelkämpfer schon etwas schwerer, komplett und allein zum Beispiel für die Standgebühren aufkommen zu müssen. Und der Blick in die Zeithainer Garage verrät: Dass der magische Tierhaarentferner hier gebaut werden kann, hat im Vorfeld auch einiges an Investitionen nötig gemacht.

Noch ist das Unternehmen ein Ein-Mann-Betrieb, werkelt und tüftelt Ralf allein. Sein Vater indes ist optimistisch, dass es dabei nicht bleibt. „Wenn die Nachfrage weiter steigt, müssten wir die Produktion steigern und könnten Arbeitsplätze schaffen“, sagt er. Eine größere Produktionsfläche in der Nachbarschaft haben sie schon im Blick.

Es wird weiter getüftelt

Und wie selbstverständlich soll der magische Tierhaarentferner nicht das letzte Wort des gelernten Malers Ralf Stabnow sein. Der 24-Jährige will weiter tüfteln. Eine rotierende Bürste gegen die manchmal lästigen Hundehaare auf Teppich und Sofa ist schon fest in der Planung des gelernten Malers und Lackierers. Vielleicht reicht es ja noch einmal für ein Patent.