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Ralph Kunze plant um

Der Magier wollte Görlitz beruflich verlassen. Weil die SZ darüber berichtete, kommt nun alles doch ganz anders.

Marc Winkler, Birgit Beltle und Ralph Kunze (v.l.) stehen vor dem Görlitzer Bahnhof. Drinnen planen sie Großes.
Marc Winkler, Birgit Beltle und Ralph Kunze (v.l.) stehen vor dem Görlitzer Bahnhof. Drinnen planen sie Großes. ©  Nikolai Schmidt

Als Marc Winkler am 19. Juli die Sächsische Zeitung aufschlug, war er erschrocken: Der Görlitzer Magier Ralph Kunze will die Stadt verlassen. Sein erster Gedanke: „Es ist nicht gut für Görlitz, wenn Künstler weggehen.“ Dann besann sich der Gitarrist darauf, dass er sich früher auch mal mit Zauberei beschäftigt hat und dass das bis heute eine heimliche Liebe geblieben ist. Also fasste der 39-Jährige einen Plan: Vielleicht könnte es ja doch irgendwie gelingen, Kunze in Görlitz zu halten? Vielleicht könnte er sogar etwas Gemeinsames mit dem Magier auf die Beine stellen, Zauberei und Musik verbinden?

Genau so wird es nun tatsächlich kommen. Kunze gefiel die Idee – und mit Birgit Beltle vom Ideenfluss-Verein fand sich spontan eine Görlitzerin, die den passenden Raum für die Symbiose aus Musik und Magie zur Verfügung stellt: Den frisch sanierten Gleis-1-Saal im Bahnhof. Der hat gerade eine größere Bühne erhalten, die mittig an der vom Eingang aus gesehen linken Wand steht. „Wir haben uns den Raum dann gemeinsam angesehen – und er war sofort stimmig“, sagt Marc Winkler. Auch Ralph Kunze gefiel der Saal. „Das, was wir vorhaben, wird direkt auf den Raum zugeschnitten“, sagt der 58-Jährige. Mit 80 Sitzplätzen habe er auch genau die richtige Größe. „Das ist die einzige Größe, bei der diese Art von Kunst transportierbar ist“, sagt Kunze: „Größer funktioniert es nicht.“ Von der Akustik her war der Raum allerdings schon immer etwas schwierig. „Ich hoffe, dass wir das gut hinkriegen“, sagt Birgit Beltle. Ein guter Techniker würde den Gleis-1-Saal aber erfahrungsgemäß in den Griff bekommen. Der Saal habe eine Seele, etwas Lebendiges, sagt Kunze: „Der Bahnhof ist ja wie ein Stadttor und der Raum ist so gestaltet, dass man da auch mal drei Stunden auf seinen Zug warten kann.“

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Bei der gemeinsamen Produktion mit dem Namen „Unwirklich & Saitentöne“ müssen die Besucher nicht drei Stunden warten, sondern werden einbezogen. Es soll auch nicht so sein, dass sie immer abwechselnd ein Zauber- und ein Musikstück erleben werden. Stattdessen werden beide Hauptpersonen auch zu Schauspielern. „Marc begleitet mich oder er stört mich oder er verbündet sich mit einem Zuschauer gegen mich oder umgekehrt“, sagt Ralph Kunze. Es gehe darum, dass sich beide Genres vermischen: „Er wird bei der Zauberei eingreifen, ich bei der Musik.“ Ein musikalischer Laie ist Kunze nicht: „Ich habe in der Musikschule zehn Jahre lang Geige gelernt und kann auch Gitarre spielen.“ Insgesamt wird es ein Schauspiel – mit viel zum Schmunzeln und auch zum Lachen.

Ein Drehbuch gibt es aber nach so kurzer Zeit noch nicht. „Wir sind gerade mitten in der Arbeit“, sagt Marc Winkler. Inzwischen basteln die beiden auch schon an einem Bühnenhintergrund: Es wird eine Häuserzeile sein, stilistisch an Görlitzer Altstadthäuser angelehnt, aber bestehend aus transportablen Platten. Das Ganze soll sich anfühlen wie ein Sommerabend in einer Altstadt-Häuserkulisse, wo zwei Straßenkünstler einen Wettstreit starten. Für die passende Gastronomie sorgt Birgit Beltle: „Es wird Fingerfood und Getränke geben.“ Sie hat den Saal ganz neu ausgestattet, hat Tische und Stühle aus ganz Deutschland zusammengesammelt. „Schlichter Kolonialstil, sehr passend zum Projekt der beiden“, sagt Birgit Beltle.

Die Premiere des Stückes „Lichte Momente“ ist für den Abend des 1. November angesetzt, weitere Termine für den 3. und 16. November, den 1. Dezember sowie vier Februarabende. „Wenn es gut angenommen wird, machen wir zusätzlich am 26. und 27. Dezember eine Weihnachts-Edition, bei der wir Weihnachtsthemen einbauen“, sagt Marc Winkler. Alles Weitere ist dann von der Publikumsresonanz abhängig. Läuft es gut, können noch jede Menge weitere Termine hinzukommen. Wenn nicht, dann ist eben Schluss. Wenn jemand das Stück in einer anderen Stadt sehen will, können die beiden mitsamt der Altstadtkulisse auch dorthin reisen. Und wenn jemand das Stück im Bahnhof als geschlossene Gesellschaft erleben will, zum Beispiel bei einer Firmenweihnachtsfeier, dann ist auch das möglich: „Im Dezember haben wir noch viele freie Termine.“

Im Rahmen der Produktion „Unwirklich & Saitentöne“ soll es anschließend jedes Jahr ein neues Stück geben. Premiere wird immer im Herbst sein. Nebenbei haben beide Akteure noch viele weitere Projekte laufen. „Für größere Aufträge pendle ich jetzt schon zwischen Wien und London“, sagt Kunze. Das Gleis 1 sei für ihn auch kein Ersatz für den Hotherturm, den er eigentlich nutzen wollte: „Der wäre der Vereinssitz und die Steuerzentrale für internationale Fachkongresse gewesen: „Das ist überhaupt nicht vergleichbar.“ Aber sei es drum: Auf die gemeinsame Produktion mit Marc Winkler freut er sich sehr.

Der Karten-Vorverkauf startet in wenigen Wochen – voraussichtlich u. a. im SZ-Treffpunkt im CityCenter sowie bei der Görlitz-Information. Vorverkaufspreis: 21 Euro, eventuelle Restkarten an der Abendkasse für 25 Euro.

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