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Görlitz

Rampe an der Stadthalle sorgt für Diskussionen

Die Stadt Görlitz hat an der Parkseite eine Rollstuhl-Rampe errichtet. Die zieht sich weit entlang der Fassade.

Diesen behindertengerechten Zugang hat die Stadt in den vergangenen Wochen an die Stadthalle angebaut – und zwar an der Parkseite.
Diesen behindertengerechten Zugang hat die Stadt in den vergangenen Wochen an die Stadthalle angebaut – und zwar an der Parkseite. © Nikolai Schmidt

Roland Skupin will kaum glauben, was er da gesehen hat. „Jahrelang wurde darüber gestritten, ob die Stadthalle einen Anbau erhalten soll oder nicht“, sagt der frühere Technische Leiter des Hauses am Neißeufer. Die Denkmalpfleger seien dagegen gewesen. Doch nun wurde ein behindertengerechter Zugang vor der parkseitigen Fassade gebaut. „Wer kann so etwas genehmigen? Das ist das Allerletzte“, macht Skupin seinem Unmut Luft.

Was ihn so stört: „Mit dem Zugang wird die Ansicht der gesamten Gebäudefront verschandelt.“ Er habe ja gar nichts gegen behindertengerechte Zugänge, aber andernorts sei das viel eleganter gelöst worden. Als Positivbeispiel nennt Skupin die Post am Görlitzer Postplatz. Auch für die Stadthalle habe es in den 1990er Jahren schon einmal einen Vorschlag für einen behindertengerechten Zugang gegeben. Dort war vorgesehen, die Rampe auf der Gartenseite – also der Terrasse – anzubauen. Der Zugang sollte durch die Eingangstür zur Gaststätte führen. Dabei war die Rampe einmal geknickt, um die notwendige Länge zu erreichen. „Damit hätte die Stadt nicht so massiv in die Gebäudeansicht eingegriffen, wie das jetzt der Fall ist“, sagt Skupin.

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„Mit dem Bau der Rampe wurde vor etwa vier Wochen begonnen“, sagt der zuständige Amtsleiter Torsten Tschage. Demnächst solle der Bau abgeschlossen werden. Die Rampe kostet rund 40 000 Euro. Tschages gute Nachricht für Skupin: „Die Rampe ist nur eine temporäre Lösung.“ Hintergrund sei, dass die Stadthalle derzeit für eine Sommernutzung des Kleinen Saales hergerichtet wird. Sommernutzung vor allem deshalb, weil es keine funktionierende Heizung gibt. Dieser Teil der Stadthalle soll also barrierefrei erreichbar sein. Später, wenn die Stadthalle komplett saniert ist, soll es einen Außenaufzug auf der Neißeseite geben, der auch in Verbindung mit dem Anbau steht. Der Zutritt für Rollstuhlfahrer über die südliche Brücke war laut Tschage nicht möglich, da für die Sommernutzung der Gebäudeteil des Großen Saales für Besucher unzugänglich bleiben soll.

„Die Sommernutzung ist generell nur als Zwischenstand zu sehen“, sagt Tschage. Als Grundlage diene nach wie vor die Entwurfsplanung aus dem Jahr 2012. Für die Sommernutzung werde die zum Stadtpark ausgerichtete Westseite als Haupteingang genutzt, da auch der Zugang zum Kleinen Saal über die westlichen Nebenräume erfolgt. „Die Rettungswege führen jeweils über das westliche und das östliche Treppenhaus, hier ist auch die Sicherheitsbeleuchtung angebracht“, sagt Tschage.

Ein Eingang über die von Skupin vorgeschlagene Terrasse wäre eine zusätzliche Öffnung gewesen, die zusätzlich abzusichern gewesen wäre, denn laut Brandschutzkonzept seien die Räume des ehemaligen Restaurants für Besucher unzugänglich zu halten. Für den Zwischenstand Sommernutzung seien Restaurant und Terrasse nicht in der Planung enthalten. Zudem sollen Rollstuhlfahrer den gleichen Zugang nutzen dürfen wie Nicht-Gehbehinderte und nicht über einen gesonderten Hintereingang. Das Ganze sei natürlich mit der Denkmalpflege abgestimmt.

Hartmut Wilke, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, erklärt, der Rampenanbau sei in der Baugenehmigung für die Nutzbarmachung des Kleinen Saals zur Sommernutzung enthalten. In dieser Baugenehmigung ist die Auflage des Denkmalschutzes festgeschrieben, dass diese Rampe eine befristete Dauerlösung ist – bis der Aufzug an der Ostseite fertig ist.

Roland Skupin ist skeptisch: „Ich hoffe ja, dass das stimmt, aber ich glaube nicht daran.“ Die Rampe sei viel zu stabil gebaut, um nur ein Provisorium zu sein. Er könne über die Rampe nur mit dem Kopf schütteln. Im Kleinen Saal werde doch im Sommer ohnehin nicht viel passieren. „Viele werden diesen Zugang wohl nicht nutzen.“ Ein Problem ist freilich: Solche Rampen nehmen meist viel Platz ein – und werden oft nicht als schön erlebt. Beim neuen Haupteingang des Klinikums gab es ähnliche Diskussionen, nur bei der Post nicht.

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