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Randalierer werden kaum bestraft

Die Täter kamen in der Dunkelheit. Vielleicht nahmen sie einen spitzen Stein. Vielleicht hatten sie auch gleich einen Vorschlaghammer dabei. Fakt ist: Mit brutaler Gewalt zertrümmerten sie drei der fünf Scheiben des Buswartehäuschens im Klipphausener Gewerbegebiet.

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Die Täter kamen in der Dunkelheit. Vielleicht nahmen sie einen spitzen Stein. Vielleicht hatten sie auch gleich einen Vorschlaghammer dabei. Fakt ist: Mit brutaler Gewalt zertrümmerten sie drei der fünf Scheiben des Buswartehäuschens im Klipphausener Gewerbegebiet. Das Glas zersprang in Tausende hellblau leuchtender Splitter. Anschließend machten sie sich schnell und unerkannt davon. Der Schaden, den sie hinterließen, liegt bei 1500 Euro.

In den letzten Wochen haben sich solche und ähnliche Vorfälle im Landkreis Meißen gehäuft. Die Muster ähneln sich. Das Ziel der Randalierer liegt meist abgelegen, ist oft nur mit dem Auto erreichbar. Die Wahrscheinlichkeit, dass es Zeugen gibt oder eine Polizeistreife vorbeikommt, geht gegen Null.

Oft sind es Buswartehäuschen

Vordergründig passen vor allem die im ländlichen Raum weit verbreiteten Buswartehäuschen in das Zielschema der Täter. Rund um den Jahreswechsel wurden östlich von Großenhain an sieben Unterständen Scheiben eingeschlagen. Passiert sein soll das gegen zwei Uhr nachts. Ein Anwohner gab im Nachhinein an, zu dieser Zeit das Quietschen von Reifen gehört zu haben. Offenbar hatten es die Täter eilig, vom Ort ihrer blinden Zerstörungswut zu verschwinden. Der Sachschaden in Schönfeld, Tauscha, Thiendorf, Sacka, Welxande und Kleinnaundorf beläuft sich auf weit über 2000 Euro.

Erst ein paar Wochen zuvor deckten Randalierer im Käbschütztaler Ortsteil Krögis Teile des Dachs eines Buswartehäuschens ab und zerschmetterten die Schindeln. Im Häuschen selbst entfachten sie ein Feuer und hinterließen Unrat. Bereits in den Wochen zuvor waren die Wände beschmiert worden.

Neben Buswartehäuschen sind in letzter Zeit der Zeitmesser des SV Elbland Coswig-Meißen in Kleinschönberg am Steinbruch sowie eine Streuobstwiese in Strehla durch Unbekannte zerstört worden.

Am sogenannten Stoppomat in Kleinschönberg gingen die Täter besonders rücksichtslos vor. Die Holzumhausung wurde angezündet, das Blech am Kasten für die Zeitmess-karten verbogen, der daneben stehende Schaukasten zerschlagen. Auf dem Dach zertrampelten die Unbekannten das Solarmodul. Der entstandene Schaden beträgt über 3000 Euro.

Rolf Baum vom SV Elbland Coswig-Meißen, der sich stets sehr für den Stoppomat eingesetzt hat, ist gleichzeitig einer der beiden Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Meißen. Dadurch sieht er die zunehmenden Sachbeschädigungen im Kreis aus zwei Perspektiven. Seinen Angaben zufolge halten sich die Probleme in den Bussen selbst derzeit in Grenzen.

Mit Hilfe von Schulbusbegleitern und Sächsischer Sicherheitswacht sei es gelungen, Schäden wie Graffitis, Schmierereien und zerschnittene Polster zurückzudrängen. Er habe jedoch den Eindruck, dass sich die Randalierer jetzt Objekte aussuchten, wo sie sich unbeobachtet fühlen könnten. Dadurch sinken die Chancen, die Randalierer zu fassen und dann anzuzeigen. Dem Problem sei nur beizukommen, wenn mehr „hingeguckt“, das heißt Zivilcourage gezeigt werde.

Zivilcourage ist gefragt

Genauso sehen das die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden. Immer häufiger verzichten sie auf eine Anzeige bei der Polizei, da es nur in seltenen Fällen möglich ist, die Schuldigen zu ermitteln. In der Folge werden die Randalierer kaum bestraft. Es fehlt der Abschreckungseffekt. Statt dessen versuchen die Bürgermeister, die Verursacher mit Geldprämien zu finden. So hat Klipphausen nach dem jüngsten Fall der zerschlagenen Scheiben am Buswartehäuschen im Gewerbegebiet eine Belohnung ausgesetzt. Ähnlich reagierten Käbschütztal und Schönfeld auf Zerstörungen in ihren Ortsteilen.

Wirkliche Erfolge haben die besagten Prämien bislang kaum gebracht. Statt dessen funktionierte in Käbschütztal jetzt ein Appell an das gute Gewissen der Einwohner. Nach Auskunft von Bürgermeister Uwe Klingor hätten zwei Familien ihre Sprösslinge als Verursacher bestimmter Sachbeschädigungen gemeldet. Die Familien übernahmen die Kosten für die Reparatur und der randalierende Nachwuchs leistet jetzt soziale Stunden ab.