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Rangelei um eine Mauer

Viele Flutschäden sind schon beseitigt. Aber an der Klosterstraße tut sich nichts. Das ärgert die Anwohner.

Von Cathrin Reichelt

In der Stützmauer hinter den Häusern Klosterstraße 6 und 7 klafft ein großes Loch. Die Flut im Juni hat es hineingerissen. Seitdem hoffen die Grundstückseigentümer auf die Reparatur durch die Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen. Bisher vergeblich. Denn „die Mauer ist eine private Ufermauer“, erklärt Katrin Schöne, Pressesprecherin der Talsperrenverwaltung auf Anfrage des Döbelner Anzeigers. Deshalb müsse der Schaden auch privat reguliert werden. „Die Landestalsperrenverwaltung ist in diesem Falle nicht zuständig“, so die Pressesprecherin. Zu dem Problem habe es auch schon einen Vorort-Termin mit den betroffenen Anwohnern und der Landestalsperrenverwaltung gegeben. Des Weiteren sei das Thema Ende September im Hauptausschuss der Stadt Döbeln durch Vertreter der Landestalsperrenverwaltung erörtert worden.

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Derzeit liege die Priorität bei der Umsetzung des Hochwasserschutzes für Döbeln beim Ausbau der Flutmulde und der Errichtung des Verteilerwehres. „Die Herstellung der Hochwasserschutzanlagen an der Freiberger Mulde wird erst nach Fertigstellung der Flutmulde beginnen“, erklärt Katrin Schöne.

In den Sand gesetztes Geld

Hagen Kunze als einer der betroffenen Anwohner kann die Aussagen der Pressesprecherin nicht nachvollziehen. Tatsächlich sei der Chef der Talsperrenverwaltung Axel Bobbe kurz nach der Flut einmal in Döbeln gewesen und habe sich die Schäden angesehen. Seither habe sich dort niemand mehr sehen lassen. „Es wäre Unsinn, wenn wir die Mauer wirklich selbst reparieren lassen“, meint Kunze. Denn nach seinen Informationen sei vorgesehen, dass im Jahr 2017 genau an dieser Stelle eine Flutmauer gebaut werden soll. Für den Neubau müssten vier Anlieger der Klosterstraße sogar jeweils ein kleines Stück Land abgeben, damit die Mauer in einem weiteren Bogen errichtet werden kann. Mit dieser Lösung seien alle auch von Anfang an einverstanden gewesen.

„Die Mauer, die dann ohnehin wieder verschwindet, jetzt selbst zu sanieren, wäre in den Sand gesetztes Geld“, meint der Grundstückseigentümer. Ein Gutachter habe erklärt, dass allein die Instandsetzung seines Abschnittes der Stützmauer zwischen 30 000 und 35 000 Euro verschlingen würde. „Aber wir sind frohen Mutes, dass uns die Stadt Döbeln unterstützt“, sagt Hagen Kunze.

Schnelle Regelung nötig

Die Verwaltung will gemeinsam mit den Eigentümern und dem Umweltministerium eine Lösung für die unbefriedigende Situation finden. Vorerst rät sie den Grundstücksbesitzern jedoch, bei der Sächsischen Aufbaubank (SAB) eine Schadensregulierung zu beantragen. Bis die möglicherweise genehmigt ist, und Arbeiten finanzierbar sind, könnte aber noch einige Zeit vergehen.

„Es muss aber schnell etwas passieren. So ist der Bereich nicht sicher“, meint Kunze. Der derzeit starke Wind kann der Mauer zwar wenig anhaben. Aber Kunze und seine Nachbarn denken weiter. Ein Frühjahrshochwasser könnte noch größere Ausspülungen verursachen. Die Staupitzstraße sei relativ nah. Auch von ihr könnte dann ein Stück wegbrechen.

Um seiner Familie, vor allem seinen Kindern, wenigstens ein wenig Sicherheit zu bieten, hat Hagen Kunze die fehlende Mauer durch einen Bauzaun ersetzt. Vom Geländer, das vor dem 2. Juni die Begrenzung zum Grundstück Nummer 6 gebildet hat, hängt nur noch ein kleiner, abgerissener Rest lose über der Mulde. Die Begrenzungsmauer des Grundstücks 7 ist fast komplett verschwunden. Die darunter liegenden Erd- und Gesteinsschichten sind ausgespült. Und das Wasser arbeitet sich täglich ein kleines Stück weiter vor.