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Rapper am Radio-Mikrofon

Ein junger Mann aus Hoyerswerda hat einen großen Teil seines Leben der Musik verschrieben.

Simon alias Krom an seinem Arbeitsplatz im Studio von Energy Sachsen. Tausende – vor allem junge – Menschen hören ihm werktäglich im Land zu.
Simon alias Krom an seinem Arbeitsplatz im Studio von Energy Sachsen. Tausende – vor allem junge – Menschen hören ihm werktäglich im Land zu. © Foto: Energy / Eric Kemnitz

Von Yannick Witschas

Hoyerswerda. Beruf und Hobby zu verbinden, ist die Traumvorstellung wohl vieler Jugendlicher. Der gebürtige Hoyerswerdaer Simon alias Krom hat genau das geschafft. Seit Januar moderiert er im Radio bei Energy Sachsen von Montag bis Freitag (18-22 Uhr) die Sendung „Brandneu“ und das mit seinem exklusiven „freestyle takeover“. Dabei schicken ihm die Zuhörer verschiedene Schlagworte, aus denen der nebenberufliche Rapper frei auf einem beliebigen beat in das Mikrofon improvisiert.

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Aber von vorn: Simon wuchs in Hoyerswerda auf und machte 2012 sein Abitur am Johanneum. Hier lernte er während eines Praktikums beim Hoyerswerdaer Tageblatt den redaktionellen Alltag kennen und gewann erste Einblicke in die Medienwelt. Musikalisch lernte er das Klavierspielen, sammelte mit seiner Schulband Bühnenerfahrung und versuchte sich als Rapper. Sein Künstlername resultierte aus lauter Langeweile im Chemie-Unterricht. Für ihn war das 24. Element einfach das coolste. Nach seinem Abitur wagte er den nächsten Schritt und ging in die Stadt der Dichter und Denker. In Weimar studierte er an der Bauhaus-Universität sechs Semester Medienkultur. Währenddessen fuhr der Fußballfan freiberuflich für Antenne Thüringen als Sportreporter durch die Stadien des Landes. Außerdem moderierte er beim Bürgerradio Lotte-Weimar und half ehrenamtlich dem HipHop-Format Salty Soundz aus Halle. Musikalisch wurde neben seiner Liebe zum Battle-Rap, einer Form des Rap, bei der das Diffamieren eines „Gegners“ und die übertrieben positive Darstellung der eigenen Person im Mittelpunkt stehen, aus dem Soloprojekt die Rock-Rap Band Krom, was neben seinen medialen Aufgaben und dem Studium zu einer richtigen Belastungsprobe wurde.

Auftrittsort Zugspitze

So spielte Simon 2016 mit zwei Studienkollegen 18 Konzerte in Clubs, auf Festivals, in Irish Pubs, fremden Wohnzimmern und 2017 im Rahmen eines Bandwettbewerbs auf der Zugspitze. Außerdem besuchte er regelmäßig diverse Freestyle Battles, welche ihm dabei halfen, in der Rap-Szene Bekanntheit und Respekt zu erlangen. Nach seinem Bachelor hatte Simon mehrere Möglichkeiten, die Musik mit seiner Band zum Beruf zu machen. Sie entschieden sich bewusst dagegen, um hauptberuflich Karriere zu machen und nicht so ein hohes Risiko einzugehen. So verschlug es ihn 2017 nach Halle zu Radio Brocken, wo er Reporter der Morgensendung wurde und hierfür aus ganz Sachsen-Anhalt berichtete.

Durch seine Kontakte in der Rap-Szene fand er in Halle schnell Anschluss und konzentrierte sich wieder vermehrt auf den Battle-Rap, wo ihn neben seiner Brille und dem Cap vor allem seine lyrische Finesse gegenüber seinen Gegnern deutschlandweit bekannt machten. Bei „Rap am Mittwoch“ wurde er schließlich zu einem festen Bestandteil der größten Battle-Rap-Liga Deutschlands und seine Battles, welche ihn mittwochs durch ganz Deutschland führten, wurden im Internet hunderttausendfach geklickt. Nachdem „Rap am Mittwoch“ 2018 die vorerst letzte Saison zu Ende gebracht hatte, markierte das, das Ende einer Erfolgsgeschichte, welche die Battle-Rap-Legende Tierstar mit seinem Format „Tierstar-Takeover“ übernahm. Seitdem begegnet Krom Newcomern, Veteranen, Rapstars und Untergrundrappern auf Augenhöhe und hat eine beachtliche Siegesquote, die ihn zu einem Star dieser Szene macht. Außerdem wurde er Freestyler des Jahres 2018/19 und konnte das Ganze mit einem Fernsehauftritt bei Pro7 krönen. Neben seinen zahlreichen Auftritten als Battle-Rapper ist er auch immer wieder mit seinem Kumpel Fesas unterwegs. Mit diesem spielte er schon auf Festivals oder als Voract für bekannte deutsche Rapper wie B-Tight oder Plusmacher. Nun pendelt der junge Mann von Halle zu Energy nach Leipzig, um auch dort täglich seinem Lieblingshobby nachzugehen. In seiner kostbaren Freizeit reist Simon am liebsten mit seiner Freundin durch die Welt oder trinkt ein Bier bei einem Spiel seines Fußballvereins SV Dornstedt. Mit seiner alten Heimat ist er zumindest familiär noch stark verbunden, grüßt die Lausitz gerne im Radio und hätte auch in diesem Sommer nach sechs Jahren mal wieder hier gespielt, aber nicht nur das: Er war für das größte Hip-Hop Festival Europas in der Schweiz gebucht.

Musik in der Altstadt

Aber undank Corona war es für Simon nach langer Zeit mal wieder etwas ruhiger. Dafür nutzte Krom die Zeit und will noch dieses Jahr seine Fans neben seinem eigenen Merchandise endlich mit einem Album füttern. Außerdem landete er mit einer Corona-Dankes-Produktion für den DPD an seine Mitarbeiter mit 1,4 Millionen Internet-Klicks einen Hit. Mittlerweile fühlt sich der 26-Jährige angekommen im Radio sowie in der Hip-Hop Szene und hat, außer hoffentlich bald wieder Konzerte zu spielen, keine großartigen Ziele. Er will so viele Hörer wie möglich begeistern, arbeitet dafür akribisch an sich selbst. Am 5. und 6. September kann sich jeder bei der Straßenmusik in der Altstadt „Hoyerswerda bleibt bunt“, ein Bild von dem jungen Mann machen. „Dieses Konzert auf Pflastersteinen in der Heimatstadt und für einen guten Zweck ist mir mehr Wert als vor Tausenden Fans zu spielen.“

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