SZ +
Merken

Raritäten in wackligen Regalen

Der Hohnsteiner Burgchef öffnet den Fundus des Museums für die SZ. Viel gibt es da zu entdecken.

Teilen
Folgen

Von Anja Weber

Ein Blick in eine Rumpelkammer ist immer etwas Geheimnisvolles. Was gibt es da nicht alles zu entdecken. Alte Sachen, die mitunter längst vergessen sind, schlummern dort. Wohlbehütete. Denn wie das bei solchen Kammern ist, der Blick bleibt den meisten versperrt. Es sei denn, es ist die eigene Kemenate oder jemand darf dort ganz offiziell herum kramen.

Auch im Naturfreundehaus Burg Hohnstein finden sich solche Räume. Sie sind keine Rumpelkammern, wie der Burgchef Steffen Kunzelmann betont. Es ist der Fundus für das Museum. Hoch oben im Haus vier liegen die Exponate, einige tatsächlich schon etwas angestaubt. Mehrere Stufen muss Winfried Pätzold, der sich um das Museum kümmert, erklimmen. Ein Hinweis, dass hier nicht geraucht werden darf, zeigt, wie wichtig die Ausstellungsstücke noch irgendwann einmal sein können.

Die Raritäten sind auf drei Räume verteilt. „Vielleicht stellen wir das eine oder andere Exponat auch noch einmal aus. Aber vieles muss erst noch sortiert werden“, sagt Steffen Kunzelmann. Eine gewisse Ordnung ist aber auch jetzt schon drin. Immerhin ist nicht alles durcheinander gewürfelt, sondern offenbar schon mit System in den Räumen verteilt. Viel Platz ist dort aber nicht mehr. In einem wackligen Regal stapeln sich große und schwere Kassenbücher der Burg aus den Jahren 1934 bis März 1935. Fein säuberlich wurde jede Ausgabe und jede Einnahme notiert. Auch steht dort geschrieben, wie viel die Mitarbeiter damals verdient haben und wer alles auf der Burg zu tun hatte. In dieser Zeit war sie unter anderem Schutzhaftlager für 5 600 politische Gefangene, bevor sie 1935 an die Hitlerjugend übergeben wurde. Auch ein Sparbuch aus dem Jahre 1935 liegt hier und natürlich verschiedene Bücher und Schriften über Hohnstein und die Burg. Gerne würde Winfried Pätzold sicher auch das eine oder andere Kassenbuch mit ausstellen, aber im Museum ist kein Platz mehr für weitere Vitrinen. Deshalb bleiben die Bücher erst einmal hier und werden ab und zu abgestaubt. Auch eine alte Tür, die bei Umbauarbeiten gerettet wurde, wartet auf ihre Restaurierung. Ebenso das Kinderspielzeug, das dem Museum von Hohnsteinern übergeben wurde. Eine neue Ausstellungsvitrine füllt das zwar noch nicht, aber ein Anfang ist gemacht. Und ein altes Schaukelpferd, wie derzeit im Fundus steht, kann sicher auch so einige Geschichten erzählen. In anderen Kisten und Kartons sind Kopfbedeckungen verpackt, ein Stahlhelm ist dabei und eine orientalisch aussehende Kappe. Wer sie einmal getragen hat, steht nicht dabei. Auch wer die Wärmflasche, die in einer Ecke lagert, nutzte, ist nicht bekannt. Steffen Kunzelmann kann aber noch mehr präsentieren. In einem Schrank hängen herrschaftliche Kostüme auf Bügeln. Nicht zerknittert, nicht kaputt. Gerade so, als ob sie noch in Gebrauch wären. Solche Kostüme wurden möglicherweise auch zu Zeiten getragen, als die Berken von der Duba das Areal beherrschten oder der Sächsische Kurfürst hier während seiner Jagden nächtigte und sich stärkte.