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Raser machen Pause

Beim bundesweiten Blitzermarathon blitzte es im Landkreis an 35 Stellen. Nicht alle waren angekündigt.

Von Jürgen Müller

Landkreis. Die Niederauer Straße am Ortsausgang Meißen ist gerade ausgebaut worden. Auf einer Seite befindet sich ein Fuß- und Radweg. Schnurgerade geht die Fahrbahn Richtung Niederau. Hier, ein paar hundert Meter vor dem Ortsausgangsschild, drückt so mancher ein bisschen mehr aufs Gas. Das kann gefährlich werden. Denn es gibt viele Ausfahrten. Nein, ein Unfallschwerpunkt sei das zwar nicht, aber ein „Häufungspunkt“, sagt Polizeioberkommissar Rene Meyer. Mit zwei Kollegen hat der Meißner Polizist gestern am Nachmittag eine Kontrollstelle eingerichtet. Unter einer Weide stehen die drei Beamten. Meyer schaut durch die Laserpistole vom Typ LTI 20/20. „Nicht das neueste Gerät, aber sehr zuverlässig“, sagt sein Kollege Polizeihauptmeister Michael Meyer, der mit leuchtend gelber Weste und roter Kelle ausgerüstet ist. Sein Part ist es, die Sünder anzuhalten, zu belehren und Verwarngeld zu kassieren. Das Meyer-Duo wird ergänzt von Polizeiobermeister Jan Kölbel, der die Geschwindigkeitsverstöße schriftlich festhalten soll. Sein Block ist noch leer.

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Rene Meyer nimmt einen Pkw ins Visier, zielt auf das Nummernschild, eine reflektierende Fläche. In 0,3 Sekunden werden 47 Laserimpulse abgegeben. Sieben davon werden zur Messung verwendet. Es piept, gleich darauf wird die Geschwindigkeit angezeigt: 46 Kilometer pro Stunde. Der Fahrer kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. Wäre das Fahrzeug zu schnell gewesen, hätte es zweimal gepiept. Obwohl es keine Aufzeichnungen gibt, sind die Messungen gerichtsfest, sagt Michael Meyer. „Dennoch zweifeln manche Richter die Messungen an, stellen die Verfahren ein. Das ist sehr deprimierend für uns“, sagt er.

24 Stunden lang haben in Sachsen wie hier in Meißen knapp 500 Bedienstete der Polizei und der Kommunen an etwa 280 Punkten beim bundesweiten Blitzermarathon die Geschwindigkeit kontrolliert. Für den Landkreis Meißen sind vorab 35 Stellen bekannt gegeben worden. Die Niederauer Straße gehörte nicht dazu. Dennoch sind die Kraftfahrer gewarnt, hatten doch die Medien ausführlich darüber informiert. Aber auch so funktioniert offenbar das Warnsystem der Kraftfahrer untereinander. Etliche Male blitzt im Gegenverkehr die warnende Lichthupe auf. Die Liste von Jan Kölbel bleibt vorerst leer. So diszipliniert wie an diesem Tag sind die Autofahrer sonst nicht. „Zu hohe Geschwindigkeit ist im Kreis Meißen nach wie vor die Hauptunfallursache“, sagt Michael Meyer. Aktionen wie der Blitzermarathon sollen dazu beitragen, die Kraftfahrer zu erziehen und zu sensibilisieren. Doch es gibt auch Kritik an der Aktion. Kritiker fordern regelmäßige, intensive Kontrollen an Unfallschwerpunkten statt einer solchen zudem angekündigten Hau-Ruck-Aktion. Wieder nimmt Rene Meyer ein Fahrzeug ins Visier, einen Opel Vectra. 58 km/h zeigt das Gerät an. Gestoppt wird er nicht. „Wir sind sehr kulant, erst ab einer Überschreitung von zehn Kilometern in der Stunde greifen wir ein“, sagt der Polizeioberkommissar. Vor Schulen freilich liege die Toleranzschwelle niedriger. An Ort und Stelle können die Polizisten ohnehin nur Verwarngelder aussprechen, also bis zu 35 Euro. Wer in den Bußgeldbereich kommt, der erhält Post von der Bußgeldstelle. Vor Ort kassieren die Polizisten nicht nur in bar. Die Polizei hat aufgerüstet. Das Verwarngeld kann jetzt auch mit EC- oder Kreditkarte bezahlt werden. Und auch in Fremdwährung. „Wir nehmen jede konvertierbare Währung, egal ob Schweizer Franken oder Dänische Kronen“, so Meyer.

Gestern kommt zumindest an dieser Messstelle kein Geld rein. Der Block von Jan Kölbel bleibt leer. „Ist doch auch ein Erfolg, wenn alle ordentlich fahren“, sagt er. Nach knapp einer Stunde brechen die Polizisten die Kontrolle ab. Kaum sind sie weg, geben die Kraftfahrer wieder Gas.