SZ +
Merken

Rasselbande auf Insektenjagd

Entdeckungstour. Kinder ohne Furcht und Tadel – wenn der Förster Theater spielt, ist der Wald gleich noch mal so spannend.

Teilen
Folgen

Von Wulf Stibenz

Töröö, töröö! Das Horn lockt magisch ein 27-köpfiges Rudel an. Eben noch beim zweiten Frühstück, jetzt in wilder Hatz über den Feldweg. Es gibt kein Halten – 54 Minifüße trippeln in Richtung Oberwald. Die Sonne lacht, Felder stehen in sattem Grün und eine lange Reihe bunter Farbkleckse hüpft, springt und stolpert aus Nebelschütz raus. „Jetzt brennen sie durch“, sagt schmunzelnd Barbara Zschornack – Chefin der Rasselbande und der zweisprachigen Kindertagesstätte „Jan Skala“.

Lernen in der Natur steht an diesem Dienstagmorgen auf dem Programm – der Revierförster von Piskowitz hat zur Waldpädagogischen Wanderung geladen. Was nach langen Referaten und reichlich Biologieunterricht klingt, entpuppt sich als Puppenspieltheater und Riesenspaß. Eine Luke in einer Mini-Finnhütte ist die Bühne für Revierförster Harald Petrick und seinen Gehilfen Olaf Scheibe, Forststudent von der Fachhochschule in Schwarzenberg. Stille, offene Münder, aufgerissene Augen. Die Kinderschar lauscht – und erfährt durch das Puppenspiel, dass Müll im Wald schlecht ist. Am Ende gibt es Applaus ohne Ende für die Laienspieler in forstgrün.

Naturlehrpfad soll entstehen

Der Revierförster lacht zufrieden in seinen Bart. „Die Kinder wollen alles wissen – ihnen die Natur zu erklären, macht Spaß.“ Zum zweiten Mal findet diese Spezialwanderung als Aktion des Sächsischen Forstamtes Kamenz mit der Kita-Gruppe statt – in der die Gespräche in deutsch und sorbisch stattfinden. „Wenn alles glatt geht, richten wir hier einen feinen Naturlehrpfad ein – dann können wir solche Wanderungen öfter machen“, sagt Petrick zu seinen Plänen im Revier.

Doch jetzt verteilt er erst einmal große blaue Plastesäcke – die Kinder sind sofort Feuer und Flamme für das Müllsammeln. Andere schnappen sich Lupen oder eines der begehrten Stethoskope. Horch und Guck heißt die Devise. Und für Tadej, Nina, Johanna, Blasius, Toni beginnt die große Insektenjagd.

Die Kleinen wühlen eifrig den Waldboden auf, sammeln alles ein, was kreucht und fleucht. Spinnen, Ameisen, Mücken – nichts bleibt verschont und wird nach genauester Betrachtung wieder frei gelassen. Die Förster erklären, was die Jäger da gefangen haben und welche Rolle die wuselnden Viecher im Wald spielen. „Auf die einfachen Erklärungen für Kinder muss man sich einstellen“, sagt Forstlehrling Scheibe zu seiner Premiere als Kinderlehrer. Doch die Begeisterung der Racker sei jede Mühe wert. Ziel der Forstmänner: Werbung für den Schutz des Waldes. Das geht nur mit Spezialaktionen. Und so pflanzt die Kita-Gruppe unter professioneller Anleitung einen Minibaum.

Wiederkommen wollen alle

Nach den Infos über Pflanzen und Schädlinge gibt es wieder Spaß und Spiel. Olaf Scheibe hat zwei Weidenkörbe aufgestellt – für den Tannenzapfen-Zielwurf. Zur Belohnung gibt es Knabbereien. „Weiter geht es, Helena, Lea, Alex, Nils – kommt“, ruft Kita-Chefin Zschornack ihren Schützlingen zu. Flugs zählt sie durch. Es sind 27. Weiter geht es, zur nächsten Station. Bäume werden hier mit den Stethoskopen abgehört, Tierrufe nachgeahmt und seltene Käfer gefangen.

Gut einen Kilometer lang ist die Lehrrunde – dann ist Rast angesagt. Saft für alle. Und nach fast zwei Stunden heißt es aus 27 Kinderkehlen: „Auf Wiedersehen, liebe Onkel Förster.“ Nächstes Jahr sehen wir uns hier wieder, vereinbaren die Kindergärtnerinnen mit den Förstern. Ab die Post – wieder tobt die Rasselbande über den Feldweg. In der Kita-Nebelschütz warten schon die Bettchen für den Mittagsschlaf.