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Rassismus-Vorwürfe gegen CDU-Frau

Grüne und Linke fordern den Rücktritt von Hannelore Ziesche aus Rosenthal, weil sie einen Freitaler als Neger titulierte.

Von Matthias Weigel

Mit einer Pressemitteilung machten gestern die Kreisvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke auf „Rassismus im Kreiswahlausschuss“ aufmerksam. Die Vertreterin der CDU, Hannelore Ziesche aus Rosenthal-Bielatal, soll den ebenfalls für die CDU kandidierenden Candido Mahoche aus Freital dort als Neger beschimpft haben. Diese Äußerung sei ein Verstoß gegen die Menschenwürde. „Wer eine Person aufgrund ihrer dunkleren Hautfarbe als Neger bezeichnet, ist für jegliche politische Aufgabe ungeeignet, heißt es in der Mitteilung von Ines Kummer (Grüne) und Lutz Richter (Linke). Ziesche solle als Repräsentantin ihrer Partei und als Vorstandsmitglied im CDU-Regionalverband Königstein und der Kreis-Senioren-Union ihre Ämter niederlegen und sich entschuldigen, fordern Linke und Grüne. Gerade vor Wahlen sei eine diskriminierungsfreie Sprache wichtig – wer das nicht tue, nehme in Kauf, dass rechtsradikale Parteien anknüpfen können oder sich in ihrer Hetze bestätigt fühlen, heißt es.

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Hannelore Ziesche räumte gestern zwar telefonisch ein, das Wort gesagt zu haben. Sie sei aber fassungslos, was nun daraus gemacht werde. Ihr sei nur beiläufig rausgerutscht, als eine Beisitzerin bei der Aussprache des Namens Mahoche ins Stocken kam, dass das der „Neger aus Freital“ sei. Eine Dummheit sei ihr da passiert. Mit Fremdenfeindlichkeit habe das aber nichts zu tun, versichert die CDU-Frau. „Wer mich kennt, wird bestätigen, dass ich mit Rassismus nichts am Hut habe“, sagt sie. Zumal sie sogar noch vor ein paar Wochen bei der Aufstellung der CDU-Kandidaten für Herrn Mahoche gestimmt habe.

Auch CDU-Sprecher Peter Darmstadt, der gestern sofort mit Mahoche telefoniert habe, und Sitzungsleiter Thomas Obst vom Landratsamt stellen sich vor Ziesche. „So wie sie das Wort benutzt hat, haben die Beisitzer und ich als Vorsitzender ausschließlich den Eindruck einer unbedarften Äußerung“, teilt Obst mit. Noch bevor man auf die Wortwahl aufmerksam machen konnte, habe das die anwesende Frau Kummergetan, worauf Frau Ziesche äußerte, das nicht gewusst zu haben. Damit war die Sache erledigt. „Frau Ziesche ist den meisten seit Jahren persönlich bekannt und über jeden Vorwurf einer rassistischen Einstellung erhaben“, so Obst.

Candido Mahoche kann den ganzen Rummel ebenso nicht verstehen. „Ich bin stolz auf meine Hautfarbe und sehe da kein Problem“, sagt er. Es sei ja in dem Zusammenhang nicht böse rübergekommen, sondern ein Ausrutscher gewesen. Dass das nun so hochgepuscht werde, liege wohl am Wahlkampf, sagt der CDU-Mann, der aus Mosambik stammt und sich in Freital politisch sowie für den Sport engagiert.