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Rathaus erstattet Strafanzeige nach Villen-Abriss

Obwohl die Stadt einen Abrissstopp verhängt hat, ist das Gebäude weiter zerstört worden. Zuvor hatte es dreimal gebrannt.

Von Tobias Wolf

Der Abriss einer denkmalgeschützten Villa in der Tolkewitzer Straße 57 hat nun auch ein juristisches Nachspiel. Gegen einen der beiden Eigentümer des Grundstücks sei wegen des ungenehmigten Abrisses Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Dresden erstattet worden, teilt Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos) auf SZ-Anfrage mit. Die Stadt hatte am 16. Mai einen sofortigen Abbruchstopp verhängt. Nach Angaben des Rathauses sei dieser jedoch nicht beachtet worden.

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Weitere ungenehmigte Abbrucharbeiten an dem Kulturdenkmal seien daraufhin erfolgt. Inzwischen sind nur noch Reste des Erdgeschosses und eine Seitenwand übrig. Bei der Staatsanwaltschaft sei die Anzeige wegen eines Verstoßes gegen das Sächsische Denkmalschutzgesetz am 23. Mai eingegangen, sagt Sprecher Lorenz Haase. Die Anklagebehörde habe dazu Ermittlungen aufgenommen. Sollte eine Straftat vorliegen, drohen bis zu 125 000 Euro, in schweren Fällen bis zu einer halben Million Euro Bußgeld. Laut Denkmalschutzgesetz kann die Zerstörung geschützter Kulturdenkmale jedoch auch mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft werden. Außerdem prüfe die Stadt, ob der Eigentümer verpflichtet werden kann, die Villa wieder aufzubauen, so Bürgermeister Lunau weiter.

Die Eigentümer sind eine Lehrerin und ein Ingenieur aus Hessen. Sie haben auf die Anfrage der Sächsischen Zeitung keine Stellung genommen. Die Strafanzeige ist der vorläufige Höhepunkt eines Falls, der einige Fragen aufwirft. Denn die Villa hat in den vergangenen zwei Jahren insgesamt dreimal in Flammen gestanden. Allein seit November zweimal. Am 18. November brannte plötzlich mitten in der Nacht der Dachstuhl. Trotz eines Löscheinsatzes wurde das Gebäude dabei beschädigt, wie die Feuerwehr damals mitteilte. Am 31. März dieses Jahres brannte die Villa erneut, diesmal wütete das Feuer im Erdgeschoss. Laut Polizei hatte ein Bewohner in einem der Nachbarhäuser gegen zwei Uhr morgens ein Klirren gehört. Aus dem Fenster konnte der Augenzeuge sehen, wie Flammen aus dem Gebäude schlugen und eine dunkel gekleidete Person den Brandort verließ.

Auffällig ist, dass die anderen Gebäude auf dem Areal bislang nicht von Bränden betroffen waren, darunter eine Garage neben der Einfahrt sowie ein eingeschossiges Haus, das zu DDR-Zeiten in den 1980er-Jahren als Behinderteneinrichtung der Dresdner Caritas diente und nicht unter Denkmalschutz steht.

Das Branddezernat der Dresdner Kriminalpolizei geht nach dem letzten Feuerwehreinsatz von Brandstiftung aus. Die Ermittlungen gegen bislang unbekannte Täter dauern derzeit noch an. Dies teilt Polizeisprecherin Jana Ulbricht mit. Die gleiche Abteilung wird im Auftrag der Staatsanwaltschaft voraussichtlich nun auch den ungenehmigten Abriss untersuchen, so Ulbricht weiter. Bürgermeister Lunau zufolge wurde das Grundstück 1997 an die heutigen Eigentümer übertragen, die es bis 1977 schon einmal besessen hätten.

Allerdings scheinen die Eigentümer schon länger nicht mehr glücklich mit der Villa zu sein. Laut Rathaus habe es mehrere Abrissanträge gegeben, begründet „mit dem mangelnden Nutzungsbedürfnis seitens des Eigentümers“, „der Infragestellung der Denkmaleigenschaft“ und „der Unzumutbarkeit des Erhalts“. Außerdem hätten die Eigentümer verschiedentlich „signalisiert“, auf dem Gelände neu bauen zu wollen. Ein möglicher Neubau müsste sich nach den Gebäudegrößen in unmittelbarer Nachbarschaft richten und dürfe das Ortsbild nicht beeinträchtigen, teilt Baubürgermeister Jörn Marx (CDU) mit. Damit wäre es theoretisch möglich, dort ein Haus mit mehreren Stockwerken und Wohnungen zu errichten.